Campus
900 Euro im Monat

Konsumverzicht ist für Studenten kein Fremdwort

Von Uwe Marx
© dpa, F.A.Z.

Was weiß man nicht alles über deutsche Studenten, jene Spezies, die so gut durchleuchtet ist wie wenige Bevölkerungsgruppen hierzulande: Dass sie finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet sind, ist bekannt – das war schließlich immer schon so, jedenfalls für die meisten von ihnen. Aber selten war das so gut dokumentiert wie in den vergangenen Jahren. Kürzlich erst hat die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes – es war die bislang 21. dieser Art – ergeben, dass der Kostendruck nach wie vor immens ist. Vor allem wegen der durchweg hohen Mieten natürlich. Von den etwas mehr als 900 Euro, die Studenten im vergangenen Jahr im Durchschnitt monatlich zur Verfügung hatten, ging mehr als ein Drittel für Miete und Nebenkosten drauf. Die Reihenfolge der kostspieligsten Städte für studentisches Wohnen deckte sich zwar nicht ganz mit der Rangliste der teuersten Großstädte des Landes, aber die üblichen Verdächtigen tauchten auch hier auf: München vor Köln und Frankfurt, Berlin auf Platz 5. Dresden und Leipzig stellten sich dagegen als besonders günstig heraus. Bei einem Fünftel der Studenten reichten die Einnahmen gerade so aus, um die wichtigsten Ausgaben zu decken. Die Hälfte gab an, sogar mindestens 50 Euro im Monat mehr auszugeben als einzunehmen.

Uniplaces, eine Internetseite, die auf die Suche von Unterkünften von Studenten spezialisiert ist, hat noch mal nachgelegt: Etwas mehr als 1000 Studenten in Deutschland wurden gefragt, wofür sie ihr Geld am häufigsten ausgeben – und dabei kam heraus, dass neben den Pflichtausgaben nicht viel Raum für finanzielle Ausschweifungen bleibt. 93 Prozent von ihnen gaben an, ihr Geld vor allem für Essen und Trinken auszugeben. Dahinter folgte der Ausgabenposten Wohnung, ihn nannten 57 Prozent der Befragten. Etwas weniger waren es bei Kleidung (46 Prozent) und Fahrtkosten (39 Prozent). Alles in allem jedenfalls Ausgaben, die nicht optional sind, sondern einfach sein müssen. So etwas wie Spaß und Vergnügen kam erst bei anderen Nennungen ins Spiel. Partymachen war eine Möglichkeit, sie wurde von 17 Prozent der befragten Studenten angegeben. Auf Kommunikation in Form des Handys entfielen 14 Prozent, auf Kino oder Theater nur noch 13 Prozent.

Diese Zahlen deuten darauf hin, dass Konsumverzicht unter der befragten Klientel kein Fremdwort ist. Und sie korrespondieren mit Untersuchungsergebnissen über Studienkredite, die unlängst vom Centrum für Hochschulentwicklung, kurz: CHE, vorgestellt wurden. Demnach verschulden sich immer weniger Studenten für ihr Studium. Das gemeinnützige CHE, deren Gesellschafter die Bertelsmann Stiftung und die Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz sind, fand heraus, dass die Zahl der abgeschlossenen Studienkredite von 60 000 im Jahr 2014 um etwa ein Viertel auf 45 000 gesunken sei. Auch das durchschnittlich beanspruchte Kreditvolumen sei gesunken. Die meisten Studenten hätten zudem weniger Geld aufgenommen, als ihnen möglich gewesen wäre.

Quelle: F.A.Z.
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