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Gegen gesetzliche Vorgaben

Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer macht unerlaubte Überstunden

 - 09:12

Flexibilität, Selbstbestimmung, Agilität: All das wird mit dem Begriff „New Work“ assoziiert. Gleichzeitig bedeutet diese neue Arbeitsrealität aber auch Überstunden, Druck und psychische Probleme. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse einer aktuellen Studie hin.

Für die Erhebung „So arbeitet Deutschland“ hat die Personalberatung SThree in Zusammenarbeit mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Yougov in einer Online-Umfrage 1515 Angestellte und Selbstständige ab 18 Jahren in Deutschland im Juli dieses Jahres repräsentativ befragt.

Dabei gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, gelegentlich mehr als die gesetzlich erlaubten zehn Stunden pro Tag zu arbeiten – und das meist mit Wissen und Billigung ihres Vorgesetzten. So gaben mehr als 70 Prozent all jener, die regelmäßig Überstunden anhäufen, an, dass ihr Chef meist oder sogar immer darüber Bescheid weiß.

Fast zwei Drittel leisten Mehrarbeit

Knapp 60 Prozent aller Umfrageteilnehmer plädieren deshalb für eine maximale Wochen- oder gar Monatsarbeitszeit, da die bislang vorgeschriebene maximale Tagesarbeitszeit von zehn Stunden nicht mehr der Arbeitsrealität entspricht.

Doch auch innerhalb der rechtlichen Grenzen gehören Überstunden in Deutschland zum guten Ton: Gut 70 Prozent der Befragten leisten Mehrarbeit – die Dunkelziffer könnte dabei sogar höher liegen. Denn 13 Prozent von ihnen haben schon einmal weniger Stunden erfasst, als sie tatsächlich geleistet haben.

Immerhin erhalten drei Viertel der Umfrageteilnehmer nach eigenen Angaben Freizeitausgleich oder werden für die zusätzlich geleistete Arbeit bezahlt. Gut ein Fünftel der Befragten sind damit allerdings nicht zufrieden zu stellen: In ihren Augen sollten Überstunden gar nicht erst anfallen.

Psychische Probleme auf dem Vormarsch

Dass ständige Überstunden Stress verursachen, beobachten indes fast 80 Prozent der Befragten an sich selbst. Dass mentale Probleme wie Burnout oder Schlafstörungen zunehmen, sehen fast zwei Drittel bereits jetzt als eine Folge der veränderten Arbeitsverhältnisse. Ebenfalls gut zwei Drittel befürchten sogar, die psychische Belastung werde in den nächsten Jahren noch steigen.

Gleichzeitig glauben mehr als die Hälfte der Befragten, dass physische Erkrankungen nach wie vor ernster genommen werden, als psychische. Mehr als 70 Prozent wünschen sich deshalb von ihrem Arbeitgeber eine Gleichbehandlung körperlicher wie mentaler Probleme.

Die befragten Arbeitnehmer wünschen sich deshalb vor allem eine bessere Balance zwischen Arbeitsumfang und –zeit, klare Anweisungen und mehr Planbarkeit, um die psychische Belastung zu minimieren.

Ständige Erreichbarkeit oft hausgemacht

Doch nicht nur ein erhöhtes Arbeitsaufkommen trägt dazu bei, dass Arbeitnehmer sich immer häufiger unter Druck gesetzt fühlen. Auch das Gefühl, dank Smartphone, Tablet und Co. ständig erreichbar zu sein oder sein zu müssen, setzt sie unter Strom.

Das legt einmal mehr eine aktuelle Studie nahe. Im Auftrag des Personalberaters Michael Page wurden 5197 Kandidaten aus 13 europäischen Ländern, darunter 669 Umfrageteilnehmer aus Deutschland, dazu befragt, wie stark sich ihr Privat- und Berufsleben miteinander vermischen.

Dabei stellte sich heraus: Ein kurzer Blick in die E-Mails nach Feierabend, ein Anruf vom Chef am Wochenende – für viele Arbeitnehmer wird das immer selbstverständlicher. 65 Prozent der Befragten rufen ihre E-Mails auch außerhalb ihrer Arbeitszeit regelmäßig ab, gut die Hälfte sogar am Wochenende. Auch geschäftliche Anrufe werden von knapp der Hälfte der Befragten auch nach Feierabend noch angenommen.

Arbeitgeber fördern Arbeiten auf Abruf

Die Gründe dafür sind unabhängig von der Position in der Unternehmenshierarchie dieselben: Knapp 60 Prozent geben an, dass eine ständige Erreichbarkeit im Rahmen ihrer Verantwortung liegt. Mehr als ein Viertel der Befragten fühlen sich dazu verpflichtet, auch in ihrer Freizeit für Chef und Kollegen erreichbar zu sein.

Ansonsten – so die Befürchtung – könnte ihr Ansehen in den Augen des Arbeitgebers leiden. Weitere 20 Prozent haben eher intrinsische Gründe: Sie beschäftigen sich mit manchen Themen einfach lieber außerhalb der regulären Arbeitszeit.

Allerdings fördern viele Arbeitgeber die ständige Erreichbarkeit auch. So geben mehr als drei Viertel der Befragten an, einen Laptop von ihrem Arbeitgeber erhalten zu haben, 70 Prozent besitzen auch ein Diensthandy, das meist griffbereit ist.

Persönliches wird während der Arbeit erledigt

Fast die Hälfte nutzt das Dienstgerät außerdem auch privat, gut ein Drittel gebraucht das private Handy allerdings im Umkehrschluss häufig für Arbeitsangelegenheiten. Mehr als 70 Prozent erledigen wiederum auch persönliche Telefonate und Nachrichten in ihrer Arbeitszeit.

Doch auch wenn 57 Prozent zustimmen, dass mobile Geräte in Summe eher negative Auswirkungen auf ein gesundes Verhältnis zwischen Berufs- und Privatleben haben, möchten die meisten Umfrageteilnehmer die örtliche Flexibilität, die sie bieten, nicht missen.

Denn fast zwei Drittel von ihnen sind davon überzeugt, dass die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens in Summe letztlich vor allem positive Auswirkungen auf ihr Leben haben.

Mehr als nur Kollegen

Umso erstaunlicher, dass viele der Umfrageteilnehmer nach wie vor den Großteil ihrer Arbeitszeit im Büro mit ihren Kollegen und Vorgesetzten verbringen, obwohl sie die Möglichkeiten des Home Office sehr schätzen.

Weniger verwunderlich ist dabei allerdings, dass sich 80 Prozent der Befragten mit Kolleginnen und Kollegen auch über private Themen austauschen. Und gut 40 Prozent treffen sich nach der Arbeit sogar mit ihren Kollegen zum Sport oder gehen mit ihnen aus.

Und etwas mehr als die Hälfte der Befragten zählt mindestens einen seiner Kollegen zu seinem Freundeskreis. Die Distanz zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten hingegen bleibt in den meisten Fällen bestehen: Ein Großteil der Umfrageteilnehmer betrachtet den Chef nicht als Freund.

Quelle: evah.
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