Studentenjobs

Arbeiterkinder kellnern nur? Von wegen!

Von Nadine Bös
 - 13:44

Am frühen Morgen Zeitungen austragen, spät abends an der Bar Cocktails mixen, für den Autobauer Teile zusammenschrauben, in der Marktforschung Haushalte befragen oder für den Professor Daten auswerten: alle diese Tätigkeiten haben etwas gemeinsam. Sie sind typische Studentenjobs. Und doch unterscheiden sie sich stark. Für einige braucht es kaum Qualifikationen, für andere ziemlich hohe. Manche Nebentätigkeiten bringen den Studenten kaum etwas fürs künftige Berufsleben, andere legen eine solide Grundlage oder sorgen für wertvolle Kontakte.

Welche Studenten welche Art von Nebentätigkeit haben, hat jetzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) erforscht und herausgefunden: Der Job hängt zwar auch von ihrem Elternhaus ab, aber nicht nur in der erwartbaren Art und Weise. Studenten, deren Eltern selbst studiert haben, arbeiten zwar generell seltener neben dem Studium und haben seltener einfache Stellen mit geringer Qualifikation und wenig Fachbezug. Sie stehen also weniger häufig in der Fabrik am Band oder servieren in der Kneipe. Aber: Schaut man sich die höher qualifizierten und studienbezogenen Tätigkeiten an, zum Beispiel als studentische Hilfskraft beim Professor oder in Unternehmen, gibt es kaum Unterschiede; Akademiker- und Nichtakademikerkinder sind gleichermaßen vertreten.

Der Autorin Mila Staneva zufolge liegt das daran, dass gegenläufige Effekte wirken. Einerseits haben Akademikerkinder häufiger bessere Noten im Studium, damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass sie „gute“ Studentenjobs ergattern. Andererseits haben Kinder aus Arbeiterfamilien häufiger schon vor dem Studium eine Berufsausbildung gemacht oder anderweitig Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt gesammelt. „Diese Faktoren hängen ebenfalls mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zusammen, einen guten Studentenjob zu haben, und wirken sozialen Unterschieden dementsprechend entgegen“, sagt Staneva. Sie zieht ihre Erkenntnisse aus der Auswertung von Daten von mehr als 11 000 Studierenden aus insgesamt drei Jahren, die aus dem Nationalen Bildungspanel stammen.

Studentenjobs als Rekrutierungsinstrument

Die Aussagen der Studie sind auch deshalb relevant, weil Unternehmen Studentenjobs immer häufiger nutzen, um frühzeitig Talente zu erkennen und bei der Rekrutierung auf sie zurückzugreifen. Mittlerweile gewinnt auch das Thema studentische Zeitarbeit an Bedeutung. Der Personaldienstleister Robert Half etwa tummelt sich seit ungefähr einem Jahr auf diesem Feld und vermittelt neuerdings Studenten leihweise an Unternehmen. „Dass die Unternehmen offen dafür sind, Dienstleister wie uns einzusetzen, um studentische Kräfte zu finden, zeigt: Der Markt wächst“, sagt Sandra Ramsauer, die für das neue Studentengeschäft von Robert Half verantwortlich ist. „Für die Studenten ist es dabei wichtig, dass sie Tätigkeiten wählen, die nah an ihrem Fach sind, so dass sie ihnen für später möglichst viel Berufserfahrung und Kontakte bescheren.“

Dass das Thema an Relevanz gewinnt, zeigt auch die jüngste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks: Der Anteil der Studenten, die nebenher arbeiten, ist zwischen dem Jahr 2012 und dem Jahr 2016 von 62 auf 68 Prozent gestiegen und hat damit ein prozentuales Niveau erreicht, das im Jahr 2003 zuletzt so hoch war. Bei stetig steigenden Studentenzahlen heißt das, dass die Gesamtzahl der Studentenjobber immer weiter zunimmt. Mehr als die Hälfte der befragten Studenten bejahte die Frage, ob sie mit ihrer Arbeit praktische Erfahrungen sammeln wollen; so viele waren es in den Vorjahren noch nie. Auf ein Allzeithoch gestiegen ist zudem der Prozentsatz derjenigen, die ihren Studentenjob als eine Möglichkeit sahen, nach dem Abschluss eine Beschäftigung unabhängig vom Studienabschluss zu finden. Während 2012 nur 13 Prozent daran dachten, sich mit dem Studentenjob ein „zweites Standbein“ aufzubauen, waren es 2016 schon 21 Prozent.

Die Studie des DIW trennt Studenten in stärker berufsorientierten Fächern wie Medizin, Jura oder Lehramt von Studenten in weniger berufsorientierten Fächern, wie Geistes-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Bei letzterer Gruppe sei es weniger offensichtlich, welchen Karriereweg sie nach dem Abschluss einschlügen, deshalb könne ein fachbezogener, inhaltlich relevanter Studentenjob für die Karriere besonders entscheidend sein. Umso wichtiger sei die Frage, ob der Bildungshintergrund ihrer Eltern eine Rolle für die studentische Erwerbstätigkeit spielt. Denn das könne wiederum dazu führen, dass sich soziale Unterschiede während des Studiums aufgrund des Nebenjobs verfestigten. Diese Befürchtung konnte die Studie allerdings nicht bestätigen – im Gegenteil: In den Geistes-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften hatten Studenten aus Akademikerfamilien keine höhere Wahrscheinlichkeit, einen qualifizierten und studienbezogenen Nebenjob zu ergattern.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Bös, Nadine
Nadine Bös
Redakteurin in der Wirtschaft.
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