Glosse Feuilleton
Die zwei Gesichter einer Frau
28. Mai 2007
Vor 25 Jahren ist Romy Schneider gestorben, und obwohl die Aufmerksamkeit auf solche Termine immer etwas beliebig ist, manifestiert sich darin auch ein großes Bedürfnis, sich vor dieser Frau noch mal zu verneigen und sich an sie zu erinnern. Der DVD-Markt tut das, indem er ihre Filme noch mal in allerlei Boxen bündelt, auch wenn die meisten davon schon erhältlich waren. Bei Galileo Medien sind das "Romy Schneider Edition No. 1 & 2" mit "Ein Engel auf Erden", "Mädchen in Uniform" und "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" sowie "Mado", "Ein wildes Schaf" und "Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen". Bei Kinowelt gibt es "Romy Schneider - Ihre Jahre in Frankreich", in der sich aber nur "Die Liebe einer Frau" und "Die zwei Gesichter einer Frau" finden sowie Interviews mit Christiane Höllger und Renate Seydel. Bei AVU erschien die "Romy Schneider Collection" mit "Abschied in der Nacht", "Trio Infernal" und "Nachtblende", allerdings nur mit deutschen Fassungen. Mit diesen vier Boxen ist man erst mal weg von der Straße und kann über die zwei Gesichter dieser Frau nachdenken und warum das deutsche und das französische so gar nichts miteinander zu tun haben.
Wem noch weitere wichtige Titel fehlen, der wird fündig bei Koch Media mit Premingers "Der Kardinal", bei Starlight mit Sautets "Das Mädchen und der Kommissar", bei MGM mit "Was gibt's Neues, Pussy?", bei AmCo mit "Der Swimming-Pool", bei Kinowelt mit "Ludwig II.", der "Sissi Royal Edition" und dem amerikanischen Zusammenschnitt der drei Teile zu "Sissi - Forever My Love" - und in der SZ-Edition gibt es schließlich "Die Dinge des Lebens". "César und Rosalie" und "Der Prozess" gibt es nur in Frankreich, "Bocaccio 70" nur in Übersee, und vielleicht sollte man ja noch Ozons "8 Frauen" hinzunehmen, in dem Romy Schneider einen hübschen postumen Auftritt als Bild in einem Medaillon hat, das Emmanuelle Béart überm Herzen trägt. Das öffnet wiederum eine ganz andere Verbindung, weil Béart 1994 die Hauptrolle in Chabrols "L'enfer" spielte, die dreißig Jahre zuvor eigentlich Romy spielen sollte. Aber damals erlitt ihr Regisseur Henri-Georges Clouzot einen Herzinfarkt, und das Projekt wurde auf Eis gelegt. Übrig sind nur ein paar verheißungsvolle Testfotos (www.romy.de), auf denen man Romy als in Zellophan erstickte Braut sieht. malt
F.A.Z., 29.05.2007, Nr. 122 / Seite 45
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