Wettbewerb „Digital Shapers“

„Wir haben eine Konzert-App für Musiker entwickelt“

Von Tillmann Neuscheler
 - 13:58
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Beim Talentwettbewerb „Digital Shapers“ traten im Finale in Berlin sechs Gruppen gegeneinander an. Sie sollten Probleme aus dem tatsächlichen Manageralltag lösen. 12 Wochen lang hatten die Teams Zeit, an ihrer Aufgabe zu arbeiten. Unterstützt wurden sie dabei von Digitalprofis der beteiligten Unternehmen des Wettbewerbs, der von Airbus, Bertelsmann, Lufthansa, Metro, McKinsey, SAP und Zeiss veranstaltet wird und bei dem die F.A.Z. Medienpartner ist. Es ging dabei meist um die Frage, wie sich große Traditionsunternehmen dem digitalen Wandel stellen sollen. Wie können Unternehmen ihre Datenschätze besser nutzen, welche Geschäftsmodelle taugen? Etliche Studenten und Berufsanfänger haben mitgemacht. Jeder Teilnehmer konnte sich für eine bestimmte Rolle im Team bewerben - zur Auswahl standen die Positionen „Businessvisionär“, „Data Scientist“, „Experience Designer“ und Softwareentwickler. Wir haben das Gewinnerteam befragt, das sich im Finale das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro gesichert hat.

Welche Aufgabe musste Ihr Team lösen?

Estelle Zanga: Wir waren das „Team Bertelsmann“ und sollten ein Problem in der Musikindustrie lösen. Was ändert die Digitalisierung? Die „Bertelsmann Music Group“ wollte ihre Dienstleistung für Künstler verbessern und dadurch einen Wettbewerbsvorteil in der digitalen Ära erzielen. Die Frage war: Wie kann das Unternehmen Streaming- und Social-Media-Daten besser dazu nutzen, um Musikern zu helfen?

Wie schwierig war es, bei so einem Wettbewerb mitzumachen?

Stefan Faistenhauer: Das Bewerben selbst ist eigentlich sehr einfach. In diesem Fall war es ein Onlinetest, bei der Rolle des Data Scientists ging es um die Analyse von Daten. Mit einschlägigen Vorkenntnissen und etwas Glück ist das auch zu schaffen. Der Auswahltag selbst war natürlich viel anspruchsvoller, dort wird wirklich geprüft, wie gut man Probleme lösen und im Team arbeiten kann.

Auryn Engel: Sich die Zeit zu nehmen und Online den Test zu machen, dass schafft jeder. Ob man dann eingeladen wird, ist nochmal was anderes. Doch auch hier gilt, wer ein wenig Erfahrung hat, sollte auch diese Hürde meistern. Vor Ort zählt Persönlichkeit. Man muss einfach man selbst sein.

Wie hat das Team zusammengefunden?

Estelle Zanga: Wir kannten uns vorher nicht. Das Team wurde von den Organisatoren zusammengestellt. Jeder konnte eine Präferenz für ein Unternehmen angeben. Und sich für eines von vier verschiedenen Profilen bewerben.

Ihr Team sollte sich in die Lage der Bertelsmann-Manager hineinversetzen. Wie haben Sie die Aufgabe gelöst?

Estelle Zanga: Unsere Aufgabe war zunächst zu fragen: Welche Bedürfnisse haben Musiker eigentlich? Und wie kann man ihnen mit der Auswertung von Streaming-Daten – etwa von Apple Music, Spotify, Youtube und Deezer - helfen?

Und?

Estelle Zanga: Wir haben zunächst versucht, das Problem möglichst genau zu erfassen. Also haben wir uns in die Situation der Künstler hineinversetzt, die kaum mehr CDs verkaufen, deren Einnahmequellen stattdessen Gagen aus Live-Konzerten und Partnerschaften mit Sponsoren sind. Die sind jedoch sehr unübersichtlich und stellen die Künstler vor komplexe Herausforderungen: Wo lohnen sich Live-Konzerte? Welche Sponsoren passen zum eigenen Profil? Wie können wir also Künstlern helfen, die Einnahmen aus Live-Musik und aus dem Sponsoring zu erhöhen? Uns war klar: BMG, als Partner der Künstler muss ihnen dabei helfen, sich auf ihre Musik zu fokussieren, ohne sich ständig Sorgen ums Geld machen zu müssen.

Aber wie?

Estelle Zanga: Unsere Lösung war ein Tool für Künstler, mit dem sie ihre Konzerte und Tourneen besser planen können. „BMG live“ haben wir unser Endprodukt genannt – eine App für Musiker und ihre Manager. Musiker können darin sehen, wo sich Auftritte lohnen könnten. In welchen Städten gibt es wieviel potenzielle Zuhörer für ihre Musik, und was wäre die optimale Route zwischen den Orten in einer bestimmten Zeitspanne. Mit Hilfe der Streaming-und Social-Media-Daten versuchen wir das mit dem Tool einzuschätzen. Zudem bekommen die Künstler, wenn sie eine Tournee planen, eine Liste mit Veranstaltungsorten und sämtlichen Kontaktdaten, dort können sich die Künstler dann direkt hinwenden. Um die Einnahmen aus dem Sponsoring zu erhöhen, soll die App den Künstlern auch sagen: Fans die diese und jene Musik hören, mögen auch diese und jene Produkte und Marken. Die App macht dem Künstler also Vorschläge, auf welche Unternehmen er bei der Suche nach Sponsoren zugehen könnte.

War das alles Spielerei oder haben Sie das auch ungesetzt?

Estelle Zanga: Wir haben tatsächlich einen Prototyp programmiert. Mit echten Daten in real-time. Wir hatten die echten Daten von Streaming Plattformen (Spotify, Apple Music & Deezer) und Soziale Netzwerken (Twitter, Facebook & Instagram) zur Verfügung.

Wie aufwändig war das Ganze?

Auryn Engel: Man sollte schon eine gewisse Zeit einplanen. Es waren zwischen 5 und 20 Stunden in der Woche. Anfangs weniger, gegen Ende deutlich mehr.

Estelle Zanga: Es gab keine Zeitvorgaben. Von der Bewerbung bis zum Ende dauerte der ganze Wettbewerb rund 4 Monate. Anfangs nur sporadisch, die heiße Phase vor dem Finale dauerte dann 12 Wochen. Also man sollte schon mindestens 5 Stunden in der Woche einplanen, man kann aber auch viel mehr Zeit investieren. In der Finalphase haben wir uns einmal in Berlin getroffen.

Ging das so einfach?

Estelle Zanga: Ich habe jetzt meine eigene Firma und kann mir die Zeit frei einteilen. Wir haben viel Unterstützung bekommen und waren sehr motiviert. Ich kannte mich in der Musikindustrie schon ein wenig aus. Das hat es mir erleichtert. In Kamerun habe ich als Art-Directorin gearbeitet und vor einiger Zeit selbst zwei Musicals geschrieben. Ich singe auch und kenne viele Musiker in Leipzig. Daher kannte ich die Probleme in der Musikindustrie schon ein wenig. Wenn man sich mit seinem Thema noch gar nicht auskennt, ist es natürlich schwieriger.

Hat es Spaß gemacht?

Christian Pfeifer: Ja, definitiv! Die 12 Wochen waren ein perfekter Mix aus Theorie, Praxis und Networking.

Estelle Zanga: Am Anfang dachte ich, die anderen Bewerber werden sicher ganz kompetitiv sein. Aber es war ganz anders. Es war von Anfang an eine sehr coole Stimmung auch unter den Teams. Wir haben sehr eng zusammengearbeitet und hatten auch viele Partys am Ende.

Auryn Engel: Klar gab es auch harte Zeiten, doch alles in allem war es super spannend und spaßig. Vor allem Abends nach den Seminaren wurde immer viel gefeiert und zusammen gelacht. Und da war egal wer in welchem Team war. Hier gab es kein Konkurrenzdenken oder Konflikte. Man hat sich kennen gelernt und gemeinsam gefeiert.

Stefan Faistenauer: Da es zum Ende hin etwas stressig wurde, war uns sehr wichtig, dass der Spaß nicht zu kurz kommt.

Quelle: FAZ.NET
Tillmann Neuscheler
Redakteur in der Wirtschaft.
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