Antiken
Selbstvergessener Hirtengott
Von Martin FlasharNur neunzehn Zentimeter klein: Ägyptisches Basaltrelief für 160. 000 Franken; die Taxe lag bei nur 16.000 Franken.
06. November 2009
Das erwartete Resultat vorweg: Spitzenlos wurde die prächtige römische Marmorkopie des "schwänzchenhaschenden Pan" nach dem Vorbild einer griechischen Figur des Hochhellenismus. Für 340.000 Franken (Taxe 145.000 Franken) ging das Stück nach spannendem telefonischen Bieterkampf in Privatbesitz nach Übersee. Man darf aber hoffen, dass der Hirtengott einmal eine öffentliche Sammlung schmücken könnte.
Zugenommen hatten bei Cahn die schriftlichen Gebote, die zahlreich auch für die höhergeschätzten Positionen eingetroffen waren: Das Interesse zeugt vom Vertrauen in die Verlässlichkeit des Auktionshauses, das Bestreben nach erweiterteter Dokumentation der Objekte und nach präziseren Herkunftsangaben. "Der Provenienznachweis beginnt auch für die Sammler wichtiger zu werden", so der Auktionator Jean-David Cahn.
Das Relief einer unbekannte Königin
Römisches Meeresmosaik aus Nordafrika, 4. Jh. n. Chr., 146 mal 211 cm, für 110.000 Franken (Taxe 48.000 Franken)
Die kleine Bronzevenus wäre auch ohne lange Vorgeschichte gut weggegangen; sie erzielte 75.000 Franken (22.000). Obendrein konnte die Göttin jetzt als Teil der berühmten Sammlung des französischen Fotografen und Orientreisenden Louis de Clercq nachgewiesen werden, erstmals publiziert 1905. Die Figur entstand im frühen ersten Jahrhundert nach Christus, ist in einem formidablen Zustand.
Die größten Sprünge machten das ägyptische Basaltrelief einer noch zu identifizierenden hellenistischen Königin für 160.000 Franken (16.000) aus der Kollektion Fouquet, erstmals veröffentlicht 1922, und ein drei Quadratmeter messendes, buntes nordafrikanisches Mosaik mit Meerwesendarstellungen für 110.000 Franken (48.000). Gut lief auch die schwarzfigurige attische Augenschale des späteren sechsten Jahrhunderts vor Christus für 90.000 Franken (66.000). Für den guten Blick der Käufer sprach auch, dass die kleineren Objekte, zum Teil aus ehemaligem Archäologenbesitz von Herbert A. Cahn, Ernst Berger und anderen gern ersteigert wurden.
Summe der Zuschläge entsprach der Gesamttaxe
Römischer Torso eines Pan, 38,5 cm hoch, für 340.000 Franken (Taxe 145.000 Franken)
Drei lakonische Schalen, so fein und selten sie sein mögen, trafen nicht den Publikumsgeschmack und waren mit 12.000 bis 14 800 Franken vielleicht auch etwas zu hoch angesetzt. Auch die Sammlung von Luristan-Bronzen und mehrere Lose mit verschiedenen Hieb- und Stichwaffen derselben Provenienz gingen zurück. Die wichtige leicht überlebensgroße, aber kopflose hellenistische Mantelstatue eines Manns, die lange Zeit als Leihgabe im Basler Antikenmuseum stand, fand ebenfalls keinen Käufer - das hätte wohl auch nur ein Museum sein können.
Insgesamt blieb das Auktionsergebnis aber vorzeigbar: Die Summe der Zuschläge entsprach der Gesamttaxe; rund 75 Prozent der Positionen gingen weg. Attraktiv im Nachverkauf ist das Bruchstück eines ptolemäischen Bildhauermodells aus Kalkstein mit der interessanten Darstellung eines Manns, der wegen der langen Bart- und Haartracht kein Ägypter sein dürfte (3800).
F.A.Z.
Cahn
Weitere Themen
Homepage >, Politik >, Wirtschaft >, Feuilleton >, Sport >, Gesellschaft >, Finanzen >, Reise >, Wissen >, Auto >, Computer >, Beruf & Chance >, Immobilien >, Rhein-Main-Zeitung >








