Technologie-Index
Die sagenhafte Rally der Tech-Aktien
Von Patrick Bernau18. Mai 2009
Normal ist anders. Da steigt der Deutsche Aktienindex Dax innerhalb von acht Wochen so steil wie noch niemals zuvor, und was machen die Technikaktien im Tec-Dax? Sie steigen noch stärker. Ganze 50 Prozent haben die Aktien seit Anfang März durchschnittlich an Wert gewonnen. Damit haben sie immerhin wieder den Stand von Anfang Oktober 2008 erreicht.
Kein Wunder, sagen die Branchenexperten. Schließlich ist die Technik ihrer Zeit häufig voraus - auch an der Börse. Trends zeigen sich dort früher und heftiger. Nun hat sich an der Börse grundsätzlich in den vergangenen Wochen die Hoffnung durchgesetzt, dass ein Ende der Rezession sich in der Ferne erahnen lässt. Da steigen die Kurse der Technologieaktien besonders heftig. "Zuletzt haben wir eine Erholung in vielen Branchen gesehen, und Technologie ist eine frühzyklische Branche", sagt Markus Golinski, Fondsmanager des "RCM Informationstech"-Fonds bei Allianz Global Investors. Umgekehrt bedeuten solche Aussagen aber auch: Falls die Kletterpartie dieses Frühjahrs doch wieder mit einem Absturz endet - zum Beispiel, weil die wirtschaftliche Erholung doch langsamer kommt, als die Anleger derzeit hoffen -, dann könnten die hochgestiegenen Technikwerte umso tiefer fallen. Erst mal ist die Rally in den vergangenen Tagen ins Stocken geraten.
Solar-Aktien häufig in Gewinnerliste vertreten
Die Aktien sind aber immer noch deutlich teurer als im März. Besonders häufig in der Gewinnerliste vertreten sind Solaraktien: Centrotherm, Solon, SMA Solar oder Solarworld. Die Branche habe - wie manche andere - davon profitiert, dass sich neue Projekte leichter finanzieren lassen, sagt Gunther Kramert, Technikexperte bei der Fondsgesellschaft Union Investment. Zuvor war der Bau neuer Solarparks ins Stocken geraten, weil es immer schwieriger wurde, dafür günstige Kredite zu bekommen. Dass in der Solarindustrie für die Anleger demnächst noch viel zu holen ist, das bezweifelt Kramer aber: "In einigen Segmenten wie der Solarbranche und dem IT-Service nimmt der Markt schon ein positives Konjunkturbild vorweg."
Das bedeutet aber nicht, dass jetzt der ganze Tec-Dax für Anleger tabu wäre. Es gibt auch zwischen den Hightech-Aktien noch einige, die zuletzt kaum teurer geworden sind und die etwas mehr Stabilität versprechen. Biotechnologie-Firmen zum Beispiel zeichnen sich klassischerweise dadurch aus, dass sie ihr Geld weitgehend unabhängig von der Konjunktur verdienen. Anleger gehen mit Einzelwerten aber ein hohes Risiko ein, weil immer wieder die Entwicklung einer Firma ins Stocken geraten kann. Fonds sind die bessere Wahl.
Singulus für risikobewusste Anleger
Wer einzelne Aktien sucht und gerne etwas spekuliert, der kann Hendrik Leber von der Vermögensverwaltung Acatis folgen und Singulus ins Depot nehmen, den größten Hersteller von Pressmaschinen für DVDs. Davon gibt es inzwischen eine neue Generation, die "Blu-Ray-DVDs", für die noch einige Firmen Maschinen brauchen werden. Inzwischen hat sich bei vielen Konsumenten und Investoren die Erkenntnis durchgesetzt, dass Blu-Ray-DVDs teils direkt durch das Internet ersetzt werden könnten, die Firma hat kräftig fehlinvestiert und schreibt derzeit Verluste. Doch der Kurs ist auch entsprechend in die Knie gegangen. Jetzt hält Leber die Aktie für günstig. "Selbst ein mittelmäßiger Erfolg von Blu-Ray reicht noch, damit Singulus genügend Maschinen bauen kann", sagt er. "Die Absatzzahlen von Blu-Ray-DVDs steigen deutlich und sind noch Kilometer entfernt vom Sättigungspunkt." Für ähnlich günstig hält Leber den Lasermaschinen-Bauer Rofin Sinar. Bei keiner dieser beiden Aktien hofft Leber aber auf schnelle Erfolge: "Momentum haben die nicht. Das sind langfristige Investitionen." Union-Fondsmanager Gunther Kramert betont allerdings, dass Technik-Anleger immer auch ins Ausland blicken müssen. Dabei dürften sie ruhig auch Aktien aus dem Ausland kaufen.
Deren Wert schwankt zwar nicht nur mit dem Erfolg der Firma, sondern außerhalb des Euroraumes auch mit dem Wechselkurs ihres Heimatlandes. Das sei allerdings gar nicht so wild, argumentiert Kramert: Bei stabilen Firmen glichen Währungs- und Kursschwankungen einander zum Teil sogar wieder aus. Denn wenn der Dollar schwächer wird, werden zwar amerikanische Aktien weniger wert, doch ihr Kurs hat dann gute Chancen, zu steigen. Denn amerikanische Firmen verkaufen ihre Produkte dann im Ausland leichter. Vor allem in der Software-Branche fänden sich noch Werte, die zuletzt nicht übermäßig mitgestiegen sind.
Microsoft ist Liebling der Analysten
Kramerts Kollege Golinski bevorzugt derzeit grundsätzlich Unternehmen, die in ihrem Markt stark sind. "Wenn dann wieder investiert wird, werden die Markt- und Technologieführer überproportional davon profitieren." Eine Firma, die den Empfehlungen beider entspricht, ist Microsoft. Das Softwareunternehmen ist auch einer der größten Lieblinge von Analysten derzeit und eine der wenigen Firmen, die noch Bestnoten für ihre Kreditwürdigkeit bekommen. Vergangene Woche erst rissen Anleger Microsoft seine erste Anleihe aus den Händen.
F.A.S.
F.A.Z.
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