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Bayern München
Die Armut der Reichen
Von Christian Eichler, München
Symbolischer geht es nicht: Kapitän van Bommel am Boden, das Achtelfinale in weiter Ferne
 
04. November 2009
Im Fußball ist es wie in der Politik: Manchmal können Zentimeter die Dürftigkeit des Programms kaschieren. Dem Politiker ist dann das Kreuzchen des Wählers gnädig – setzt der es in seiner mächtigen Mehrheit ein wenig tiefer oder höher, sieht die Welt anders aus. Dem Fußballer ist es der Ball, der nicht an die Latte, sondern eine Handbreit tiefer fliegt, ins Netz oder wenigstens dem Gegenspieler an die Hand, und zwar so, dass es der Schiedsrichter sieht. Die Bayern hatten auf diese Art Glück einmal ein Copyright. Es hieß "Bayern-Dusel", ist aber unbekannt verreist. Und so stehen sie in ihrer derzeitigen Dürftigkeit glücklos da.
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"Wenn Ribéry und Robben nicht mitspielen", sagte Trainer Louis van Gaal nach dem 0:2 gegen Girondins Bordeaux und offenbarte das ganze Dilemma, "dann müssen wir das Positionsspiel und die Ordnung halten." Später formulierte er es so: Einen Gegner wie Bordeaux könne man "noch nicht wegspielen", man könne nur "kämpfen, streiten, eine Ordnung kreieren". Das ist die bittere Wahrheit.
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Machen Sie zwei typische Handbewegungen zum FC Bayern im Herbst 2009
Anders ausgedrückt lautet sie: In einem der reichsten Klubs der Welt herrscht spielerische Armut. Man hat in den letzten zweieinhalb Jahren mehr als 150 Millionen Euro an Transferausgaben in das Team investiert. Doch nun, da der französische Star verletzt ist und die holländische Hoffnung noch nicht wieder völlig fit, bleibt nur van Gaals Notprogramm: Ordnung halten. Fußball-Bayern im Herbst 2009, das Land der begrenzten Möglichkeiten.
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„Das Leben geht weiter”, sagte van Gaal in der Kabine. Doch das klang aus dem Munde des schroffen Niederländers weniger tröstlich als das Originalzitat des verschmitzten Serbo-Hessen Dragoslav Stepanovic. Weitergehen wird es bestimmt, aber ist das ein Leben für verwöhnte Bayern-Fans, Bayern-Profis, Bayern-Bosse? Abhängig zu sein in der Champions League von der Gnade der nun bereits für die K.-o.-Runde qualifizierten Franzosen? Hoffen zu müssen, dass sie nicht mit einer B-Elf Juventus Turin im nächsten Spiel die drei Punkte schenken, die den deutschen Rekordmeister endgültig in die Europa League absteigen ließen? Nur wenn Bordeaux mindestens einen Punkt gegen die Italiener holt, hätten es die Bayern in der Hand, mit zwei Siegen gegen Haifa und Turin doch noch weiterzukommen.
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"Ich habe einen wunderschönen Abend verbracht"
Das 0:1 - Gourcuff (nicht im Bild) köpft frei vor Torwart Butt ein
Man muss den Bayern zugute halten, dass sie nicht jammern, dass sie Haltung bewahren. Sie hätten Grund zum Hadern gehabt, etwa bei dem Handspiel von Ciani, das der Schiedsrichter übersah (dem aber wohl auch die deutliche Absicht fehlte, die Voraussetzung für einen Elfmeter wäre); oder beim 0:1 durch Gourcuff (37. Minute), den van Bommel laufen ließ; und bei den drei, vier guten Chancen, die sie anfangs der zweiten Halbzeit herausarbeiteten, als mit dem eingewechselten Robben endlich etwas Tempo in die Angriffe kam. Doch das verpuffte.
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Das bis auf Gourcuff nahezu namenlose Team aus Bordeaux, von Laurent Blanc mit ruhiger Hand zu einer Meistermannschaft geformt, bekam das Spiel wieder unter Kontrolle und schoss in der Nachspielzeit, nach einem Missverständnis zwischen Butt und Badstuber, durch Chamakh das 2:0. "Ich habe einen wunderschönen Abend verbracht", sagte Blanc. Man habe gesehen, "dass die Bayern nicht mit dem größten Selbstvertrauen angetreten sind. Das haben wir ausgenutzt."
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Van Gaal ist vorsichtiger, verkrampfter - wie seine Elf
Das 0:2 - Torwart Butt und Badstuber behindern sich, Bordeaux' Chamakh schiebt ein
Die Bayern hatten mindestens ein Remis verdient, doch auch das hätte ihr Problem nicht gelöst, nicht mal überdeckt. Dem Team fehlen Leichtigkeit, Freude, Phantasie. Es fehlen die Spieler, die das im Blut haben, und es fehlt ein Trainer, der das vermitteln kann. Mit seinen Versuchen, locker zu sein, lustig zu wirken, mit seinen Wortspielen und scherzhaften Gott-Vergleichen hat van Gaal Missverständnisse bewirkt und hämische Schlagzeilen. Nun ist er wieder vorsichtiger geworden und damit verkrampfter, genau wie seine Elf.
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"Nun wird es unruhig", weiß Torwart Jörg Butt. Am Samstag (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) kommt der nächste Gegner, der keine Geschenke macht, Schalke 04 mit Felix Magath, der bei den Bayern zweimal das Double holte und trotzdem gehen musste. Wenigstens ist dann der gegen Bordeaux gesperrte Thomas Müller wieder dabei. Dass der Zwanzigjährige, noch bis zum Sommer Stammkraft der U-23-Bayern, nun schon eine Lücke im Star-Ensemble reißt, spricht für sich.
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"Wir hatten kein Glück, aber wir waren auch nicht gut genug"
Ein Robben als holländischer Hoffnungsträger reicht den Bayern nicht
Auch der hünenhafte Verteidiger Daniel van Buyten, der die Bayern dreimal in dieser Saison mit späten Toren gerettet hatte, fehlte. So mussten sich die hilflosen Stürmer allein mit den schwachen Hereingaben abmühen. Die Flanken von Braafheid und Pranjic, van Gaals Mitbringseln aus Holland, ähneln Wurfsendungen ohne genauen Adressaten. Dasselbe gilt oft für Lahm, seit er von der rechten Seite kommt, und für die meisten Ecken von Schweinsteiger.
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Louis van Gaal beschönigt nichts: "Wir hatten kein Glück, aber wir waren auch nicht gut genug." Das alte Lied: "Uns fehlt Kreativität." Ob Ribéry sie in diesem Jahr noch bringen kann, ist medizinisch unsicher. Ob er sie im nächsten Jahr bringen wird, scheint nun sportlich fraglich. Wenn der FC Bayern die K.-o.-Runde der Champions League verpasst, die große Bühne des europäischen Fußballs, auf die es den ehrgeizigen Franzosen zieht – wie lange kann man ihn noch überzeugen, beim richtigen Klub zu sein?
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F.A.Z.
ddp, dpa, REUTERS
 
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