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Wärmedämmung
Weniger Energie, mehr Komfort
Von Marcus Stölb
Johannes Hill demonstriert das Dämmen
 
05. November 2009
Trier. Bei Familie Schwab herrscht Chaos. Mühsam bahnt sich der Besucher seinen Weg, vorbei geht es an aufgetürmten Dämmstoffplatten und hervorstehenden Gerüstteilen. Im Innern des Hauses sieht es nicht viel besser aus: Löscher in den Decken, Schlitze in den Wänden - Handwerker haben ihre Spuren hinterlassen. Man möchte jetzt nicht tauschen, nicht in diesen Wochen, in denen die Schwabs ihr Eigenheim sanieren.
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Vor einem Jahrzehnt zog die Familie in das 1959 erbaute, rund 120 Quadratmeter Wohnfläche zählende Einfamilienhaus. Zunächst wohnten sie zur Miete, vor fünf Jahren ergriffen Kirsten und Holger Schwab dann die Gelegenheit, den Altbau zu kaufen. Die beiden wussten, worauf sie sich einließen. Mehrere Heizperioden hatten sie bereits hinter sich, als sie beschlossen, ihren Energiebedarf deutlich zu senken: Statt mit rund 2800 Litern pro Jahr will die vierköpfige Familie künftig mit 900 Litern Heizöl auskommen. Vom Standard eines Passivhauses, das gerade mal 1,5 Liter Heizöl pro Jahr und Quadratmeter benötigt, wäre man noch weit entfernt, doch einen Altbau in ein richtiges Passivhaus zu verwandeln ist kaum bezahlbar. Eigentümer wie die Schwabs bauen deshalb auf Passivhauskomponenten, um so zumindest von den Grundprinzipien dieses Gebäudetyps profitieren zu können.
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Millionen Haushalte verschwenden Energie
Berthold Kaufmann vom Passivhausinstitut in Darmstadt schätzt, dass bis zu 90 Prozent des Gebäudebestands sanierungsbedürftig sind. Selbst für den Fall, dass diese Zahl zu hoch gegriffen ist - Millionen deutscher Haushalte verschwenden ohne Unterlass Heizenergie. Auf lange Sicht steigende Öl- und Gaspreise und die zum 1. Oktober verschärfte Energieeinsparverordnung (EnEV) dürften den Handlungsdruck zusätzlich erhöhen. Hinzu kommt: Das niedrige Zinsniveau sorgt momentan für günstige Kredite.
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Wer jetzt nicht saniere, sei selbst schuld, meint Jürgen Klaus. Der Gebäudeenergieberater hat die Erfahrung gemacht, dass sich - neben jungen Familien - auch immer mehr Hauseigentümer mittleren Alters zu einer Sanierung entschließen. Denn bei nicht wenigen sei inzwischen die Vorstellung verbreitet, dass dereinst die Rente nicht mehr ausreichen könnte, um das Eigenheim zu beheizen. Ein solches Szenario hatte Holger Schwab nicht vor Augen. Ihm genügte die Erfahrung, dass sich das obere Stockwerk seines Hauses nicht auf eine angenehme Raumtemperatur bringen ließ - zu hoch war der Wärmeverlust über den darüberliegenden Speicher und die kaum gedämmte Dachhaut.
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Fehlerquelle energetische Sanierung
Man kann viel falsch machen bei der energetischen Sanierung eines Altbaus, doch die Schwabs haben bisher offenbar alles richtig gemacht: Sie engagierten einen Gebäudeenergieberater und beauftragten ihre Architektin mit der Koordination der Arbeiten. Sie bauten dreifach verglaste Fenster ein und ließen die Fassade mit einem 18 Zentimeter starken Wärmedämmverbundsystem aus Styropor verkleiden. Nach anfänglicher Skepsis ließ sich Holger Schwab auch von den Vorzügen einer Lüftung mit Wärmerückgewinnung überzeugen. Ansonsten würde sich über kurz oder lang im Haus wohl Schimmel bilden. Ohne automatische Lüftung wären zudem enorme Temperaturschwankungen im Innern des Gebäudes programmiert, weil mehrmals am Tag die Fenster aufgerissen werden müssten, um ausreichend durchzulüften. Vor allem aber sorgt die Lüftung dafür, dass mit einem Teil der Wärme der Abluft die hereinströmende Kaltluft wieder erwärmt werden kann - auch das hilft, den Heizenergiebedarf zu senken.
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"Luftdicht, wärmebrückenfrei und gut gelüftet", auf diesen Dreiklang bringt Berthold Kaufmann die Herausforderung. Der Erfolg steht und fällt mit einer möglichst luftdichten Gebäudehülle. Gelingt es, den sogenannten U-Wert, der die Wärmedurchlässigkeit misst, deutlich zu senken, steigt der Energieeinspareffekt. Das weiß auch der Gesetzgeber, der mit der zum 1. Oktober in Kraft getretenen EnEV 2009 die zulässigen U-Werte bei der Sanierung von Bauteilen noch einmal verschärfte: War bislang ein Wärmedurchgangskoeffizient für die Außenwände von 0,45 zulässig, wurde dieser nun auf 0,24 abgesenkt.
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Alles fängt mit der Dämmungung an
Auch Familie Hill will den U-Wert ihrer Außenwände spürbar verringern. Die Fassade ihres 1969 errichteten Hauses erhält derzeit eine 30 Zentimeter starke Dämmung aus Thermohanf. Seit Jahren baut Johannes Hill auf Passivhauskomponenten, nun steht die Gebäudehülle auf dem Programm. Diese Reihenfolge ist eher unüblich, denn eine optimale Dämmung sollte nach Möglichkeit am Anfang einer jeden Sanierung stehen. Hill weiß das, als Umweltberater der Stadt Trier beschäftigt er sich seit Jahren mit Fragen der energetischen Gebäudesanierung. Doch nach dem Kauf und Ausbau seines Hauses fehlten ihm zunächst die finanziellen Mittel hierfür.
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Tatsächlich ist die umfassende energetische Sanierung eines Altbaus ein kostspieliges Unterfangen, und ob der Einbau von Passivhauskomponenten wirtschaftlich rentabel ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Erhöhen lässt sich die Rentabilität der Investitionen in jedem Fall, wenn diese in einem Aufwasch mit sowieso anstehenden Instandsetzungs- oder Modernisierungsarbeiten getätigt werden. Ist ein neuer Außenputz fällig, drängt sich eine Dämmung regelrecht auf. Schließlich fallen die Kosten für das Aufstellen eines Gerüsts nur einmal an; und wer seine Fassade frisch verputzt hat, möchte in ein paar Jahren nicht noch einmal von vorne anfangen. Bei der Bewertung der Rentabilität müssten deshalb Kopplungsprinzip und "Sowieso-Kosten" berücksichtigt werden, sagt Kaufmann.
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Das Reihenhaus als schwieriger Fall
Auch Kirsten und Holger Schwab lassen sich die Sanierung ihres Hauses einiges kosten, und weil sie das Geld hierfür nicht auf der hohen Kante hatten, nahmen sie einen Kredit bei der KfW-Förderbank auf: 75 000 Euro zu einem Zinssatz von 1,7 Prozent plus Tilgungszuschuss. Die KfW fördert gezielt Maßnahmen, die den Energieverbrauch im Eigenheim senken.
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Schwabs und Hills wohnen in freistehenden Häusern, doch Eigentümer von Reihenhäusern stoßen schon mal an ihre Grenzen, zumindest an die ihrer Grundstücke. "Die Sanierung eines einzelnen Gebäudes hat auf jeden Fall Einfluss auf das Nachbargebäude", gibt Gerrit Horn vom Kaiserslauterner Architekturbüro "bau.werk" zu bedenken. Wer eine Überdämmung zum Nachbarn plant, muss dessen Einverständnis einholen. Horn empfiehlt, eine entsprechende Genehmigung als Baulast ins Grundbuch einzutragen, um auch für spätere Zeiten auf Nummer Sicher zu gehen. Ein rechtlicher Anspruch auf die Nutzung des Nachbargrundstücks besteht nicht. Eine weitere Herausforderung bei der energetischen Sanierung von Reihenhäusern stellt die Vielzahl an Wärmebrücken dar. Diese seien allesamt und unbedingt zu analysieren und zu optimieren, rät Horn. Holger Schwab ist froh, dass sich die Arbeiten an seinem Haus ihrem Ende zuneigen. In den kommenden Wochen wird er selbst noch kräftig mit anpacken müssen, ansonsten würde die Sanierung dann doch zu kostspielig, räumt er ein. Doch Kosten sind für den jungen Familienvater das eine, wichtiger ist ihm und seiner Frau der gestiegene Wohnkomfort. "Uns geht es vor allem darum, dass wir es wohnlicher und behaglicher haben", sagen die beiden, und außerdem investierten sie ja auch in den Werterhalt ihrer Immobilie.
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F.A.S.
Marcus Stölb / F.A.Z.
 
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