Weibliche Chefinnen

Wo die Führungsfrauen arbeiten

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Dass Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft noch immer Mangelware sind - das ist keine neue Erkenntnis. Spannender sind allerdings neue Forschungsergebnisse zu den Fragen, ob, wie schnell und wo genau die Frauen aufholen - und ob es in öffentlichen Unternehmen eigentlich besser aussieht. Eine repräsentative Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unter 16.000 Betrieben in Deutschland zeigt: Auf der zweiten Führungsebene geht es schneller voran als ganz oben, in Ostdeutschland gibt es mehr Chefinnen als im Westen, kleinere Betriebe werden eher von Frauen gemanagt als größere und weibliche Chefinnen gibt es besonders oft in der Gesundheits- und Erziehungsbranche.

Während sich der Anteil von Frauen auf der ersten Führungsebene kaum verändert hat (seit 2004 ist er um gerade mal zwei Prozentpunkte gestiegen), gab es der Studie zufolge auf der zweiten Führungsebene bis 2016 immerhin ein Plus von sieben Prozentpunkten. Oder in Anteilen ausgedrückt: Im Jahr 2016 war etwas mehr als ein Viertel der Führungskräfte auf der obersten Chefetage weiblich, auf der Chefebene darunter war es weit mehr als ein Drittel (40 Prozent). In Ostdeutschland lag der Anteil weiblicher Chefinnen auf der zweiten Führungsebene mit 47 Prozent sogar fast bei der Hälfte. Insgesamt lag im Osten des Landes der generelle Frauenanteil bei den Beschäftigten in der Privatwirtschaft bei 48 Prozent; im Westen dagegen nur bei 43 Prozent.

Im öffentlichen Sektor sieht's kaum besser aus

Die Chancen, in einem kleinen Unternehmen aufzusteigen, sind für Frauen der Befragung zufolge größer als in Großunternehmen. Demnach wurden 28 Prozent der Betriebe mit weniger als 10 Beschäftigten von Frauen geführt aber nur 13 Prozent der Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten. Dieses Resultat entspricht auch Erkenntnissen aus der Forschung über Start-ups in Deutschland, von denen bekannt ist, dass sie häufig in weiblicher Hand liegen.

In Dienstleistungsbereichen wie Gesundheit, Erziehung und Unterricht arbeiten traditionell viele Frauen und - wenig überraschend - auch mehr weibliche Chefinnen als anderswo. Aber wenn überhaupt Männer in diesen Branchen unterwegs sind, dann doch überdurchschnittlich oft in der Chefetage: Der Anteil von Führungs-Frauen bleibt hinter dem Beschäftigtenanteil von Frauen in der Gesamtbranche zurück. Auf der ersten Führungsebene beträgt der Frauenanteil 46 Prozent, auf der zweiten Führungsebene 71 Prozent und bei den Beschäftigten insgesamt satte 75 Prozent.

Übrigens lohnt es sich nicht, in Sachen Frauenanteil auf die Privatwirtschaft zu schimpfen: Verglichen mit der Privatwirtschaft liegt der Frauenanteil im öffentlichen Sektor auf der ersten und zweiten Leitungsebene zwar etwas höher. Gemessen an ihrem Beschäftigtenanteil sind Frauen jedoch im öffentlichen Sektor in Führungspositionen sogar noch stärker unterrepräsentiert als in der Privatwirtschaft.

Quelle: nab.
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