Liber Berlin
Dalís Bibel
Von Camilla Blechen, BerlinTeilnachlaß Adolf Behnes, mit Bauhaus-Gründungsmanifest, bei KaraJahn (25.000 Euro)
29. Oktober 2009
Mit 75.000 Euro erklimmt eine Dokumentation über den Prozess gegen prominente Regierungsvertreter der DDR die Preisspitze der Antiquariatsmesse "Liber Berlin", die vom 30. Oktober bis zum 1. November im Schlüterhof des Zeughauses ihr zehnjähriges Jubiläum feiert. Angeboten wird das kostspielige Objekt von der Berliner Kunsthandlung Christoph Grothe, bei der Marina Prüfer, Augenzeugin der Anklage gegen Honecker und Konsorten, ihre von 500 Zeichnungen begleiteten Aufzeichnungen in neun "Werkbüchern" einlieferte.
Neben Grothe reihen sich in die Phalanx der überwiegend ortsansässigen Händler dreizehn neue Namen ein, darunter auch Nagel aus Northeim; dort ist Chodowieckis Radierung "Friedrich der Große zu Pferde" bei 2400 Euro abrufbar. Tusculum Rare Books aus London, Dauergast seit 2002, offeriert eine breite Palette: Dem Ort huldigt man mit einer nahezu vollständigen Erstausgabe von Schinkels "Sammlung Architektonischer Entwürfe" (12.000 Euro); die erste deutsche Edition des "Hexenbuchs", die Johann Geiler von Kaysersberg 1516 in Straßburg herausbrachte, kostet 19.800 Euro, die Genealogie der Zarenfamilie Romanow 5900 Euro.
Ein kalkweißes Selbstporträt von Dieter Roth
Daniel Nikolaus Chodowieckis Radierung „Friedrich der Große zu Pferde“ von 1758, 40 mal 26 cm, bei Rainer Nagel (2400 Euro)
Utopische Aspekte der Baukunst treten in Bruno Tauts "Alpiner Architektur" von 1919 zutage, für 5200 Euro bei Knut Ahnert. Ein gewichtiger Teilnachlass des 1948 gestorbenen Kunstkritikers Adolf Behne, eines wortmächtigen Sympathisanten der Avantgarde, steht für 25.000 Euro bei KaraJahn zum Verkauf. Mit der Rückenfigur einer Toilettenfrau, die George Grosz 1932 mit der Rohrfeder skizzierte (10.000 Euro), wartet das "Rote Antiquariat" auf. Bei St. Gertrude aus Hamburg frappiert das von Dieter Roth mit einem Selbstbildnis kalkweiß übermalte Plakat einer Arnulf-Rainer-Ausstellung, das als ansehnliches Unikat 12.000 Euro erzielen soll.
Signaturen und Zeichnungen vom "Prinz Jussuf" Else Lasker-Schülers begleiten bei Unterwegs, KaraJahn und Stargardt den Lyrikband "Theben" (9000 Euro), die gedruckte Streitschrift "Ich räume auf!" (1800 Euro) und einen 1941 verfassten Liebesbrief (6000 Euro). Unter den Kunstbüchern fällt im Neusser Buchantiquariat die 1967 in Mailand nach Gouachen von Salvador Dalí mit farbigen Reproduktionen ausgestattete, fünfbändige "Biblia Sacra" auf (24.000 Euro), und Stammerjohann aus Hamburg bietet für 6500 Euro die Holzschnitt-Mappe "La Nuit et ses Filles" von Frans Masereel an. Den stärksten Berlin-Bezug bietet Nikolaus Struck mit einer Auswahl Veduten von Schlössern und Nutzbauten an Spree und Havel.
F.A.Z.
KaraJahn, Rainer Nagel
Weitere Themen
Homepage >, Politik >, Wirtschaft >, Feuilleton >, Sport >, Gesellschaft >, Finanzen >, Reise >, Wissen >, Auto >, Computer >, Beruf & Chance >, Immobilien >, Rhein-Main-Zeitung >







