Eisschnelllauf
Olympiasiegerin Claudia Pechstein flieht nach Norwegen
Tschüss Deutschland! Claudia Pechstein
30. Mai 2007
Die fünfmalige Olympiasiegern Claudia Pechstein sieht in Deutschland keine Perspektiven mehr und flieht wegen der mangelnden Unterstützung nach Norwegen. "Es gibt in Deutschland keine Alternativen. Sportdirektor Günter Schumacher hat sich nicht einmal erkundigt, wie ich die Saison plane oder ob ich Unterstützung brauche", kritisierte die erfolgreichste Winterolympionikin die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in der norwegischen Botschaft in Berlin. Bereits am kommenden Montag beginnt ihr neuer Karriere-Abschnitt beim Training mit der Eisschnelllauf-Auswahl Norwegens in Oslo.
Für den vielen Jahre erfolgreichsten deutschen Wintersportverband ist der Schritt ein Armutszeugnis. Pechstein ist nach Anni Friesinger die zweite deutsche Top-Eisschnellläuferin, die wegen der schlechten Trainingsmöglichkeiten ihr Heimatland verlässt. Friesinger hatte sich im Vorjahr entschlossen, bei ihrem neuen Coach Gianni Romme in den Niederlanden zu trainieren.
Mit der Fähre nach Oslo
Pechsteins Coach Joachim Franke bestätigte gleichzeitig seinen Abschied. "55 Jahre im Leistungssport, davon 35 Jahre als Trainer, sind genug", meinte der mit neun Olympiasiegen und 43 WM-Titeln erfolgreichste Eisschnelllauf-Trainer der Welt. "Claudia ist eine Superfrau. Ihr Wechsel ist für mich ein großes Ereignis. Ich bin überzeugt, sie wird in Norwegen ein sehr gutes Umfeld vorfinden", meinte Franke, der aber seine Musterschülerin auch weiterhin beraten wird. "Deshalb werde ich im kommenden Winter keine großen Fehler machen. Ich gehe mit gemischten Gefühlen, aber auch mit Zuversicht. Ich will bei der EM endlich mal wieder eine Medaille gewinnen", sagte Pechstein.
Bereits am Samstag fährt sie mit der Fähre nach Oslo, wo sie am Montag mit der Trainingsgruppe von Coach Peter Mueller in die Sommervorbereitung startet. Neben den Top-Läufern Eskil Ervik und Havard Bökko gehört zu dieser Gruppe auch Maren Haugli, die einzige Weltklasse-Läuferin Norwegens. "Ich bin froh, dass ich in der Nähe von Oslo zunächst bei ihr übernachten kann. Der Draht ist sehr gut." Bereits im Juni steht dann das Eistraining in Salt Lake City an.
dpa
picture-alliance/ dpa
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