FAZ plus ArtikelWenn Dozenten Pendler sind

Verstreute Professoren

Von Birgitta vom Lehn
 - 15:01

Eltern studierender Kinder staunen nicht schlecht, wenn ihre Zöglinge am Wochenende, das sich regelmäßig um ein oder sogar zwei Tage zu verlängern scheint, wieder im heimischen Nest eintrudeln. „Montags und freitags haben wir doch eh keine Veranstaltungen“, heißt es zur Erklärung. Oder: „Wir haben nur dienstags, mittwochs und donnerstags Uni.“ Der Professor pendele doch auch immer zu seiner Familie. Wochenendpendler scheinen gerade in Uni-Städten mit guter bis sehr guter Bahnanbindung weit verbreitet zu sein. Und obendrein in sogenannten Buchwissenschaften, also Fächern, die auf Werkstatt, Klinik oder Labor verzichten können. Und natürlich spielt eine Rolle, ob die Uni tatsächlich die Wunsch-Uni des Professors ist – oder ob sie nur als Sprungbrett dient.

Eine „Residenzpflicht“ für Professoren an ihrem Hochschulstandort besteht nicht. Dozenten müssen nur ihre Verpflichtungen in Forschung, Lehre und Selbstverwaltung erfüllen. „Man kann niemanden zwingen, an den Uni-Standort zu ziehen, auch wenn manche Hochschulen versuchen, einen solchen Umzug in das Berufungsverfahren hineinzuschreiben. Der Eingriff in die Privatsphäre ist zu groß“, sagt der Jurist Michael Hartmer, Geschäftsführer beim Deutschen Hochschulverband. Gleichwohl findet er es „sinnvoll für die Identifikation mit der Hochschule, auch vor Ort zu wohnen“. Natürlich könnten Pendler auch in der Bahn und zu Hause arbeiten. „Ihr Output wird nicht kleiner sein. Aber ein persönliches Gespräch ist nicht durch eine E-Mail zu ersetzen“, sagt er. „Für die Belange von Forschung, Lehre und Prüfung ist das Pendeln jedenfalls von Nachteil. Und für die Betroffenen selbst sowieso: Pendeln ist Stress, das weiß doch jeder.“

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Quelle: F.A.Z.
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