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Beste Lage (1)
Ein Schnäppchen für Milliardäre
Von Jordan Mejias
Unterm Hammer: Dunnellen Hall auf der Broschüre von Christie's und Ogilvy
 
04. August 2009
Eigentlich sollte man bei diesem Angebot nicht lange zögern. Fünfzig Millionen Dollar kann sparen, wer jetzt zugreift. Ein Rabattrekord für Greenwich, Connecticut. Allerdings war auch auf dem ursprünglichen Preisschild für das Anwesen in dem neuenglischen Ort, der auf die Fürsten der Finanzwelt wie ein Magnet wirkt, ein hier noch nie geforderter oder gar erzielter Betrag verzeichnet.
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Einhundertundfünfundzwanzig Millionen Dollar verlangten die Nachlassverwalter der Hotelkönigin Leona Helmsley für Dunnellen Hall, ihren schlossartigen Landsitz. Nun bietet die Immobilienfirma David Ogilvy & Associates, die in Greenwich mit Christie’s zusammenarbeitet, den Prachtbau für fünfundsiebzig Millionen an. Gegenwärtig, wie es in der Hochglanzbroschüre heißt. Was darauf schließen lässt, dass der Preis verhandelbar ist.
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Unter dem Ludowici roof
David Ogilvy, der Doyen der örtlichen Immobilienmakler, seit vierzig Jahren im Geschäft und auch an einem schwülheißen Sommertag noch ein korrekt gekleideter Gentleman im Einreiher mit Schlips, will dazu keine Auskunft geben. Aber dann verrät er doch, dass nicht er, der jedes Haus in Greenwich kenne, den Preis festgelegt habe. Wie auch immer, Gebote bleiben offenbar auch bei fünfundsiebzig Millionen aus. Dabei ist Dunnellen Hall verlockend ausgestattet. Unter seinen vielen Annehmlichkeiten befinden sich eine doppelstöckige Eingangshalle, von der Salons und Säle mit Flechtwerkdecken, Marmorböden und Vertäfelungen, verschiedene Esszimmer, eine Bibliothek und ein Solarium zu erreichen sind, sowie eine Prunktreppe, die auf halber Höhe die Richtung wechselt, dergestalt zwei Aufgänge zur Wahl stellt, aber links wie rechts in die Schlafgemächer führt.
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Weiterhin mag sich der künftige Besitzer an einem Weinkeller und einem Wintergarten mit Swimmingpool erfreuen. Im Sommer lockt der Pool im knapp einhundertzweiundsechzigtausend Quadratmeter großen Park, der über einen Koi-Teich, Tennisplätze und Gartenhäuser verfügt. Dunnellen Hall, auf einer der höchsten Erhebungen von Greenwich errichtet und mit herrlichen Rundblicken bis hin zur Bucht von Long Island gesegnet, wird in architekturstilistischer Hinsicht als jacobean angepriesen, während das Dach uns als Ludowici roof beeindrucken soll. Das ist, in dieser Preislage, für Greenwich typisch. Vorwiegend neues Geld besteht auf althergebrachten Gewändern, und auch wenn das Landhaus erst gestern fertig wurde, muss sich in ihm möglichst viel europäische, besser, britische Architekturgeschichte spiegeln.
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Oder Elisabethanisches
Bei der Rundfahrt durch den nördlichen Teil von Greenwich, eine sanfte Hügellandschaft, kann es einem darum so vorkommen, als sei Jakob der Erste gerade in London eingezogen oder stünde das Georgianische oder Elisabethanische Zeitalter in voller Blüte. In der Old Mill Road wäre etwa, laut Broschüre, ein "Elisabethanisch inspiriertes Tudor-Landhaus mit Details von Museumsqualität“ zu bewundern. Und zu kaufen. Von 39,5 Millionen Dollar wurde es auf 29,75 Millionen reduziert. Obwohl der Verkäufer Mel Gibson heißt, hat noch kein Käufer angebissen. Ein wunderschönes Haus, sagt Ogilvy. Aber es hat einen Schönheitsfehler. Der Park grenzt an eine Autobahn, andererseits ist er dreihundertsiebentausend Quadratmeter groß und dürfte sich schalldämpfend auswirken. Ogilvy, der sich auch von der Wirtschafts- und Immobilienkrise nicht seine positive Grundhaltung vergällen lässt, ist sich sicher, dass sich bald ein Käufer findet. In Greenwich, betont er, stünden perfekte Anwesen nie in genügender Anzahl zum Verkauf.
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Einen völlig anderen Ton schlägt der Immobilienmakler Christopher Fountain auf seiner Website "For What It’s Worth“ (christopherfountain.wordpress. com) an. Siebenhundertdreiundvierzig Häuser, ist da zu erfahren, sollen in Greenwich zum Verkauf stehen, und nur für vierzig soll sich ein Verkauf andeuten. Vor allem bei den spec houses, den von spekulierenden Bauunternehmern errichteten Villen, sieht es düster aus. Ihr Bestand ist inzwischen auf mehr als hundert angewachsen, immer öfter drohen Zwangsversteigerungen. Ogilvy aber weiß auch, derart unangenehme Statistiken zu parieren. Er zieht seine eigenen hervor. Seine Erzählung geht so: Nach dem Crash vom September war auch in Greenwich jeder sehr besorgt. Sobald aber ein Markt von Turbulenzen heimgesucht wird, tauchen über kurz oder lang Marktteilnehmer auf, die Gewinne erzielten und deshalb den Abschwung als Kaufgelegenheit wahrnehmen. Genau das geschehe jetzt.
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Preisverfall steht noch bevor
Tischt uns der Kollege Fountain, der weder per E-Mail noch Telefon zu erreichen ist, aber seinen Blog fortführt, Horrorgeschichten auf? Ogilvy hält sich nicht länger zurück: Seit Jahren habe jener Mr. Fountain kein Haus mehr verkauft. Ein Säufer sei er. Etwas stimme einfach nicht mit ihm. Zitiert wird er freilich überall. Und Hiobsbotschaften verbreiten schließlich auch vielbesuchte Websites wie Trulia und Zillow, die sich damit begnügen, Fakten zusammenzutragen und die Misere auf dem Immobilienmarkt, auch auf dem von Greenwich, kommentarlos zu dokumentieren.
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Ogilvy setzt seine Sekretärinnen in Bewegung, bis er wieder einen Trumpf in der Hand hält, diesmal eine Statistik der "Greenwich Time“, die den durchschnittlichen Preisanstieg von Immobilien übers vergangene halbe Jahrhundert zusammengestellt hat. So legten die Verkaufspreise im Boomjahr 2004 um 26,4 Prozent zu, während sie im Katastrophenjahr 2008 bloß um 7,1 Prozent fielen. Dass dieses letzte Jahr noch weitgehend von Kaufverträgen, deren Aushandlung dem Crash vorausging, geprägt wurde und das ganze Ausmaß des Preisverfalls erst 2009 zu Buche schlagen wird, übersieht Ogilvy elegant.
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Der Markt für solchen Luxus ist stabil
Über die Apokalyptiker, die das Ende des Kapitalismus beschwören, schüttelt er den Kopf. Der Markt, prophezeit er, werde sich, wie schon immer zu beobachten, von oben nach unten beleben. Zuerst dürfte die Nachfrage nach den teuersten Häusern steigen. Angesichts traumhafter Boni, die ein Finanzhaus wie Goldman Sachs erneut in Aussicht stellt, gibt er sich da nicht unbedingt einer Illusion hin. Irgendwohin muss das Geld fließen, und Greenwich böte mit seinen Landpalästen und Steuerbedingungen, die viel günstiger sind als die im nahen New York, wunderbare Gelegenheiten, sieben- und achtstellige Summen auszugeben.
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Keine Frage, nicht alles bleibt beim Alten. Öffentlich im Luxus zu schwelgen gilt nun auch im Land der Megaboniempfänger als stillos. Früher, erzählt Ogilvy, hätten seine Freunde den neuen Rolls oder BMW stolz vorgeführt. Jetzt seien sie auch im funkelnagelneuen Wagen zu sehen, aber wenn sie danach gefragt würden, sagten sie: Ich musste ein anderes Auto nehmen, der Leasingvertrag war abgelaufen.
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Hier und da steht auch auf der Greenwich Avenue ein Laden leer, ohne dass dadurch der Eindruck entstünde, der Ort befände sich im Niedergang. Nach Bauruinen und im Unkraut versinkende Anwesen wäre lange zu suchen. Das heißt nicht, die Wirtschaftskatastrophe sei glücklich überstanden. Selbst nach Ogilvys Meinung könnte es die nächste Zeit noch mehrfach auf und ab gehen, an einen weiteren Absturz glaubt er jedoch nicht. Und von einer Zeitenwende will er schon gar nichts wissen. Seine Kunden erfüllten sich ihre Wünsche nicht eine Nummer kleiner. Große, herrschaftliche, luxuriöse Anwesen seien nach wie vor das Ideal. Neue Bescheidenheit und Reduzierung aufs Wesentliche? Vielleicht sei ein solcher Umschwung andernorts zu bemerken, sagt Ogilvy, aber nicht in Greenwich.
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F.A.Z.
Ogilvy
 
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