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Claudia Pechstein
Quälen für Vancouver: Der letzte Kampf einer Eis-Königin
Von Torsten Haselbauer, Berlin
"Drei Stunden Physiotherapie für drei Kilometer" - trotzdem will sich Claudia Pechstein nicht vom Eis befreien
 
09. November 2008
Warum Claudia Pechstein am Samstag dann doch noch über 3000 Meter an den Start gegangen ist, zeigte sich erst lange nach dem Rennen. Es war schon dunkel, aber vor der tristen Eissporthalle in Berlin-Hohenschönhausen wartete geduldig eine Gruppe junger Mädchen auf die dunkelblonde Eisschnellläuferin. Manche wollten von der 36 Jahre alten Athletin ein Autogramm, andere ein Foto dazu.
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Hier im Sportforum, tief im Osten der Hauptstadt, hat Claudia Pechstein im Alter von drei Jahren ihre ersten Runden auf den Kufen zurückgelegt. Dann eroberte sie die Welt des Eischnelllaufs, sie wurde ein Star, erhielt lukrative Werbeverträge. In Berlin-Hohenschönhausen ist man immer noch sehr verbunden mit Claudia Pechstein. "Sicher auch wegen der Fans und meiner großen Familie, die hier auf der Tribüne waren", antwortete Claudia Pechstein auf die Frage, warum sie beim ersten Weltcup-Rennen über die 3000 Meter Distanz überhaupt angetreten sei.
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"Drei Stunden Physiotherapie für drei Kilometer"
Am Freitag hatte sie noch auf eine Teilnahme über 1500 Meter verzichtet. Eine Muskelverhärtung im linken Oberschenkel zwang die fünfmalige Olympiasiegerin zu diesem unfreiwilligen Aussetzer. Einen Tag später aber wollte die Berlinerin nicht abermals passen. Schon gar nicht auf ihrer Lieblingsstrecke und erst Recht nicht beim Heim-Weltcup in Berlin. "Drei Stunden Physiotherapie für drei Kilometer“, beschrieb Claudia Pechstein ihre sicher nicht optimale Vorbereitung auf das Rennen am Samstagnachmittag.
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Heraus kamen ein fünfter Platz und eine nicht gerade berauschende Zeit von 4:08,41 Minuten. Damit blieb sie fast fünf Sekunden hinter der Siegerin dieses Wettbewerbs, der erst 21 Jahre alten Martina Sablikova. Die Tschechin benötigte in diesem "Generationenlauf“ lediglich 4:03,70 Minuten und gewann deutlich vor Daniela Anschütz-Thoms (4:07,08).
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18 Weltcupsaisons kurvt die Berlinerin über die Bahnen
Mit Martina Sablikova, eine Vertreterin der an die Weltspitze stürmenden Eisschnelllaufjugend, möchte und kann sich Claudia Pechstein nicht mehr messen. "Sie dominiert eindeutig die Langtrecke. Sie ist jung, körperlich und geistig unbelastet und hat nichts zu verlieren“, skizzierte die Deutsche den nachhaltigen Eindruck, den ihre Konkurrentin auch in Berlin wieder auf sie gemacht hat. Und ein wenig zögerlich ergänzt sie noch: "So, wie ich einmal war, in diesem Alter.“
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Claudia Pechstein gilt jetzt als große alte Dame des deutschen Eisschnelllaufs. Eine gefühlte Ewigkeit, genau 18 Weltcupsaisons, kurvt die gebürtige Berlinerin schon über die Eisschnelllaufbahnen dieser Welt. Und sie weiß, dass sie auch in dieser vorolympischen Saison die 15 Jahre jüngere Martina Sablikova nicht mehr schlagen wird. Spätestens seit diesem Wochenende, nach dem ersten Weltcuprennen der Saison. "Martina Sablikova ist eine Ausnahmeläuferin und fährt in einer eigenen Liga“, sagt anerkennend Markus Eicher, der Bundestrainer der deutschen Damen. So unfassbar gut, dominant und elegant also ist die Tschechin – wie einstmals Claudia Pechstein bis vor etwa fünf Jahren noch.
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Sie will nach Vancouver - 2009 und 2010
Der Grund, warum die Berlinerin sich trotz allem noch nicht vom Eis befreien möchte, klingt einfach wie unspektakulär. "Ich möchte in Vancouver in den Einzelwettbewerben noch einmal auf dem Treppchen stehen", sagt die Berlinerin. Und das am liebsten zwei Jahre nacheinander. Zunächst bei der Weltmeisterschaft im Februar 2009 und dann ein Jahr später bei Olympia in Kanada. Es wären ihre sechsten Winterspiele.
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Für dieses Ziel hat Claudia Pechstein sogar ihr geliebtes Berliner Umfeld aufgegeben. Seit etwa einem Jahr trainiert sie mit dem norwegischen Nationalteam in der Trainingsgruppe des Amerikaners Peter Mueller. Mit diesem Orts- und Trainerwechsel versucht Claudia Pechstein den Kontakt zur absoluten Weltspitze nicht weiter zu verlieren.
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Noch sind die Vorteile des Norwegenaufenthalts nicht zu erkennen
Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) gab ihr nicht mehr die nötige Unterstützung im eigenen Land, das war jedenfalls die Meinung der Athletin. "Ich hatte keine Alternative“, klagte die 12malige deutsche Meisterin über 3000 Meter vor ihrem Wechsel im Sommer 2007. Noch sind die Vorteile des Norwegenaufenthalts nicht zu erkennen. "Sicher ist, ich will in dieser Saison nicht ewig Fünfte werden“, gibt Claudia Pechstein einen ersten Ausblick auf das, was noch folgen soll.
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Dafür nimmt sie einiges auf sich – beispielsweise hat sie sich die Nasenscheidenwand richten lassen. Das soll ihre Infektanfälligkeit mindern. "Es hat was gebracht. Dafür zwickt und zwackt es nun woanders“, erklärte die dreimalige Weltcup-Siegerin erstaunlich offen und fast ein wenig erleichtert in Berlin. Dann ging sie nach draußen – und erfüllte die Wünsche ihrer Anhänger.
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F.A.Z.
Reuters
 
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