Hans Zach
Das Ende der Glückssträhne
Von Marc HeinrichViel Grund zum Lamentieren: Hannover und Trainer Hans Zach stehen im Keller der Deutschen Eishockey Liga
22. November 2009
Dass es kein leichtes Jahr werden würde, war allen Beteiligten schon im Sommer bewusst. Dass die Probleme nun aber, nach einem Drittel der Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), so groß sind, treibt auch Hans Zach um, der nach vierzig Jahren im Eishockey dachte, "dass mich nichts mehr so schnell umhaut". Die Krise der von ihm trainierten Hannover Scorpions ist mehr als eine Momentaufnahme in diesem schnelllebigen Mannschaftssport - sie kann, wenn die Ergebnisse nicht rasch besser werden, existentielle Folgen über das Tagesgeschäft hinaus haben.
Sportlich und finanziell hat das Team schon bessere Tage erlebt als in diesem Herbst. Der Niedergang geht schleichend voran. Den einstigen Pokalfinalteilnehmer, der sich in der vergangenen Runde über die erfolgreichste Spielzeit der Vereinsgeschichte freute, hatte das 3:7 in Frankfurt auf den letzten Platz zurückgeworfen.
Nach dem 3:2-Sieg am Freitag bei den Straubing Tigers ist Hannover war zwar wieder drei Plätze vorgerückt, doch am Sonntag unterlagen die Scorpions Ingolstadt daheim mit 2:3 in der Verlängerung. Die Lage schlägt dem Trainer aufs Gemüt: Nach der Blamage gegen die Lions hatte er mit seinen Spielern so abgerechnet, wie er es noch nicht oft in seiner langen Laufbahn gemacht hatte: "Ohne Leidenschaft, Einsatzbereitschaft und Kampf", wetterte er, "kann man ein Testspiel gegen einen Viertligisten gewinnen, aber nicht in der DEL."
"Dann will ich die schöne Natur im Isarwinkel genießen"
Üblicherweise lässt der Sechzigjährige nichts auf seine Leute kommen und verteidigt sie vehement gegen jede Kritik. Doch dass sie es an den grundlegenden Tugenden vermissen lassen, stimmt ihn nachdenklich. Diese Spielzeit, so sieht es die Lebensplanung des "Alpenvulkans" vor, soll nach Jahrzehnten der berufsbedingten Wanderschaft seine letzte sein. Im kommenden Frühjahr will er sich in seiner Bad Tölzer Heimat zur Ruhe setzen und "dann die schöne Natur im Isarwinkel genießen".
Möglicherweise kommt der Abschied schneller als gedacht. Der gelernte Metzgermeister weiß nur zu gut, was er sich und seinem Ruf schuldig ist. Er selbst brachte einen Rücktritt ins Gespräch. "Ich bin ja nicht auf das Gehalt der Scorpions angewiesen und auch keiner, der das aussitzt und wartet, bis alles den Bach runtergeht und sie mich feuern", sagte er.
Mit Geschäftsführer Marco Stichnoth habe er das unschöne Thema schon besprochen, doch eine Entscheidung sei vertagt worden. "Es wird aber mit Sicherheit nicht so sein, dass ich zu lange warte, so dass die Mannschaft auch mit einem anderen Trainer keine Chance mehr hat, nach oben zu kommen", sagte Zach. Mit den Niedersachsen arbeitet der Bayer seit 2006 zusammen; sie sind seine neunte Station als Coach.
Zachs Glückssträhne riss auf seine alten Tage
Nur einmal wurde der frühere Bundestrainer entlassen: 1997, als er bei den Züricher ZSC Lions nach wenigen Monaten scheiterte. Seitdem gelang dem cleveren Verhandlungspartner stets das Kunststück, jeden auslaufenden Vertrag entweder zu verbesserten Konditionen zu verlängern oder seine Tätigkeit andernorts unter angenehmeren Rahmenbedingungen fortzusetzen. Diese Glückssträhne riss auf seine alten Tage.
So schwierig wie aktuell in Hannover waren die Gegebenheiten nie. Im Juni schien das Aus der Skorpione nahe. Klubeigner Günter Papenburg streitet seit langem mit dem Land Niedersachsen über die Rückzahlung eines Zuschusses in Höhe von 2,5 Millionen Euro zum Bau der TUI-Arena, der selten ausgelasteten Heimspielstätte der Mannschaft - er drohte mit der Schließung der Multifunktionshalle und dem Verkauf der DEL-Lizenz.
"Immerhin kann es in der Tabelle für uns nur aufwärts gehen"
Erst im letzten Moment gewährte der Boss einen zwölfmonatigen Aufschub, ehe er abermals Bilanz ziehen will. Den Fortbestand des Klubs, der seit langem Verluste schreibt und die Nachwuchsausbildung anhaltend vernachlässigte, sicherten schließlich Spieler, die sich bereit erklärten, auf 25 Prozent ihres Gehalts zu verzichten. Allerdings trugen mehrere Stammspieler den Sparkurs nicht mit.
Fünf von ihnen, darunter Kapitän Dan Lambert und Topstürmer Eric Schneider, kehrten Hannover den Rücken und konnten nicht gleichwertig ersetzt werden. "Ich bin ein Teil unseres Tabellenplatzes, aber die Ränge 13, 14 und 15 sind nicht mein Anspruch", sagt Zach. Seinen trockenen Humor hat er trotz allem nicht verloren: "Immerhin kann es in der Tabelle für uns nur aufwärts gehen."
F.A.Z.
dpa
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