Kunst und Kunstgewerbe
Mit der Kraft eines Wildschweins
Von Magdalena KrönerNikolai Swertschkows Gemälde, „Ausritt des Leibhusarenregiments zur Hohen Truppenbesichtigung”, 124 mal 194 cm (95.000/100.000 Euro)
17. November 2009
Präsenz zeigt Zar Alexander II. hoch zu Ross auf Nikolai Swertschkows Gemälde. Das große Querformat "Ausritt des Leibhusarenregiments zur Hohen Truppenbesichtigung" ist Spitzenlos bei den Auktionen mit Alter Kunst und Kunstgewerbe zum 50. Jubiläum von Van Ham in Köln am 20. und 21. November. Die Schätzung liegt bei 95.000 bis 100.000 Euro.
Das Bild des Sankt Petersburger Pferdemalers wurde einst vom russischen Regiment in Auftrag gegeben, dann 1931 von der Sowjetunion an den Hofminister des damaligen persischen Schahs verschenkt, in der Hoffnung auf Begünstigungen für den Fischfang im Kaspischen Meer. Nach dem Tod des Ministers verkaufte es dessen Witwe nach Deutschland, wo es sechzig Jahre in einer Privatsammlung blieb. Interessant ist auch das Gemälde "Auszug der Krieger aus einer orientalischen Stadt" von Adolf Schreyer (Taxe 95.000/120.000 Euro).
Befreit vom gemalten Hemdchen
Adolf Schreyer, „Auszug der Krieger aus einer orientalischen Stadt“, 82 mal 130 cm (Taxe 95.000/120.000 Euro)
Mit deutlichem preislichen Abstand folgt eine Reihe von Werken aus der Düsseldorfer Malerschule. Um nur einige der Höhepunkte zu nennen: Von Andreas Achenbach stammen vier Lose. Höhepunkt ist ein dramatisches Seestück von 1841, das die Bergung eines Seemannes in Skandinavien zeigt, das Achenbach ausführlich bereist hatte (26.000/28.000). Dagegen wirkt das Andachtsbild "Maria im Rosengarten" vom Nazarener Franz Ittenbach aus dem Jahr 1860 beschaulich (35.000/40.000). Idyllisch liegt auch eine "Alte Wassermühle" von Carl Hilgers von 1845 (13.000/14.000).
Interessant ist das Gemälde eines niederländischen Meisters, das zwar ohne einen Namen auskommen muss, denn die noch im Katalog genannte Entdeckung einer Signatur von D. Koenen konnte nicht aufrechterhalten werden, dafür aber eine andere Offenbarung bereithält: Das Bild aus dem letzten Viertel des 17. Jahrhunderts zeigt eine bukolische Szene, eine Schäferin, die im Wald rastet. Man hatte ihr, wie der Restaurator herausfand, im 19. Jahrhundert ein Hemdchen über die blanke Brust gemalt, welche nun mit allem gebotenen restauratorischen Sachverstand wieder freigelegt wurde (20.000/21.000).
Aus der Sammlung von Max Meid
Andreas Achenbach, „Strandendes Dampfboot an der norwegischen Küste“ von 1841, Öl auf Leiwand, 127 mal 205 cm (Taxe 26.000/28.000 Euro)
Charakteristisch ist die Affengruppe "Modistine" von Gabriel von Max für 8000 bis 10.000 Euro, die aber nicht ganz so originell ist wie seine wunderbaren "Affen als Kunstrichter", die in der Neuen Münchener Pinakothek für Vergnügen sorgen. Insgesamt 21 skurrile Affen finden sich bei der Offerte mit Porzellan: Die berühmte, musizierende Affengruppe en miniature nach den Modellen Johann Joachim Kaendlers wurde jedoch erst im 20. Jahrhundert aufgelegt (7000/8000).
Der Höhepunkt beim Kunstgewerbe kommt aus der Sammlung des in diesem Jahr verstorbenen Frankfurter Architekten Max Meid, der Möbel aus dem 19. und 20. Jahrhundert gesammelt hat. Das höchstgeschätzte Los ist hier ein ausladender Rokoko-Schreibschrank, mit Intarsien aus Pflaume, Eibe und Ahornholz. Das Nussbaumholz schimmert in seiner natürlichen, reich nuancierten Farbskala, da man bei diesem Möbel nicht dem noch vor einigen Jahren so populären Wunsch nach hochglänzender Aufarbeitung gefolgt ist.
Franz Ittenbach, „Madonna im Rosengarten“ von 1860, Öl auf Leinwand, 49 mal 30 cm (Taxe 35.000/40.000 Euro)
Für Aufsehen dürfte außerdem eine zwanzigteilige Kollektion von Pendulen aus einer Berliner Privatsammlung sorgen, darunter eine "Bilderuhr mit Automat" aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (5000/6000). Das Gemälde zeigt eine weite Flusslandschaft mit Kirche, in deren Zifferblatt die Uhr angebracht ist. Hochgeschätzt ist eine Pendule Au Sanglier nach einem Entwurf von Jean-Joseph de Saint-Germain, die von einem kräftigen Wildschwein aus Bronze getragen wird (35.000/40.000).
F.A.Z.
Van Ham
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