Abschaffung der Lehrstühle

Jung-Wissenschaftler fordern weniger Macht für Professoren

 - 10:56

Ein Professor, sein Lehrstuhl, sein Reich – so funktionieren in der Regel deutsche Universitäten. Der Lehrstuhlinhaber ist Führungskraft für seine Beschäftigten wie etwa Doktoranden oder wissenschaftliche Mitarbeiter, er sucht sie aus, stellt sie ein, verfügt über Arbeitsgeräte. Mit diesem System sind nun aber viele junge Professoren hierzulande nicht mehr zufrieden, berichtet die Onlinezeitung „Spiegel Online“ unter Berufung auf mehrere junge Wissenschaftler und die Netzwerke „Junge Akademie“ und „Netzwerk für gute Arbeit in der Wissenschaft“.

Die Forderung: Das Lehrstuhlprinzip solle abgeschafft und durch ein „Department“-Prinzip ersetzt werden, wie es in den Vereinigten Staaten schon gang und gäbe ist. Dort gibt es nicht einzelne Lehrstühle, sondern größere „Departments“, wo ein Geschäftsführer die Bereiche mehrerer Professoren gleichzeitig managt und sich um die Personalpolitik kümmert. Assistenten und Gerätschaften werden häufig geteilt.

Die jungen Professoren in Deutschland, die in dem Bericht zitiert sind, finden das amerikanische Modell besser, weil sie argumentieren, dass es einzelnen Professoren weniger Macht zugestehe. Viele wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden litten etwa unter befristeten Verträgen oder seien mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden. Die jungen Wissenschaftler würden sich von einer Neuorganisation ein besseres Management erhoffen.

Geringe Chancen

Department-Strukturen gibt es sogar vereinzelt auch schon in Deutschland. Zum Beispiel sind die Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bonn nach amerikanischem Vorbild gemanagt.

Die Jungprofessoren räumen aber einer flächendeckenden Abschaffung der Lehrstühle nur geringe Chancen ein. Wenn überhaupt, sei ein gradueller Wandel möglich, wenn ältere Professoren nach und nach in Rente gingen, heißt es in dem Artikel.

Quelle: nab.
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