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Zweifelhafte Agenturen

Dubioses Geschäft der Studienvermittler in Afrika

 - 09:37
Eine riesige Werbung einer privaten Agentur wirbt in Tunis für ein Studium in Deutschland. Unter den Agenturen sind aber auch schwarze Schafe. Bild: dpa, F.A.Z.

Auf einer Häuserfassade gegenüber der deutschen Botschaft prangt der Traum vieler junger Tunesier. Hier wirbt eine Agentur mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen um Kunden, auf einem Plakat sind junge Studentinnen zu sehen. Einschreibung an der Uni, Visa-Anmeldung, Sprachunterricht in Deutschland: Es klingt nach einem Rundum-sorglos-Paket für alle, die auf einen Aufenthalt in Deutschland hoffen. „Ich dachte, dass ich mir mit einem Studium in Deutschland eine Perspektive aufbauen könnte“, sagt Tarek (Name geändert). Er habe ein ganzes Jahr und mehrere tausend Euro verloren. Tarek ist 27 Jahre alt und hat einen Masterabschluss einer Universität in Tunis. Weil aber fast jeder dritte Hochschulabsolvent in Tunesien keine Arbeit findet, wollte er nach Deutschland.

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„Die Agentur hat mir eine Uni in Berlin empfohlen und gesagt, dass das schon klappen wird“, erzählt er. Er zahlte Gebühren für einen Sprachkurs in Deutschland und für die Agentur. Diese setzte das Motivationsschreiben für das Visum auf und kümmerte sich um die Unterlagen. Ein halbes Jahr nach dem Antrag kam im Sommer 2017 die Absage der deutschen Botschaft. Traum geplatzt.

Das Geschäft mit der Vermittlung von Studienaufenthalten in Deutschland scheint in der arabischen Welt lukrativ. Habe es im Jahr 2011 nur eine Handvoll Agenturen gegeben, sollen es heute knapp 30 sein, sagt Amin Ben-Yedder, Direktor von Getusion, einer der größten Vermittlungsagenturen in Tunesien. „Leider gibt es auch schwarze Schafe, die den Ruf der ganzen Branche ruinieren.“

Die meisten aus Ägypten, dem Libanon und Tunesien

In den vergangenen vier Jahren hat sich die Zahl der Studenten aus Nordafrika und dem Nahen Osten in Deutschland nahezu verdoppelt. Wurden 2013 rund 4500 Visa aus der Region für ein Studium oder Sprachkurse erteilt, waren es 2016 knapp 7500. Die meisten Studenten kommen aus Ägypten, dem Libanon und Tunesien.

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Der Frust über abgelehnte Visa ist aber nicht nur bei den Studenten hoch. „Seit Anfang 2016 haben wir gemerkt, dass bei vielen Kursteilnehmern aus Tunesien die Visaanträge abgelehnt worden sind“, sagt Heidrun Englert vom Sprachcenter „Inlingua“ in Stuttgart. „Kamen am Anfang noch etwa 90 Prozent der Bewerber, war es im letzten Jahr gerade mal die Hälfte.“ Sie vermute, dass von den Agenturen versucht werde, jeden ins Programm zu bekommen – unabhängig davon, ob er eine Aussicht auf einen Studienplatz und ein Visum hat oder nicht.

Das teils dubiose Vorgehen einiger Agenturen kennt auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD). „Stellenweise agieren diese Agenturen relativ aggressiv, greifen bei Messen dutzendfach Flyer ab oder schicken Mitarbeiter inkognito zu uns in die Beratung, um Informationen zu sammeln“, berichtet die Leiterin des DAAD-Büros in Tunis, Beate Schindler-Kovats.

Der DAAD bereitet im Gegensatz zu den privaten Agenturen keine Visaanträge vor und plaziert Studenten auch nicht an bestimmten Hochschulen. Aber die Anforderungen sind hoch, die Plätze begrenzt – nicht nur beim Studium, sondern auch bei den Sprachkursen. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen hielt die Bundesregierung fest, dass zum Beispiel die Goethe-Institute in Marokko und Tunesien aufgrund beschränkter Kapazitäten und eines Mangels an qualifiziertem Lehrpersonal dem Bedarf nicht mehr gerecht werden könnten.

Quelle: F.A.Z.
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