Technologieaktien
Der Tec-Dax überflügelt den Dax
Von Kerstin Papon06. November 2009
In diesem Jahr laufen Technologieaktien an der Börse besonders gut. Für den Tec-Dax steht ein Plus von fast 50 Prozent zu Buche. Der Dax kommt seit Jahresanfang auf einen Anstieg von 14 Prozent. Auch in anderen Ländern wie Amerika sieht das Kursbild ähnlich aus, wenngleich der Vorsprung dort nicht ganz so groß ist. Dies dürfte an deutschen Technologiewerten wie Aixtron oder Infineon liegen, deren Kurse sich vervielfacht haben.
"Es sind in diesem Jahr die Aktien von kleineren und mittelgroßen Unternehmen insgesamt, die sich an der Börse besonders gut entwickeln“, stellt Jürgen Hackenberg von der Fondsgesellschaft Union Investment fest. Er verwaltet den Union Deutschland XS. Und so überrundet denn auch der M-Dax die Standardwerte mit einem Indexgewinn von 27 Prozent.
"Das liegt an der Art der Marktphase“, begründet Hackenberg: "Es ist typisch, dass Aktien geringer kapitalisierter Gesellschaften dann stärker gefragt sind, wenn die Konjunktur einen Tiefpunkt hinter sich hat. Sie haben ein höheres ,Beta‘ und sind dynamischer als andere Werte, aber eben auch riskanter.“ Angesichts der Konjunkturprognosen geht er aber davon aus, dass sich die kleineren Werte in den kommenden zwölf Monaten weiterhin besser entwickeln dürften als Standardaktien. Der Beta-Faktor bildet den Zusammenhang zwischen der Kursentwicklung einer Aktie und der eines Index ab, er zeigt also die Sensitivität des Aktienkurses auf die Änderung des Indexstands. Ein Beta-Faktor von mehr als "Eins“ bedeutet zum Beispiel, dass die Aktie stärker schwankt als der Gesamtmarkt.
Hardware, Software und Netzwerkausrüstung favorisiert
Doch es gibt gute Gründe, warum gerade Technologieaktien so deutlich zugelegt haben. Sie gelten gemeinhin als stark konjunkturabhängige (zyklische) Werte. Einige von ihnen reagieren zudem besonders frühzeitig auf wirtschaftliche Veränderungen. In der Tat sind sie im Jahresverlauf mit der wieder wachsenden Konjunkturzuversicht im Kurs gestiegen.
"Zudem haben Technologieunternehmen ihre Kosten im Abschwung sehr viel stärker und schneller reduziert, als es der Markt angenommen hatte“, stellt Carsten Klude vom Bankhaus M.M. Warburg fest: "Zugleich haben sich ihre Ergebnisse in den ersten drei Quartalen dieses Jahres fortlaufend verbessert.“ Und gerade in der jüngsten Berichtssaison hätten die meisten Unternehmen der Branche positiv überrascht. "Die Unternehmen zeigen eine vorbildliche Kostendisziplin. Sie haben aus der Technologieblase der Jahrtausendwende und deren Platzen vieles gelernt“, erläutert Frédéric Fayolle, Technologieexperte der Fondsgesellschaft DWS. Er bleibt trotz der Kursgewinne und der inzwischen weithin gestiegenen Erwartungen optimistisch für die Technologiebranche und favorisiert die Bereiche Hardware, Software und Netzwerkausrüstung. Kritischer sieht Fayolle die frühzyklischen Halbleiterunternehmen, deren Aktien besonders gut gelaufen sind. Der Fondsmanager verantwortet unter anderem den DWS US Technoaktien-Fonds.
"Gesunde Bilanzen" bei den meisten Unternehmen
Fayolle begründet seine Zuversicht mit dem offensiven und zugleich defensiven Charakter der Technologiewerte. In einer fortgesetzten Erholung rechnet er mit zunehmenden Ersatzinvestitionen der Unternehmen in Personal Computer, Server und Software, die inzwischen vielfach veraltet seien. Hohen Kosten der Erhaltung stünde hier zudem ein geringerer Stromverbrauch der neuen Geräte gegenüber. Die meisten Gesellschaften hätten überdies "gesunde Bilanzen“ mit geringen Schulden und eine hohe Nettoliquidität.
Dass gerade der Tec-Dax so kräftig gestiegen ist, liegt an dem Kursfeuerwerk einzelner Aktien vor allem aus dem Halbleiterbereich. Dagegen stehen die Solarwerte als die ehemaligen Indextreiber in diesem Jahr eher im Abseits. Aixtron, mit einem Indexanteil von 11 Prozent der am höchsten gewichtete Wert, hat in diesem Jahr 330 Prozent im Kurs gewonnen. Das Unternehmen ist Zulieferer für die Halbleiterindustrie. Viele Indexpunkte hat das diesjährige Tec-Dax-Intermezzo des Chipherstellers Infineon beschert. Von März bis September hat die Aktie 475 Prozent zugelegt. Deswegen konnte Infineon anschließend in den Dax zurückkehren. "In den sechs Tec-Dax-Monaten hat das Indexgewicht von Infineon mit den Kursgewinnen von 5,2 auf 13,8 Prozent zugenommen. Damit war das Unternehmen im September der schwerste Wert“, sagt der Unicredit-Analyst Christian Stocker.
Aktuell an der Tec-Dax-Spitze und zugleich führend unter den 110 wichtigsten deutschen Aktien im H-Dax ist der Chipentwickler Dialog Semiconductor mit einem Plus von rund 780 Prozent. Seit dem Aufstieg in den Tec-Dax zum 21. September hat der Index-Neuling aber nur 32 Prozent gewonnen. Das Indexgewicht ist mit 1,7 Prozent eher gering und so auch der Einfluss auf den Tec-Dax. Bei diesem kleinen Unternehmen seien zwei Dinge zusammengekommen, sagt Fayolle. Zum einen habe es selbst das Richtige getan – das Management habe gewechselt, auch die Produktlinie sei neu – , zum anderen habe sich es sich im richtigen Sektor befunden.
F.A.Z.
F.A.Z.
Zum Thema
Weitere Themen
Homepage >, Politik >, Wirtschaft >, Feuilleton >, Sport >, Gesellschaft >, Reise >, Wissen >, Auto >, Computer >, Beruf & Chance >, Kunstmarkt >, Immobilien >, Rhein-Main-Zeitung >






