2600 Praxen verwaist

Nur noch wenige wollen Hausarzt auf dem Land werden

 - 12:25

In Deutschland sind laut einer Umfrage mehr als 2.600 Hausarztpraxen verwaist. Besonders in ländlichen Gebieten sei es zunehmend schwierig, für frei werdende Arztpraxen junge Mediziner zu finden, meldete die „Rheinische Post“ (Freitag). Mittlerweile sei ein Drittel der Hausärzte mindestens 60 Jahre alt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schätze, dass im Jahr 2030 mehr als 10.500 Hausärzte fehlen könnten. Die „Rheinische Post“ befragte nach eigenen Angaben alle 17 Kassenärztlichen Vereinigungen.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erklärte, jetzt gehe es darum, den Masterplan Medizinstudium 2020 zügig umzusetzen und die Allgemeinmedizin so zu stärken. Dabei müsse auch geprüft werden, ob Landärzte in unterversorgten Gebieten besser als bislang vergütet werden müssen, sagte Gröhe der Zeitung.

In dem im vergangenen Jahr von Bund und Ländern beschlossenen Masterplan Medizinstudium 2020 ist verankert, dass Medizinstudenten am Ende ihres Studiums in der Allgemeinmedizin geprüft werden. Außerdem soll es künftig eine „Landarztquote“ bei der Vergabe der Studienplätze geben. Sie regelt, dass Studenten bevorzugt werden, die sich verpflichten, später in unterversorgten Regionen tätig zu sein.

Neben diesen Vorstößen läuft in Baden-Württemberg ein Modellprojekt zu Online-Behandlungen von Patienten, die zum Beispiel keinen Hausarzt mehr in der Nähe haben. Auch das ist eine Idee, den Landarztmangel abzumildern.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Maria Klein-Schmeink, kritisierte darüber hinaus „Fehlanreize bei der Arztverteilung“. Für viele Hausärzte seien Niederlassungen in Städten attraktiver, weil dort mehr Privatpatienten leben. Dieser Entwicklung müsse man mit einer Reform der Honorarordnung und einer Angleichung von Privat- und Kassenhonoraren gegensteuern: „Das geht gerecht jedoch nur in einer Bürgerversicherung.“

Quelle: EPD/KNA
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenHermann GröheKassenärztliche BundesvereinigungKassenärztliche VereinigungCDU