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Gunnar Prokops Bodycheck
Taktisch richtig, genug für lebenslänglich
Von Rainer Seele
Resoluter Platzhirsch: An Gunnar Prokop kommt niemand vorbei - manchmal nicht einmal die gegnerischen Spielerinnen
 
03. November 2009
Ob Gunnar Prokop wirklich Reue empfindet? Oder ob er, in letzter Minute, nach einem ungeheuerlichen Ereignis nur noch versucht, zu retten, was noch zu retten ist? Auf alle Fälle ist Prokop am Dienstag als Trainer des österreichischen Handball-Serienmeisters Hypo Niederösterreich zurückgetreten. Er bedauert angeblich sein Handeln. Es sei eine "unentschuldbare Fehlreaktion" gewesen.
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Ein bemerkenswerter Schritt in einem aufsehenerregenden Fall: Prokop hat einen Sturm der Entrüstung entfacht, weil er seinem Frauenteam in ungewöhnlicher Manier beigesprungen ist – er war kurzerhand in die Rolle eines Spielers geschlüpft und hatte ein Foul begangen. Prokop rempelte kürzlich im Champions-League-Spiel gegen HB Metz in einer heiklen Lage eine gegnerische Spielerin. Er verhinderte somit ein mögliches Gegentor.
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Der Europäische Handballverband (EHF) leitete daraufhin ein Verfahren gegen Prokop ein. Das Urteil wird in den nächsten Tagen erwartet. EHF-Generalsekretär Michael Wiederer, ein Österreicher, nannte das Vorgehen Prokops inakzeptabel. Seine Aussagen danach, so Wiederer gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, seien sogar erschreckend gewesen. Da nämlich war noch keine Einsicht zu erkennen bei dem 69 Jahre alten Handball-Lehrer, der in Österreich als der große Zampano bei Hypo gilt.
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"Wir wollen mit legalen Mitteln gewinnen"
Zwischen den Österreicherinnen und HB Metz stand es 27:27, als Prokop zur Tat schritt. Er lief auf das Feld und bremste die Serbin Svetlana Ognjenovic mit einer Art Bodycheck. Prokop sah dafür von den Schiedsrichtern zwar die Rote Karte, aber auch das grämte ihn keineswegs. Er grinste, als wäre ihm ein besonders ausgefallener Lausbubenstreich gelungen, und ließ sich an der Bank seines Teams auch noch beglückwünschen.
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Der Österreichische Handball-Bund (ÖHB), Anfang kommenden Jahres Ausrichter der Europameisterschaft der Männer, reagierte prompt mit sehr scharfer Kritik. "Wir distanzieren uns von jeglicher Form der Unfairness. Wir wollen mit legalen Mitteln gewinnen", sagte ÖHB-Präsident Gerhard Hofbauer. Und natürlich ging es ihm auch gleich um weitere Fragen der sozialen Kompetenz: "In jedem Fall", so Hofbauer, "hat Prokop durch sein sportlich unfaires Verhalten als Vorbild für die Jugend versagt."
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Trainer im Handball stehen häufig unter großer Anspannung, nicht nur wegen des sportlichen Drucks. Die dichte Atmosphäre in einer Handball-Arena trägt entscheidend zu einem speziellen Reizklima bei – allerdings sind Ausraster wie jener von Prokop die Ausnahme. Für die Strafe, die gegen ihn verhängt wird, könnte der Fall des Montenegriners Veselin Vujovic beispielgebend sein: Er war nach einer Schiedsrichter-Attacke im November 2008 am Rande des Europapokalspiels seines Vereins Vardar Skopje gegen Kadetten Schaffhausen mit einer einjährigen Zwangspause belegt worden.
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"Da überlegt man nicht, das war ein Kurzschluss"
Der streitbare Prokop, der vorerst nicht mehr als Vorsitzender des "Women’s Club Committee" in der EHF fungieren darf, hatte sich nach seiner Entgleisung noch als Verteidiger in eigener Sache gebärdet – mit teilweise drastischen Formulierungen. "Mich ärgert", sagte er der Zeitung "Kurier", "dass jeder fragt, wenn man einmal Blödsinn macht. Wenn man eh schon haas is auf die Schiris, die uns in den letzten sechs Minuten das Spiel g'stohln ham. Da überlegt man nicht, das war ein Kurzschluss. Taktisch war es richtig, auch wenn’s Blödsinn war. Dabei bleib’ ich. Für uns ist das eine Existenzfrage, ob wir weiterkommen. Was is’ groß passiert? Ist das Mädl jetzt ein Krüppel? Wenn man mich sperrt, müsst ma’ die Schiris auch sperren."
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Inzwischen hat Prokop, der weiter als Manager von Hypo aktiv sein will, sich offenbar beraten lassen. Er entschuldigte sich nicht nur bei Svetlana Ognjenovic, sondern auch gleich bei der "Sportwelt". In einer von seinem Klub verbreiteten Mitteilung heißt es unter anderem: "Mir selbst fehlt – aus heutiger, distanzierter Sicht – jede Nachvollziehbarkeit." Er wolle, so Prokop, diese Situation mit einem Psychologen aufarbeiten.
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"Er hat genug für lebenslänglich beisammen"
Möglicherweise gibt es dann darüber hinaus einiges zu bereden – laut "Kurier" ist Prokop schließlich äußerst impulsiv: "Neben frauenfeindlichen Ansagen ist er für sein Gebrüll und Geheul an der Outlinie europaweit bekannt. In Rumänien setzte es Ohrfeigen, in Ungarn einen Steinwurf." Für Sportdirektor Jan Hansen von Aalborg DH, ebenfalls Gruppengegner von Hypo Niederösterreich in der Champions League, ist das Maß längst voll: "Er hat genug für lebenslänglich beisammen."
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Einen Schaden für die EM 2010 durch die Causa Prokop befürchtet zumindest Wiederer nicht. Es werde keinerlei Auswirkungen geben, behauptet der EHF-Funktionär. Schließlich habe dieser Einzelfall nichts mit der Sportart an sich zu tun.
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F.A.Z.
dpa
 
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