Methodenkritik

Die Tücken der Hochschul-Rankings

Von Uwe Marx
 - 06:03

Das Leben ist ein Auf und Ab, auch für Bildungseinrichtungen. Die Goethe-Universität Frankfurt zum Beispiel hatte kürzlich einen Tiefschlag zu verdauen. Beim Exzellenzwettbewerb von Bund und Ländern schnitt sie ziemlich mäßig ab, ihre Spitzenforschung kam nicht besonders gut an. Dafür gab es jetzt auf einem anderen Gebiet ein Trostpflaster: Deutsche Arbeitgeber wählten Frankfurt unter die zehn besten deutschen Hochschulen, was die Qualität der Absolventen betrifft. Gefragt hatten die französische Personalberatung Emerging und das Berliner Marktforschungsunternehmen Trendence für die Bildungszeitschrift „Times Higher Education“ (THE). Am Ende sah ihr sogenanntes University Employability Ranking für Deutschland auf den ersten zehn Plätzen so aus: Hochschule München, Universität Heidelberg, TU München, Humboldt-Universität Berlin, TU Dresden, TU Berlin, Ludwig-Maximilians-Universität München, Freie Universität Berlin, Goethe-Universität Frankfurt, Technische Hochschule Köln.

Schön für Frankfurt, schön auch für die in derlei Rankings traditionell sehr starken Münchner. Überraschend allerdings, dass es hochgelobte Kandidaten wie die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) oder das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gar nicht erst in die Top-Ten geschafft haben. Ob sie das verstehen?

Diese Frage rührt an eine zweite: nämlich wie ernst all die Rankings zu nehmen sind, die einerseits als Hilfsmittel zur Orientierung und Profilierung geschätzt werden, mitunter aber arg inflationär daherkommen. Auch Malte Brettel, Prorektor der RWTH für Wirtschaft und Industrie sowie Professor am Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler, scheint hin und her gerissen. Einerseits: Rankings sind weithin sichtbar, und viele Studenten orientieren sich an ihnen. Andererseits bleiben Fragen nach der Datenlage und der Systematik. Für die jüngste Rangliste (national wie international) wurden rund 6000 Manager mit Personalverantwortung aus 22 Ländern befragt. Aber Brettel ergänzt vielsagend: Es seien nur 182 Deutsche dabei gewesen. Und die waren für die deutschen Top Ten ausschlaggebend. „Das ist eine Zahl, die nicht einmal halb so hoch ist wie die Zahl der Hochschulen, die es in Deutschland gibt“, sagt er. Und von diesen Befragten hätten auch nur 20 Prozent bevorzugt Ingenieurwissenschaftler eingestellt – wo die Stärke der RWTH liegt. Immerhin, national landeten die Aachener auf Platz 11, global auf Platz 133 in einer von amerikanischen Universitäten dominierten Szene.

Die Ergebnisse decken sich durchweg nicht

Mit dem – ebenfalls renommierten – Ranking des britischen Unternehmens QS deckt sich das trotzdem nicht. Hier belegte Aachen zuletzt national Platz 4, international Platz 44. Aber hier seien auch andere Indikatoren eingeflossen: zum Beispiel die Arbeitslosenquote unter den Absolventen, erfolgreiche Wissenschaftler oder die Firmenkontakte zum Campus.

In einer anderen THE-Rangliste, dem „Reputations-Ranking“, habe es Aachen wiederum als eine von nur 6 deutschen Hochschulen unter die 100 renommiertesten der Welt geschafft. Es ist also ein weites Feld. Aber Grund zur Gelassenheit hat Brettel allemal. Denn: „Die Qualität der Aachener Absolventen zeigt sich auch daran, dass keine andere Hochschule mehr Absolventen auf den Posten der Vorstandsvorsitzenden in Dax-Unternehmen hat als die RWTH.“

Auch Holger Hanselka, Maschinenbau-Professor und Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie, kennt die Untiefen in der Flut der Ranglisten. Im „Employability Ranking“ von QS etwa landete das KIT zuletzt auf Platz 1 und nicht jenseits der zehn Besten. Schon die Frage, ob man nationale oder internationale, große oder kleine Unternehmen um ihre Meinung bittet, könne einen großen Unterschied ausmachen, sagt Hanselka. Denn vergleichsweise viele KIT-Absolventen landeten bei internationalen Adressen. Fast zwei Drittel der Absolventen arbeiteten zudem in Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten, fast die Hälfte in solchen mit mehr als 5000 Beschäftigten. „Es ist unmöglich, die Komplexität einer Hochschule in einer einzigen Rangzahl auszudrücken“, sagt Hanselka. Deshalb habe nicht jede Rangliste die gleiche Relevanz. „Dafür sind die Verfahren zu unterschiedlich, die Schwerpunkte und Ziele der Universitäten zu divers.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Marx, Uwe (umx)
Uwe Marx
Redakteur in der Wirtschaft.
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