Bildungsbiographien

Noch immer studieren vor allem Akademikerkinder

 - 15:04

Kinder aus bildungsnahen Haushalten gehen eher an die Unis und Fachhochschulen als Kinder aus bildungsfernen Haushalten. In welchem Ausmaß das so ist, belegen jetzt neue Zahlen: Von 100 Kindern aus Akademikerfamilien beginnen statistisch gesehen 79 ein Hochschulstudium. Bei Nicht-Akademiker Familien schaffen gerade einmal 27 von 100 Kindern den Sprung an eine Hochschule.

Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hervor. Besonders dramatisch ist die Lage bei Schulabgängern, deren Eltern gar keinen Berufsabschluss haben. Aus dieser Gruppe schaffen nur 12 Prozent den Gang an eine Hochschule. Hat mindestens ein Elternteil einen Berufsabschluss steigt die Zahl aber rasant an und verbessert sich weiter, wenn etwa mindestens ein Elternteil das Abitur gemacht hat.

„Familien mit geringerem Bildungshintergrund tendieren häufig dazu, die Kosten für höhere Bildung zu überschätzen und Bildungserträge zu unterschätzen, ungeachtet des vielleicht hohen Bildungspotentials ihres Kindes“, sagt Nancy Kracke, eine Autorin der Untersuchung. Am Ausmaß mit dem Kinder aus Akademikerhaushalten unter den Studienanfängern überrepräsentiert sind, habe sich laut DZHW seit 2005 nichts Wesentliches geändert.

Studentenwerk fordert schnelle Bafög-Anpassung

Das DZHW (oder früher seine Vorgängerorganisation HIS) berechnet seit 1985 in regelmäßigen Abständen die sogenannten Bildungsbeteiligungsquoten. Die Studie wird im Volksmund auch „Bildungstrichter“ genannt und beruht auf Daten der Bevölkerungs- und Hochschulstatistik, dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes und der 21. Sozialerhebung, die das DZHW gemeinsam mit dem Deutschen Studentenwerk erstellt hat.

Rolf-Dieter Postlep, der Präsident des Deutschen Studentenwerkes kommentierte die Studie am Mittwoch mit deutlichen Worten: „Es kann nicht sein, dass der Bildungsweg eines Menschen so stark von seiner sozialen Herkunft geprägt wird“, sagte er. Er forderte eine schnelle Anpassung des Bafög. Weil bezahlbarer Wohnraum ebenfalls eine entscheidende Variable dabei sei, ob sich jemand für ein Studium entscheide, lobte Postlep, dass aus dem Koalitionsvertrag hervorgeht, dass der Bund die Länder beim Neubau und bei der Sanierung von Studentenwohnheimen unterstützen will.

Quelle: nab.
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