Beruf und Gesundheit

Keine Karriere ist auch keine Lösung

 - 15:09

Karriere machen ist anstrengend, stressig, gesundheitsschädlich – dieses Bild vom beruflichen Aufstieg ist ziemlich weit verbreitet. Und doch: Keine Karriere zu machen ist auch schädlich, zumindest, wenn es nach einer neuen Studie geht.

Demnach leidet die Gesundheit, wenn Menschen beruflich absteigen oder auch nur über längere Strecken in niederen Positionen verharren. Besonders trifft das Männer in Ostdeutschland, die in den vergangenen zwanzig Jahren überdurchschnittlich oft die Erfahrung von Karriereabstieg und/oder Arbeitslosigkeit gemacht haben. Als Ursache vermuten die Wissenschaftler „psychosoziale Belastungen“.

Herausgefunden haben das Soziologen der Universität Halle-Wittenberg, die für ihre Arbeit von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gefördert wurden. Sie haben sich die Lebensläufe von knapp 20.000 erwerbstätigen Deutschen im Alter von 25 bis 59 Jahren angeschaut. Die Forscher prüften, ob die Personen karrieremäßig besser oder schlechter dastanden als zu Beginn der eigenen Laufbahn und ob sie Fortschritte gegenüber ihren Eltern gemacht haben. Dann verglichen sie die Angaben mit Selbsteinschätzungen der Personen zum Gesundheitszustand. Die Daten stammten aus dem sozio-ökonomischen Panel, einer Langzeitbefragung, bei der über die Jahre die immer gleichen Befragten Auskünfte geben.

Hoher Status - hohe Gesundheit

Am gesündesten fühlten sich die Befragten, die aus Familien mit hohem Status stammen und diese Position übers Leben hinweg halten konnten. Wer dagegen lange Zeit in einer Position mit niedrigem Status feststeckt, fühlt sich dagegen im Schnitt besonders krank. Darüber hinaus berichten Aufsteiger häufiger von einem guten Gesundheitszustand und Absteiger von einem schlechten.

Bei den Effekten spielte es keine Rolle, ob es sich um Männer oder Frauen handelte oder wo die Personen herkamen – sie betrafen alle gleichermaßen. Weil aber ostdeutschen Männern besonders selten berufliche Aufstiege gelangen und sie besonders oft unter Arbeitslosigkeit zu leiden hatten, waren sie überdurchschnittlich oft Leidtragende des Effektes: Sie schätzen sich besonders häufig als krank ein.

Die Studienautoren nehmen das als einen weiteren Beleg für die noch immer tiefen Gräben zwischen Ost- und Westdeutschland. Interessant dabei: Die Unterschiede traten bei Frauen deutlich schwächer zutage; Frauen sind in Ostdeutschland traditionell beruflich stärker eingebunden gewesen als in Westdeutschland, wo sich das Doppelverdienermodell erst viel später durchzusetzen begann. Die Forscher vermuten allerdings auch deshalb einen schwächeren Effekt bei Frauen, weil diese generell schlechtere Aufstiegschancen haben als Männer.

Quelle: nab.
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