Angespannte Personallage

Altenpfleger bleiben ihrem Beruf länger treu als gedacht

Von Andreas Mihm, Berlin
 - 10:25

In der Debatte um die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege galt bisher die kurze Verweildauer der Beschäftigten im Beruf als Beleg für die mangelnde Attraktivität der Arbeit. Die Regierung nährt jetzt Zweifel an der Argumentation. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ zitiert sie eine Studie, nach der Altenpfleger ihren Beruf im Schnitt 19 Jahre ausübten. Auch wenn es bei der Datenermittlung „erhebliche methodische Probleme“ gebe und die Untersuchung sich auf das Jahr 2004 beziehe, so zeigten sich ähnliche Trends bei Altenpflegern, deren Abschluss noch nicht so lange zurückliege, heißt es. Zum Stichtag 31. Dezember 2004 seien fünf Jahre nach Abschluss der Ausbildung im Schnitt 77 Prozent der Altenpfleger im Beruf verblieben, nach zehn Jahren seien es 64 Prozent und nach 15 Jahren noch 63 Prozent gewesen. „Die Ergebnisse widerlegen deutlich die Vorstellung, dass viele Altenpflegefachkräfte schon nach kurzer Zeit ihren Beruf verlassen würden“, stellt die Regierung fest.

Unterstützt werde das durch eine repräsentative Befragung aus dem Jahr 2012. Danach arbeiteten 62 Prozent der Altenpflegerinnen in ihrem erlernten, weitere 25 Prozent in einem ähnlichen Beruf. Die Bemerkung, seither hätten Bund, Länder und Verbände mit flexiblen Beschäftigungsformen viel zur Verbesserung der Attraktivität des Berufsbildes getan, dürfte als Hinweis darauf zu verstehen sein, dass sich die Verweildauer seither wohl kaum verschlechtert habe. Auf die Frage nach dem Verhältnis von Voll- und Teilzeitstellen fallen die Antworten unterschiedlich aus. Während die vom Statistischen Bundesamt geführte Pflegestatistik auf eine Vollzeit-Quote von 27 bis 28 Prozent in ambulanten Diensten und Heimen kommt, weisen die Zahlenreihen der Bundesagentur für Arbeit eine Quote sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigter von 45 Prozent aus. Zum Vergleich: Die Vollzeitquote im Bundesschnitt aller Berufe beträgt 72,5 Prozent.

Dennoch ist der Wunsch nach mehr Arbeit in der Altenpflege vergleichsweise gering ausgeprägt. So weist der Bundesverband privater Pflegeanbieter auf eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes zu den Arbeitszeitwünschen aus dem Jahre 2016 hin. Demnach fiel der Wunsch nach längerer Arbeitszeit in der Altenpflege nur etwas höher aus als im Schnitt aller Berufe. 48 000 Frauen und 8000 Männer hätten für längere Arbeitszeiten votiert. Das seien 8,8 Prozent aller Erwerbstätigen in der Altenpflege. Über alle Berufe liegt der Satz jener, die mehr arbeiten wollten, bei 6,3 Prozent. Angesichts der hohen Teilzeitquote in der Pflege sei das ein „bemerkenswertes Ergebnis“, meint der Verband.

Personallage ist trotzdem schlecht

Die Zahlen ändern nichts an der knappen Personallage der Altenpflege mit fast 1,1 Millionen Beschäftigten in Deutschland. Ende Dezember waren 24 000 offene Stellen gemeldet. Ein zutreffenderes Bild der Lage zeichnet vermutlich die Dauer, bis eine freie Stelle besetzt werden konnte. Die betrug in der Altenpflege voriges Jahr 171 Tage, keine andere Branche kam auf einen so hohen Wert.

Den Personalmangel verdeutlicht auch eine andere Zahl: Voriges Jahr haben die Altenpfleger 9,5 Millionen Überstunden geleistet.

Quelle: F.A.Z.
Andreas Mihm
Wirtschaftskorrespondent in Berlin.
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