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Deckname Octopussy
Von Norbert Kuls, New York
"Octopussy" wirkt längst nicht mehr glamourös
 
06. November 2009
Der junge Wertpapierhändler Zvi Goffer war bei einigen seiner Komplizen unter dem Spitznamen "Octopussy" bekannt. Das ist der Titel eines James-Bond-Films aus den achtziger Jahren, der mit dem englischen Wort für Tintenfisch - Octopus - spielt.
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Goffer bekam diesen Spitznamen, weil er als jemand galt, der seine Arme wie ein Tintenfisch in vielen Quellen von Insiderinformationen an der Wall Street hatte. In dieser Woche ist die filmreife Karriere von Goffer zu Ende gegangen. Goffer war einer von 14 Angeklagten, denen die Staatsanwaltschaft und die Börsenaufsicht SEC illegalen Insiderhandel, also Börsengeschäfte aufgrund nichtöffentlicher Informationen vorwarf.
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Hedge-Fonds im Zentrum
Damit weitet sich der jüngste Insiderskandal an der Wall Street weiter aus. Bereits im Oktober hatte er mit der Verhaftung des Hedge-Fonds-Managers Raj Rajaratnam und fünf weiterer Personen begonnen. Staatsanwaltschaft und Börsenaufsicht werfen Rajaratnam, dem Gründer des Hedge-Fonds Galleon, und seinen mutmaßlichen Komplizen vor, mit illegalen Transaktionen mehr als 20 Millionen Dollar verdient zu haben. Die Sache gilt als der größte Fall von Insiderhandel seit den achtziger Jahren. Der neue Insiderring um "Octopussy" soll 33 Millionen Dollar eingestrichen haben. Auch diesmal ging es um Hedge-Fonds, deren Art von Informationsbeschaffung im Visier der Behörden steht.
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Zvi "Octopussy" Goffer, der ebenfalls für Galleon sowie für die Hedge-Fonds-Gesellschaft Schottenfeld Group tätig war, ist die zentrale Figur im jüngsten Fall, der offenbar mit den Ermittlungen gegen Rajaratnam in Verbindung steht. Fünf der Angeklagten haben sich bereits schuldig bekannt und sagen als Kronzeugen aus.
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Prepaid-Handys und Bargeldtüten
Laut Anklageschrift sollen die Angeklagten um Goffer Insiderinformationen genutzt haben, um unter anderem Aktien der Unternehmen Avaya, 3Com, Alliance Data und Axcan Pharma zu handeln. Zu den Informanten gehörten Anwälte wie Arthur Cutillo von der Kanzlei Ropes & Gray, die über geplante Übernahmen dieser Unternehmen Bescheid wussten. Goffer und andere bezahlten ihre Informanten laut Anklage für die geheimen Tipps.
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Sie versuchten ihre Spuren zu verwischen, indem sie im Voraus bezahlte Mobiltelefone benutzten, die sie nach dem Austausch der Informationen unbrauchbar machten. "Es sollte einen Moment geben, an dem jemand in einer Position, einen Tipp zu geben oder aufgrund von Insiderinformationen zu handeln, es sich zweimal überlegt, einen solch törichten Schritt zu tun. Hoffentlich bevor Sie eine Tüte mit Bargeld in der Hand halten, die Ihnen von jemandem mit dem Decknamen ,Octopussy' übergeben wurde", sagte Robert Khuzami, Chef der SEC-Strafverfolgungssparte auf einer Pressekonferenz.
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Kampf gegen die Finanzmafia
Wie im Fall Rajaratnam hörten die Ermittler Telefone ab und benutzten Informanten, die persönliche Gespräche mit den Angeklagten auf Band aufnahmen. Derartige Methoden waren bisher nur bei Ermittlungen gegen die Mafia oder Drogenkartelle üblich. Das signalisiert einen schärferen Kurs der Behörden gegen Wirtschaftskriminalität. Die SEC war zuletzt unter Beschuss geraten, weil deren Ermittler im Fall des Milliardenbetrügers Bernie Madoff jahrelang Hinweise auf Unregelmäßigkeiten verschlafen hatten.
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Der New Yorker Bundesstaatsanwalt Preet Bharara stellte die Angeklagten in eine Reihe mit "einfachen Kriminellen", die sich der Methoden von Drogenhändlern bedient hätten. Er forderte die Wall-Street-Profis auf, sich bei Fehlverhalten den Behörden zu stellen: "Klopfen Sie an unsere Tür, bevor wir an Ihre klopfen", sagte er.
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F.A.Z.
AP
 
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