Stoiber

„Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber“

 - 17:26

Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber hat seine umstrittenen Äußerungen über Ostdeutschland weiter als nötige Angriffe auf die Linkspolitiker Gregor Gysi und Oskar Lafontaine verteidigt.

In am Samstag veröffentlichten Auszügen aus einem ZDF-Interview sagte Stoiber, die ihm vorgehaltenen Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Er habe eindeutig auf die beiden Spitzenkandidaten der in Linkspartei umbenannten PDS abgehoben.

„Es geht nur um den Kampf gegen die Linkspartei“

„All das, was Sie jetzt hier zitieren, ist im Zusammenhang zu sehen mit der für mich nicht nachvollziehbaren Tatsache, daß Gysi und Lafontaine - diese Altfrustrierten in Deutschland - vor allen Dingen auch in den neuen Ländern einen solchen Zulauf haben.“ Ihm sei die Auseinandersetzung mit dem Linksbündnis viel zu lasch. Der CSU-Vorsitzende nannte es nicht nachvollziehbar, daß jemand wie Lafontaine, der eindeutig gegen die Wiedervereinigung gewesen sei, sich „hier aufspielt zum Helden im Osten“.

Das akzeptiere er nicht. „Deswegen auch dieses Wachrütteln, dieses Aufrütteln, die Menschen insgesamt davon zu überzeugen, daß das keine Lösung ist für Deutschland, Gysi zu wählen.“ Stoiber verwahrte sich ausdrücklich gegen den Vorwurf, er wolle Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel schaden: „Das ist doch alles Unsinn, was hier dargelegt wird.“ Es gehe ihm nur um den Kampf gegen die Linkspartei.

„So kluge Bevölkerungsteile wie in Bayern“

„Da habe ich darauf hingewiesen, und ich werde natürlich diese Auseinandersetzung weiter führen und werde alle aufordern, gegen diese härter vorzugehen.“ Die aus ihren Ämtern geflohenen Gysi und Lafontaine dürften nicht mehr eine Verantwortung bekommen in Deutschland und auch nicht durch ein starkes Abschneiden der Linkspartei entscheiden, wie die Bundesregierung zusammengesetzt sein werde.

Stoiber hatte in einer Wahlkampfrede erklärt, er akzeptiere nicht, daß erneut der Osten bestimme, wer Kanzler werde. Zudem hatte er unter Anspielung auf das Wahlverhalten in Ostdeutschland bedauert, daß es nicht überall „so kluge Bevölkerungsteile wie in Bayern“ gebe. Auf eine von zahlreichen Politikern geforderte Entschuldigung bei den Ostdeutschen ging Stoiber nicht ein. Auf die Frage, ob es nicht einfach wäre zu sagen, er entschuldige sich, „wenn ihr das mißverstanden habt im Osten“, antwortete der bayerische Ministerpräsident: „Ja das kann nicht mißverstanden werden.“ Das Interview wurde nach ZDF-Angaben am Freitag geführt, bevor weitere Äußerungen Stoibers über ostdeutsche Wähler bekannt wurden.

Nach Medienberichten hatte Stoiber an die Adresse möglicher Wähler der Linkspartei bei Wahlkampfauftritten in Thüringen und Bayern gesagt: „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.“ Auf der Veranstaltung in Deggendorf habe Stoiber dann vergangene Woche gesagt, er sei sich nicht ganz sicher, ob alle das bei den Kundgebungen in Thüringen richtig verstanden hätten. „In Bayern mit Sicherheit“, fügte Stoiber den Berichten zufolge hinzu.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP, Reuters
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