Gehälter

Wo Projektmanager am meisten verdienen

Von Sven Astheimer
 - 13:06

Projektarbeit wird in einer flexiblen Arbeitswelt immer wichtiger, lautet eine gerne zitierter Satz in der Debatte über die Folgen der Digitalisierung. Denn überall in den Unternehmen werden neue Projekte angeschoben und Abläufe mitunter radikal verändert. Das wirkt sich auf die Gehälter der beteiligten Manager allerdings nur in überschaubarem Maße aus: Im Durchschnitt verdienen Projektmanager derzeit mehr als 80.000 Euro im Jahr, wie aus der bislang unveröffentlichten „Gehaltsstudie 2017“ im Auftrag der Gesellschaft für Projektmanagement hervorgeht.

Innerhalb von zwei Jahren bedeutet das aber gerade mal einen Zuwachs von 1500 Euro oder 1,9 Prozent. In Zeiten, in denen der öffentliche Dienst Lohnerhöhungen von mehr als 4 Prozent im selben Zeitraum aushandelt, nimmt sich das Plus der Projektmanager vergleichsweise bescheiden aus. Dabei entfielen rund 90 Prozent der Manager-Vergütung auf das Grundgehalt, die anderen 10 Prozent auf variable Bestandteile. An der Studie, die von der European Business School erstellt wurde, nahmen mehr als 1000 Befragte teil.

Jenseits des Durchschnittswertes liegen die Gehälter allerdings in einer breiten Spanne, die mit rund 56.000 Euro für Einsteiger beginnt und bis zu knapp 120.000 Euro für Projektmanagement-Direktoren reicht. Von entscheidender Bedeutung ist zudem die Branche: Während ein Projektmanager in der Pharma- und Chemieindustrie auf fast 100.000 Euro im Jahr kommt und auf immerhin 90.000 Euro in der Finanzbranche, erhalten die Kollegen im Handel, dem Softwarebereich und in Ingenieurbüros jeweils weniger als 72.000 Euro im Jahr.

Auch das Geschlecht hat entscheidenden Einfluss darauf, was letztlich im Geldbeutel landet. Allerdings schließt sich die Kluft: Betrug die Differenz 2015 noch fast 24 Prozent, waren es zwei Jahre später nur rund 14 Prozent. Daneben haben die Studienautoren weitere zentrale Einflussfaktoren für das Gehalt identifiziert: Die Berufserfahrung, die Hierarchieebene des Projektmanagers, der Verantwortungsgrad sowie die Projektebene sind von großer Bedeutung.

Weiterbildung spielt eine Rolle

Zudem spielt auch eine Rolle, ob Projektmanager an spezifischer Weiterbildung und Zertifizierung teilgenommen haben. Der Studie zufolge haben in Deutschland rund drei Viertel und in Österreich sogar mehr als acht von zehn Befragten eine Form der Zertifizierung im Projektmanagement erworben.

Die Studie untersucht auch den Einfluss des digitalen Wandels auf das Projektmanagement. „Die Vorteile der digitalen Transformation werden vor allem in einem optimierten Wissensmanagement, in der Strukturierung von Arbeitsschritten in Projekten und in der Prozessoptimierung gesehen“, heißt es. Interessanterweise würden dagegen kaum positive Effekte hinsichtlich einer schnelleren oder kostengünstigeren Abwicklung von Projekten gesehen. Auch die leichtere Einbindung internationaler Projektmitglieder werde eher skeptisch beurteilt. Vielerorts würden zwar die nötigen Investitionen in die IT-Strukturen getätigt. Auf anderen zentralen Feldern wie der Entwicklung von Mitarbeiterkompetenzen, der Anpassung der Personalentwicklung oder des Kompetenzmanagements seien jedoch klare Defizite auszumachen.

Als Risiken der digitalen Transformation werden neben der Frage der Datensicherheit in Projekten dementsprechend mitarbeiterbezogene Risiken thematisiert. Konkret genannt wird das Risiko einer Informationsüberflutung sowie eine Überforderung vor allem weniger digital affiner Mitarbeiter.

Quelle: F.A.Z.
Sven Astheimer - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Sven Astheimer
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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