Medienbericht
GM sucht deutschen Manager fürs Europageschäft
Carl-Peter Forster, bisher Europa-Chef von GM, steht angeblich schon in Verhandlungen für eine neue Position - bei Tata Motors
07. November 2009
Wenige Tage nach der überraschenden Entscheidung von GM, Opel nun doch nicht wie vereinbart an den kanadischen Zulieferer Magna zu verkaufen, dreht sich das Personalkarussel bei General Motors. Erst am Freitag hatte GM mitgeteilt, dass Europa-Chef Carl-Peter Forster seinen Posten räumen muss.
Als wahrscheinlichster vorübergehender Nachfolger für Forster gilt der bisher für das Asien-Geschäft verantwortliche GM-Manager Nick Reilly, der den Ruf eines harten Sanierers hat. Zudem wird der 77jährige GM-Manager Bob Lutz als vorläufiger Opel-Aufsichtsratschef gehandelt. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" sucht GM aber längerfristig einen deutschen Manager für die Führungsetage ihres Europageschäfts. Der Einsatz eines deutschen Europachefs solle die Spannungen mit der Bundesregierung und dem Betriebsrat nach der Absage des Opel-Verkaufs an den Zulieferer Magna abmildern.
GM-Chef Fritz Henderson wolle kommende Woche zusammen mit Reilly und Opel-Chef Hans Demant die Lage bei der europäischen Tochter analysieren, schrieb das "Wall Street Journal". Der alte und neue Mutterkonzern will gut 10.000 der rund 55.000 Jobs in Europa streichen. In Deutschland wird befürchtet, dass deutsche Standorte bei der Sanierung durch GM härter betroffen sein könnten als bei den Magna-Plänen.
Betriebsrat in Alarmbereitschaft
Der Betriebsrat bringt sich daher schon in Stellung: Sollte GM damit beginnen, im Alleingang europäische Werke zu schließen und Arbeitsplätze zu streichen, werde es einen Krieg geben, an dessen Ende nur Verlierer stünden, sagte der Vize-Vorsitzende des Betriebsrats von GM Europe, Rudi Kennis, am Samstag im Deutschlandfunk.
Der Gewerkschaftsboss warnte die Regierungen der betroffenen Länder davor, mit Staatshilfen in einen Bieterwettstreit für Opel-Standorte zu treten. Die Regierungen müssten nun eng zusammenarbeiten und dürften sich nicht spalten lassen. Schließlich wolle das Management in Detroit nun "ganz tief schneiden und ein europäisches Blutbad organisieren" mit Hilfe von Steuergeldern. Da dürften die Regierungen nicht mitspielen, forderte Kennis.
Debatte um Staatshilfen
Derweil geht auch die Debatte um die Vergabe von Staatshilfen an GM zur Sanierung von Opel weiter. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) will daran weitreichende Bedingungen knüpfen. "Erst muss das Unternehmen den Übergangskredit zurückzahlen", sagte Koch. Außerdem müsse zunächst die Liquidität von Opel gewährleistet werden. "Wir erwarten einen eigenen Beitrag von GM", sagte Koch.
Die EU-Kommission will Pläne von Bundesregierung und Ländern verhindern, Staatshilfe für General Motors und Opel nur beim Erhalt aller deutschen Werke zu gewähren. Der Sprecher der zuständigen EU-Kommissarin Neelie Kroes sagte der "Berliner Zeitung", es bestehe kein Zweifel daran, dass Staatshilfe, die an die Bedingung des Arbeitsplatzerhalts in Deutschland geknüpft werde, "kaum mit den Binnenmarktregeln in Einklang zu bringen sein dürfte" und deshalb von Brüssel nicht akzeptiert werde.
Widerstand bei der EU
Weiter hieß es, das Ziel von EU-konformen Restrukturierungsbeihilfen sei immer der langfristige Erhalt des Unternehmens. Über Einzelheiten müssten die Unternehmen aber nach rein betriebswirtschaftlichen Kriterien entscheiden können. Dabei sei zumindest denkbar, dass dieses Ziel - und damit die Rettung von Jobs in anderen EU-Staaten - nur mit dem Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland erreicht werden könne.
Der Kroes-Sprecher stellte auch klar, dass für GM Hilfen aus dem von der EU zu Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise generell genehmigten Rettungsschirm für Unternehmen nicht in Frage kommen. Dieser Finanzrahmen sei für eindeutige Krisenfolgen reserviert. Er können nicht benutzt werden, um innerhalb der EU "Bedingungen für bestimmte Unternehmensstandorte durchzudrücken". Nur so lasse sich ein Subventionskrieg in der Europäischen Union vermeiden.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte staatliche Hilfen für Opel vom Erhalt aller deutschen Werke abhängig gemacht. Ähnlich hatte sich der rheinland-pfälzischer Regierungschef Kurt Beck (SPD) geäußert.
Zukunft Forsters bei Tata Motors?
Der bisheriger GM-Europachef Carl-Peter Forster soll bereits Gespräche mit dem indischen Autokonzern Tata Motors führen, um dort eine neue Position einzunehmen. Forster sei der Wunschkandidat des Eigentümers Ratan Tata. Dieser suche für den weltweiten Vertrieb seiner Kleinst-, Klein- und Kompaktautos, zu denen auch die Luxusmarken Jaguar und Land Rover gehören, einen ausgewiesenen Fachmann.
FAZ.NET
AP
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