Arbeitsmarkt

So viel verdienen Ingenieure

Von Britta Beeger und Nadine Bös
 - 13:31

Ingenieure braucht das Land – so warnten Arbeitgeber und Berufsverbände vor gar nicht langer Zeit recht eindringlich. Das ist auch heute noch richtig, wenngleich sich die Lage angesichts der steigenden Absolventenzahlen etwas entspannt hat: Hierfür die Werbetrommel zu rühren hat offensichtlich Erfolg gezeigt. Doch weil der deutsche Arbeitsmarkt sich in glänzender Verfassung befindet und von einem Rekord zum nächsten eilt, ist der Bedarf an jungen Technikspezialisten weiter groß. „Ingenieure fanden auch 2017 einen ausgesprochen guten Arbeitsmarkt vor“, heißt es in einer aktuellen Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit.

Diese zeigt auch, dass sich die Zahl der Studienanfänger in mehreren Ingenieurdisziplinen in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hat. So stieg die Zahl der Studenten für Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen seit 2008 kontinuierlich an. Allein im Maschinenbau gab es nach ebenfalls jahrelangem Anstieg nach 2014 einen leichten Rückgang.

Für Berufseinsteiger hält der Bericht weiterhin gute Nachrichten bereit: So übersteigt die Zahl der offenen Stellen wieder die des Vorjahres, wenngleich die Rekordnachfrage der Jahre 2011 bis 2013 nicht mehr erreicht wurde. Auch die Zahl der Beschäftigten ist weiter geklettert, während Arbeitslosigkeit in dieser Berufsgruppe kein Thema ist – sie fällt so gering aus, dass man von Vollbeschäftigung sprechen kann. Vor allem in Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg haben die Unternehmen nach wie vor Schwierigkeiten, ihre Stellen zu besetzen.

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Allerdings gibt es durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen Fachrichtungen, wie ein Blick auf die Vakanzzeiten zeigt. Sie beschreiben, wie lange ein Unternehmen braucht, um einen freien Arbeitsplatz zu besetzen, und sind daher ein guter Indikator für die Frage, ob ein Fachkräftemangel vorliegt oder nicht. Grundsätzlich gilt: Betrug die Vakanzzeit im vergangenen Jahr über alle Berufe hinweg durchschnittlich 103 Tage, waren Stellenangebote für Ingenieure im Schnitt 126 Tage offen. Das ist tendenziell weniger als in den Vorjahren, aber immer noch mehr als in anderen Branchen. Anhaltspunkte für einen generellen Ingenieurmangel lassen sich den Statistiken der Arbeitsagentur nicht entnehmen. Allerdings gebe es etwa in der Fahrzeugtechnik deutliche Engpässe, während sich in anderen Gebieten wie dem Maschinenbau, der Elektrotechnik und der Ver- und Entsorgung die Suche nach Fachkräften entspannt habe.

Ein Blick auf die Entwicklung der Einstiegsgehälter zeigt, dass sich trotz dieser leichten Entspannung weiterhin als Ingenieur von Anfang an ein gutes Gehalt verdienen lässt. Im Schnitt erhielten Ingenieuranfänger im Jahr 2017 etwa 48.800 Euro brutto, wie die Vergütungsberatung Gehalt.de anhand von mehr als 3600 Gehaltsdatensätzen analysiert hat. Den Beratern zufolge haben die Einstiegsgehälter in den vergangenen Jahren eine kontinuierliche Aufwärtsbewegung um jährlich etwa ein Prozent erfahren. Ebenfalls nach oben gegangen sind den Vergütungsfachleuten zufolge seit dem Jahr 2013 die Gehälter der Führungskräfte unter den Ingenieuren. Von damals durchschnittlich 101.305 Euro jährlich stieg das Durchschnittsgehalt von Ingenieuren mit Personalverantwortung auf mittlerweile 109.807 Euro brutto. „Ingenieure übernehmen eine tragende Rolle in führenden Industrieunternehmen – das zeigt sich nicht zuletzt anhand ihrer überdurchschnittlichen Bezahlung“, sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.

Einen Unterschied in Sachen Bezahlung macht auch die Ingenieurfachrichtung. Einer Rangliste von Gehalt.de zufolge verdienen Ingenieure in der Chemie und Verfahrenstechnik am meisten; im Schnitt sind es 67.793 Euro Bruttojahresgehalt. Gute Verdienstchancen haben demnach auch Ingenieure in der Technischen Forschung und Entwicklung mit 64.271 Euro Jahresgehalt. Auf Platz drei rangieren die Ingenieure in der Instandhaltung. „Ingenieure, zum Beispiel in der Forschung und Entwicklung, werden auch weiterhin eine gefragte Berufsgruppe bleiben“, sagt Bierbach. Besonders gute Karten hätten vor allem diejenigen, die sich mit zukünftigen Technologieentwicklungen, Nachhaltigkeit, Prozessoptimierung, Automatik und Robotik befassten. Weniger gut in Sachen Gehalt schneiden dagegen der Rangliste zufolge Bauingenieure und Statiker ab, die mit 50 453 Euro Jahresbruttogehalt unter dem Durchschnitt liegen (siehe Grafik). Unterdurchschnittlich bezahlt werden den Daten zufolge auch die Konstruktionsingenieure, Wirtschaftsingenieure und Ingenieure in der Projektabwicklung.

Quelle: F.A.Z.
Britta Beeger
Redakteurin in der Wirtschaft.
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Nadine Bös
Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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