Geschäftsimmobilien
Notenbank Fed sorgt sich um die Branche
Von Norbert KulsDie Leerstände wachsen
27. Oktober 2009
Innerhalb der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) wachsen die Sorgen um weitere Kreditausfälle von Banken, die stark im Markt für Geschäftsimmobilien engagiert sind. Am Montag hatte die seit längerem befürchtete Insolvenz des großen Immobilienfinanzierers Capmark Financial das Augenmerk der Branche wieder auf dieses Marktsegment gerichtet.
Capmark gehört zu den großen Geldgebern für Entwickler und Investoren von Bürohochhäusern, Einkaufszentren, Hotels oder Mietshäusern. Angesichts der Rezession waren die Leerstandsraten bei diesen Immobilien deutlich gestiegen. Bankenaufseher fürchten nun, dass Banken auf weiter steigende Kreditausfälle nur ungenügend vorbereitet sind. "Banken werden nur langsam die Schwere der Verluste erkennen - genau wie im Häusermarkt", heißt es nach einem Bericht des "Wall Street Journal" in einem internen Papier der Fed.
"Schmerzen" für Geschäftsimmobilienbranche und deren Kreditgeber
Die Kreditausfälle im amerikanischen Häusermarkt hatten in einer Kettenreaktion zu einer Banken- und Wirtschaftskrise geführt. Der Präsident der New Yorker Fed, William Dudley, hatte kürzlich vor weiteren "Schmerzen" für die Geschäftsimmobilienbranche und deren Kreditgeber gewarnt. In ihrem jüngsten Konjunkturbericht "Beige Book" deutete die Notenbank an, dass Geschäftsimmobilien das schwächste Wirtschaftssegment seien.
Im dritten Quartal standen nach Angaben der New Yorker Marktforschungsgesellschaft Reis Inc. allein bei amerikanischen Einkaufszentren mehr als 10 Prozent der Fläche leer. Das war die höchste Leerstandsrate seit dem Jahr 1992. Die Betreiber der Einkaufszentren leiden unter den seit zwei Jahren stagnierenden Einzelhandelsumsätzen und einer Welle von Schließungen. Große Einzelhandelsketten wie die auf Haushaltswaren spezialisierte Linens 'n Things oder der Heimelektronik-Anbieter Circuit City Stores hatten Insolvenz angemeldet. Das gleiche Schicksal ereilte den zweitgrößten Betreiber von Einkaufszentren, General Growth Properties. Andere Einzelhändler wie der Videoverleiher Blockbuster oder die Damenbekleidungskette Ann Taylor haben viele Filialen zugemacht.
Möglicherweise reichen nun die Reserven der Banken, die stark bei Geschäftsimmobilien engagiert sind, nicht aus, um die befürchteten Verluste abzufedern. Diese Banken haben im zweiten Quartal im Durchschnitt nur 38 Cent für jeden Dollar an notleidenden Krediten zurückgestellt. Vor der Krise hatten die Banken jeden Dollar fauler Kredite noch mit 1,58 Dollar abgefedert. Das geht aus einer Analyse des "Wall Street Journal" von 800 Banken hervor, bei denen mehr als die Hälfte des Kreditvolumens Darlehen für Immobilienprojekte sind.
Banken scheinen die Realisierung von Verlusten hinauszuzögern
Banken scheinen die potentiellen Verluste hinauszuzögern. Denn viele Institute verlängern die Laufzeit der fraglichen Kredite bei Fälligkeit, selbst wenn sie die Darlehen heute so nicht mehr vergeben würden. In einigen Fällen ist der Wert der Immobilie sogar unter den Wert des Kredits gefallen. "Es gibt unter Banken eine Philosophie des Verzögerns und Vortäuschens, um eine mögliche Belastung der Bilanz zu verhindern", sagt Patrick Phillips, Vorstandschef der Forschungsgesellschaft Urban Land Institute.
Nach Hypotheken für private Häuser oder Appartements sind Kredite für Geschäftsimmobilien die zweitgrößte Darlehensform in den Vereinigten Staaten. Mehr als die Hälfte aller ausstehenden Kredite im Volumen von 3,4 Billionen Dollar werden von Banken gehalten.
"Banken drohen beträchtliche Risiken für zusätzliche Kreditverluste angesichts der Prognosen für Industrieproduktion und Beschäftigung", sagte Fed-Gouverneur Daniel Tarullo Mitte Oktober vor dem Bankenausschuss des Senats. Tarullo äußerte sich besonders besorgt über Geschäftsimmobilien-Projekte, deren Bau noch nicht beendet ist. Ohne Einkommen aus Mieten seien diese Kredite besonders gefährdet. Bankenaufseher wie die Fed würden weiter starkes Augenmerk auf die Kapitalausstattung der Banken legen. Selbst Institute mit einer Kapitaldecke, die den Mindestanforderungen entspreche, müssten in "absehbarer Zukunft" möglicherweise weiteres Kapital aufnehmen und die Dividendenausschüttung an Aktionäre begrenzen.
Von der Schwäche des Geschäftsimmobilienmarkt sind oft kleine und mittelgroße Regionalbanken betroffen. Aufsichtsbehörden der Regierung und der Bundesstaaten haben in diesem Jahr auch aus diesem Grund schon mehr als 100 Banken geschlossen.
nks., F.A.Z.
Bilderberg, MIT Center for Real Estate
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