Experimentelle Studie

Bei männlichen Chefs verlangen Arbeitskräfte weniger Geld

 - 17:58

Schon viel ist darüber geschrieben worden, was männliche und weibliche Chefs ausmacht. Tun Frauen den Teams in Unternehmen gut? Kommunizieren sie anders? Besser? Sind sie kreativer? Steigern sie gar den Gewinn? Jetzt gibt es eine neue Studie, die einen ganz anderen Aspekt ins Zentrum rückt: Verlangen Arbeitnehmer von weiblichen Chefs eine andere Bezahlung als von männlichen?

Ja, ist die deutliche Antwort, die drei Forscher von der University of Southern California und der Universität La Plata auf diese Frage geben. Probanden fordern von weiblichen Arbeitgebern einen signifikant höheren Lohn, als wenn der Arbeitgeber ein Mann ist. Der Unterschied betrug in der Studie satte 22 Prozent.

Herausgefunden haben das die Wissenschaftler mit Hilfe eines Experiments. Auf einer spanischen Onlineplattform für Freiberufler schrieben sie im Namen eines fiktiven Unternehmens einen Arbeitsauftrag zur Übersetzung eines Marketingtextes aus. Dabei variierten sie lediglich das Geschlecht des Arbeitgebers: Mal bot Jose Antonio Garcia den Job an, mal Maria Carmen Garcia und mal – sozusagen als Kontrollgruppe – wurde das Geschlecht des Auftraggebers gar nicht in der Anzeige genannt.

„Klarer männlicher Arbeitgebereffekt“

Insgesamt 500 interessierte Freiberufler meldeten sich. Dabei ergaben sich deutliche Unterschiede in den Preisen, die sie für ihre Übersetzungsdienstleistungen ansetzten. Die Forscher schreiben, es habe einen „klaren männlichen Arbeitgebereffekt“ gegeben; die Preise wurden im Schnitt deutlich niedriger angesetzt, wenn Jose Antonio Garcia der Auftraggeber war.

Die Forscher vermuten, dass der Effekt darin begründet sein könnte, dass die Probanden einen Mann als härteren Preisverhandler einschätzten. Eine weitere Vermutung der Wissenschaftler ist, dass der Preis als Qualitätssignal empfunden wird und die Probanden glauben, die Frau sei qualitätsbewusster und interessiere sich daher eher für hochpreisige Angebote.

„Während frühere Forschungsarbeiten über geschlechtsspezifisch unterschiedliches Verhalten im Labor gemacht wurden, hat unser Experiment auf einem echten Arbeitsmarkt stattgefunden“, schreiben die Autoren des Papiers und heben das als den großen Vorteil ihrer Arbeit hervor. Da die Probanden ihrem fiktiven Arbeitgeber nur auf einer Onlineplattform begegnen, nehmen die Autoren sogar an, dass der Unterschied, der zwischen männlichen und weiblichen Arbeitgebern gemacht wird, bei persönlichen Vorstellungsgesprächen noch höher sein könnte.

Quelle: nab.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenLohn