Auslandsstudium

Deutschland – Traumziel für Jungingenieure

Von Nadine Bös
 - 21:18

Zum Ingenieurstudium am liebsten nach Deutschland! Das jedenfalls finden viele Studierende aus dem Ausland, die sich für ein Semester oder gar einen kompletten Studienabschluss in einer Ingenieursdisziplin an einer deutschen Universität oder Fachhochschule eingeschrieben haben. Im Wintersemester 2016/2017 waren dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zufolge 98.274 ausländische Studierende in Deutschland in Ingenieurstudiengängen immatrikuliert. Das waren deutlich mehr als in den Jahren zuvor: Seit dem Wintersemester 2013/14 ist die Zahl kontinuierlich angestiegen; damals waren es nur 58.465 eingeschriebene ausländische Ingenieurstudenten.

Im Vergleich zu anderen Fächergruppen sind die Ingenieurwissenschaften unter ausländischen Studenten in Deutschland mit Abstand am beliebtesten: Die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, die den zweithöchsten Anteil an ausländischen Studierenden verzeichnen, kommen gerade mal auf 69.123. Die meisten ausländischen Studierenden, die sich für Ingenieurstudiengänge in Deutschland entscheiden, stammen dem DAAD zufolge aus China und Indien. Mit großem Abstand folgen die Herkunftsländer Kamerun, Iran, Tunesien und Marokko.

Große Chancen auf eine Stelle, gute Aufstiegsmöglichkeiten und hohe Gehälter – damit lockt Deutschland offenbar junge, technikbegeisterte Menschen ins Land. Das zeigte jüngst auch eine Befragung der Personalberatung Page Group unter 1935 arbeitssuchenden Ingenieuren, die ihr Studium bereits beendet hatten. 73 Prozent von ihnen waren zum Umzug bereit, und die große Mehrheit benannte ein Lieblingsziel: Deutschland. 48 Prozent der umzugswilligen Ingenieure sagten, sie wollten bevorzugt hierzulande arbeiten. Auf Platz zwei der beliebtesten Destinationen kam England, Platz drei belegte Kanada. Nach den Befragungen der Page Group schätzen Bewerber an Deutschland aber nicht nur die gute Wirtschaftslage, sondern auch die hohe Lebensqualität, die gute Infrastruktur und das Sozialversicherungs- und Gesundheitssystem.

Deutsche Ingenieurstudenten sind Auslandsmuffel

Umgekehrt sind deutsche Ingenieurstudenten regelrechte Auslandsmuffel. „Die Gruppe der Studierenden der Ingenieurwissenschaften ist im Vergleich zu anderen Fächern mit 23 Prozent am wenigsten im Ausland mobil“, teilte der DAAD auf F.A.Z.-Anfrage mit. Als Hauptgrund gelten die guten Jobchancen in Deutschland, auch ohne einen Auslandsaufenthalt, der das Studium eventuell sogar in die Länge ziehen würde.

Wenn deutsche Ingenieurstudenten doch ins Ausland gehen und dort auch einen Abschluss machen wollen, sind die drei beliebtesten Länder Österreich, die Schweiz und Großbritannien. Mit einigem Abstand folgen dann die Niederlande, Schweden und die Vereinigten Staaten. Bei temporären Aufenthalten, etwa für ein Auslandssemester, stehen die Vereinigten Staaten als Zielland hingegen auf Platz eins der Beliebtheitsskala deutscher Ingenieurstudenten. Platz zwei hält Schweden, auf dem dritten Rang kommt abermals Großbritannien.

Quelle: F.A.Z.
Nadine Bös
Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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