UN-Jugenddelegierte: Tagebuch (5)
Besser vernetzt als die Profis
Von Falko MohrsFalko Mohrs und Emily May Büning mit Königin Silvia von Schweden
04. November 2009
Ein ganzes Jahr lang haben wir uns auf die vier Wochen in New York vorbereitet – aber eine der interessantesten Begegnungen ergab sich nun rein zufällig: In der Delegiertenlounge des Hauptgebäudes der Vereinten Nationen steht plötzlich Königin Silvia von Schweden neben uns. Schnell sind wir mitten im Gespräch über ihr Engagement für die Rechte von Kindern und gegen die sexuelle Ausbeutung von Mädchen.
Strategiewandel per SMS
Wo sonst könnten solche Begegnungen am Rand stattfinden? Und wo sonst könnten sich junge Leute einmal besser vernetzt fühlen als hauptamtliche Diplomaten? Uns ging es in New York immer dann so, wenn wir uns als Jugenddelegierte in einer Debatte per SMS auf einen Strategiewechsel geeinigt haben, von dem die Profis nichts wissen konnten. Vielleicht lag es auch daran, dass wir nicht nur die deutsche ständige Vertretung bei den Vereinten Nationen, sondern auch Delegierte aus aller Welt von vielen unserer Vorschläge überzeugen konnten - und diese nun tatsächlich in der Weltjugendresolution stehen: Darin wird UN-Generaldirektor Ban Ki-Mon zum Beispiel dazu aufgefordert, die Jugendabteilung der Organisation zu stärken, außerdem haben alle Staaten anerkannt, dass die Jugend ein wichtiger Partner im Kampf gegen den Klimawandel ist.
Aus 25 Ländern: die Jugenddelegierten in New York
Dass die Wirtschaftskrise junge Menschen besonders hart trifft – diesen Passus haben wir zusammen mit der Schweiz in die Resolution gebracht. Einer der schwierigsten Paragraphen aber war der Absatz über HIV und Aids, denn hier sind die Lösungsansätze von Land zu Land doch sehr unterschiedlich. Unsere Forderung nach einem Recht für Jugendliche auf freiwillige HIV-Tests steht nun in dem offiziellen Dokument. Mit der Forderung, dass diese Tests für die Jugendlichen kostenlos sein müssen, sind wir allerdings nicht durchgekommen. Außerdem wollten wir in der Resolution die Trennung von jugendlichen und erwachsenen Straftätern fordern, sind damit aber gescheitert. Auch die Idee, Prävention durch Bildung im Gesundheitsbereich zu verankern, wurde am Ende nicht in die Resolution aufgenommen – so sehen nun einmal Kompromisse von insgesamt 192 Mitgliedsstaaten aus.
Eine Resolution und viele Kompromisse
Jetzt aber holt uns der Satz "Time is flying by“ ein, der sich in den vergangenen Wochen zu einer Art Mantra der aus 25 Ländern angereisten Jugenddelegierten entwickelt hat. Neben der Generalversammlung selbst, der Kern unserer Aufgabe hier, waren auch die sogenannten "side events“ spannend. Unter der Überschrift "Jugenddelegierte fordern Klimagerechtigkeit“ organisierten Emily und ich zum Beispiel in einer Mittagspause eine Podiumsdiskussion mit der Botschafterin der vom Anstieg der Ozeane bedrohten Pazifikinsel Naru, einem Vertreter der Europäischen Union und einer Jugenddelegierten – und mit einer Videobotschaft, die uns der Vorsitzende des "Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) eigens dafür geschickt hatte.
Für die Diskussion stellte uns die ständige Vertretung der Bundesrepublik einen Raum zur Verfügung, Deutschlands Botschaft bei den Vereinten Nationen sozusagen, mit deren Mitarbeitern wir auch alle unsere Ideen für die Weltjugendresolution im Detail diskutiert haben – denn erst wenn sie und die einschlägigen Ministerien in Berlin überzeugt sind, können Vorschläge offiziell eingebracht werden.
F.A.Z.
privat
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