Logo
Wirtschaft >
- Anzeige -
3D-Präsentationen
Ein Fingerzeig in die dritte Dimension
Von Marco Dettweiler
Mit dem Finger lässt sich die Erde drehen
 
02. November 2009
Sebastian Demmerle wischt mit den Fingerspitzen über die verglaste Oberfläche eines Tisches, auf dem Bildschirm ist eine dreidimensionale Darstellung der Erde zu sehen. Er lässt die Kugel rotieren, vergrößert sie und tippt auf Details, um sie an die Wand zu projizieren. Demmerle arbeitet nicht an einer Fortsetzung des Science-Fiction-Films "Minority Report“, sondern gehört zum Unternehmen "NewMedia Yuppies“ (NMY). Das hat zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für graphische Datenverarbeitung (IGD) das "Touchlab“ entwickelt.
Nach oben
"Das ist die Zukunft der Präsentation“, sagt Demmerle. Power-Point war gestern. Seine Vision: Unternehmen nutzen Multi-Touch-Technologie in Verbindung mit 3D-Technologie, um neue Produkte vorzuführen oder Strategien vorzutragen. Technische Voraussetzung für die Funktionalität solcher Systeme ist die Software. Sie sorgt dafür, dass der Touchscreen auf die Berührung unmittelbar reagiert und die manuellen Befehle in der 3D-Darstellung umsetzt. So genügt ein Wischer, um Objekte zu drehen. Da die Programmierer eine "offene Software-Architektur“ geschaffen haben, ist die Anwendung unabhängig vom Ausgabemedium. Die Erde dreht sich auch auf dem iPhone oder auf einem Notebook mit berührungsempfindlichem Bildschirm.
Nach oben
Das Touchlab könnte die Zukunft der Präsentation sein
Unternehmen wie Acer, HP oder Sony bieten mittlerweile Monitore mit Touchscreen an. Seitdem Apple mit dem iPhone neue Maßstäbe für Mobilfunkgeräte gesetzt hat, stattet nahezu jeder Hersteller von Smartphones seine Geräte mit berührungsempfindlichen Displays aus. Apples Tablet-Computer, der vermutlich 2010 auf den Markt kommt, wird diese Art der Bedienbarkeit noch weiter vorantreiben. Microsoft beeindruckte auf der Cebit die Besucher mit dem Computer "Surface“. Auch dieses System hatte die Form eines Tisches mit einer Multi-Touch-Oberfläche.
Nach oben
Das Fraunhofer IGD forscht seit 15 Jahren an einer Software für "virtuelle Realität“. Johannes Behr entwickelte mit seinem Team die Plattform "Instant Reality“, die "dynamische 3D-Welten“ schnell und unabhängig vom Ausgabemedium erzeugt. Die Kür der 3D-Darstellung auf einer Leinwand ist die "Heyewall“: Mit einer Spezialbrille ausgestattet bewegt sich der Betrachter wie in einem Imax-Kino durch eine stereoskopische, also "echte“ 3D-Welt auf 10 Quadratmetern.
Nach oben
Noch recht teuer
Das Fraunhofer IGD kann erst jetzt solche faszinierenden Anwendungen vorführen. Behr und sein Team haben von der schnellen Entwicklung im Computer-Hardwarebereich profitiert. Handelsübliche PCs haben heutzutage so starke Prozessoren und schnelle Grafikkarten, dass sie für die Anwendung solcher Projekte eingesetzt werden können.
Nach oben
Bei der hat sich der Iso-Standard X3D etabliert. Das hat den Vorteil, dass die Software für verschiedenste Systeme programmiert werden kann. Gerade die 3D-Darstellung im Internet wird dank X3D immer mehr an Bedeutung gewinnen. Unternehmen wie Google, Apple oder Mozilla arbeiten derzeit an dreidimensionalen Anwendungen. Bald könne man sich im Internet im 3D-Verfahren "auf Reisen vorbereiten oder Schuhe aussuchen“, sagt Behr.
Nach oben
Die 3D-Darstellung mit Multi-Touch-Bedienung als Präsentationssystem hat momentan noch ihren Preis. Das Touchlab und die Heyewall kosten in dieser Realisierung etwa 50.000 Euro, weil die Ausgabemedien in dieser Form noch recht teuer sind. An der Software liege es nicht. Deren Kosten befänden sich im "üblichen Bereich“. Fraunhofer-Entwickler Behr ist zuversichtlich, dass solche 3D-Präsentationen "schon in Kürze der Standard“ sein könnten und Unternehmen sich damit ausrüsten. Das neue Verfahren spare "Zeit und Geld“ und lasse sich relativ schnell umsetzen. Die Anwendungen beschränken sich nicht auf Unternehmen. Behr stellt sich "echtes 3D für Endverbraucher“ vor. Dann könne jeder "Häuslebauer“ sein Gebäude vorab dreidimensional anschauen.
Nach oben
 
F.A.Z.
New Media Yuppies, dpa
 
Zum Thema
Der große Powerpoint-Bluff >
Minicomputer gibt's nicht geschenkt >
 
Zum Ressort >
Weitere Themen
Homepage >, Politik >, Feuilleton >, Sport >, Gesellschaft >, Finanzen >, Reise >, Wissen >, Auto >, Computer >, Beruf & Chance >, Kunstmarkt >, Immobilien >, Rhein-Main-Zeitung >
© F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001-2009