Gründerserie

Burritos für die Hochzeitsfeier

Von Georg Giersberg
 - 06:17

„Für das kommende Jahr liegen uns bereits heute viele Hochzeitsanfragen vor“, zeigt sich Oliver Meiser selbst etwas überrascht. Aber der Buchungsstand zeigt nur, dass Meiser und sein Partner und Mitgründer Jan Dinter mit ihrer Idee in der breiten Mitte der Gesellschaft angekommen sind: Streetfood für das schönste Fest des Lebens, bis vor kurzem noch undenkbar. Und Dinter und Meiser nehmen für sich in Anspruch, dazu wesentlich beigetragen zu haben, dass heute zum Hochzeitsfest ein Streetfood-Unternehmen als Caterer gebucht wird. Das ist nicht nur eine Frage des Preises. 1500 Euro sind die Untergrenze für eine Buchung zur Hochzeitsfeier.

Dafür kommt aber eben auch nicht nur ein Buffett, sondern eine Kochstation, auf Neudeutsch eine Front-Cooking-Station, die von mexikanisch (unter der Marke Burritobande) über italienisch (Cucina Nostra) bis zu Fleischspezialitäten (BBQ-Catering) alles anbietet, was der Magen begehrt. „Wir bieten frisch zubereitetes Essen zu optimalen Preisen“, erklärt Dinter einerseits den Zuspruch für ihre Geschäftsidee und andererseits auch ihren Anspruch, nicht nur preiswert, sondern auch gut zu sein, gut von der Qualität der Speisen bis zur Präsentation und dem Service.

Der Spagat zwischen Qualität und Preiswürdigkeit scheint zu gelingen; die Celebrate Streetfood Catering & Event GmbH, Frankfurt, expandiert. „Wir mieten gerade neue Büroräume an“, entschuldigen die Gründer den Gang durch verwinkelte Treppenhäuser in einen Besprechungsraum. Sie können ihren Erfolg selbst kaum glauben. Die beiden Enddreißiger kennen sich seit ihrem BWL-Studium in Gießen. Meiser fand dann den Weg in die Logistik bei der Lufthansa Cargo. Dinter betätigte sich schon während des Studiums als Finanzberater. Er habe durchaus zu denen gehört, die „mit ihrem Erfolg zufrieden sein können“. Aber er war es satt, immer allein zu arbeiten, er wollte etwas Größeres, ein Unternehmen, aufbauen. „Wir hatten viele Ideen“, gestehen beide. Die meisten seien schnell wieder verworfen worden. Bis dann die Idee kam, das in Mexiko bekannte Gericht Burrito nach Deutschland zu bringen. Burrittos sind mit Hackfleisch, Bohnen, Reis, Tomaten oder Käse gefüllten Tortillas aus Weizenmehl.

„Selbst, wenn die Idee scheitert, lernt man viel“

Eine große Marktforschung haben sie nicht gemacht. „Irgendwann muss man einfach mal anfangen; auch das Risiko des Scheiterns eingehen“, beschreibt Dinter den Haupterfolgsgrund junger Unternehmer. Denn „selbst wenn die Idee scheitert, lernt man viel aus einer Gründung und gewinnt für sich zumindest die Beruhigung, es einmal versucht zu haben“. Mit einem dritten Gesellschafter gründeten sie 2013 das Unternehmen, an dem Dinter und Meiser heute knapp 50 Prozent halten – und starteten mit einem Verkaufswagen mit der Aufschrift „Burrito Bande“ in Frankfurts Osten. „Mittags dort Burritos anbieten, wo sich stationäre Gastronomie nicht halten kann“, war die Idee.

Die Idee trug nur ein paar Tage, dann kam der Regen und die Leute waren es im wahrsten Sinn des Wortes satt, jeden Tag die gefüllte Teigtasche zu essen. Das Konzept wurde schnell erweitert um ein Cateringangebot. Man sollte den Verkaufswagen auch mieten können. Der Kantinenersatz läuft nur zwei Stunden am Tag und ist wetterabhängig, als Caterer wird man fest gebucht, in der Regel für etwa 200 Personen und in der Spitze auch schon einmal für 2500 Gäste. „Im Catering ist mehr Musik drin“, sagt Dinter. Aber auch damit blieb man zunächst dem Verkaufswagen, dem Streetfood im Ursprung, treu.

Diesen Wagen musste man erst einmal selbst entwickeln, weil in Deutschland kein Fahrzeugbauer Kenntnisse über die Aufbauten einer Burrito-Küche hatte. Dinter und Meiser sind heute noch dem Frankfurter Fahrzeugbauunternehmen Berger dankbar, den ersten Truck mit entwickelt zu haben. Die 14 gastronomischen Verkaufswagen, die inzwischen viel mehr als nur Burrito bieten, stehen heute auf Messen, auf Firmenjubiläen, Tagen der offenen Tür oder anderen Großveranstaltungen von Deutscher Bahn oder Lufthansa, von McKinsey, Deutscher Bank, Nike, Ikea, Apple oder anderen großen und auch kleineren Unternehmen. Das sogenannte front-cooking für das Inhaus-Catering kam später hinzu, ebenso die geografische Expansion.

„Gutes Personal zu finden ist schwer“

Schon heute decke man die westdeutsche Achse Düsseldorf-Stuttgart wie die westöstliche Achse Frankfurt-Nürnberg gut ab. „Spätestens 2019 wollen wir in Deutschland flächendeckend anbieten können“, sagt Dinter. Man habe daher in sieben weitere Verkaufswagen investiert. Der – inzwischen auch gewinnbringende – Umsatz sei bisher in jedem Jahr verdoppelt worden, auf mehr als 3 Millionen Euro in diesem Jahr. Diese Verdoppelung soll noch einige Jahre anhalten. Für 2020 werden daher „mehr als 25 Millionen Euro Umsatz“ angestrebt. Das sei möglich, wenn man genügend Personal finde.

„Gutes Personal zu finden ist schwer“, klagt Meiser. Dabei sei das Personal sehr wichtig: „Die Mitarbeiter sind unser Gesicht zum Kunden.“ Ob man einen Kunden hält oder verliert, hängt ganz entscheidend von den Mitarbeitern ab. Um die zu motivieren, biete ihnen Celebrate Streetfood ein partnerschaftliches Verhältnis im Unternehmen mit niedriger Hierarchie und eine Arbeit, bei der man zumindest im günstigen Fall von den Gästen wie ein kleiner Star bewundert werde. Da man viele Mitarbeiter nur zeitweise braucht, sucht Celebrate Streetfood immer wieder unter Studenten nach jungen Menschen mit einer gewissen Serviceneigung. 2013 ging man mit zwei Personen an den Start, Ende diesen Jahres wird Celebrate Streetfood 90 Mitarbeiter haben, Ende kommenden Jahres sollen es 200 sein. In den kommenden zwölf Monaten soll neben Frankfurt eine zweite Zentrale hinzukommen. Der Ort stehe noch nicht endgültig fest, es kann Berlin, aber auch Köln oder Stuttgart werden. Von diesen zwei Standorten aus sollen 2019 fast 1000 Veranstaltungen bekocht werden.

Und sollte es mit dem Catering einmal an Wachstumsgrenzen stoßen, haben die beiden Gründer schon eine weitere Idee. In der Markthalle des Frankfurter Hauptbahnhofs betreiben sie eine Gastronomie, „wo wir auf kleiner Fläche warme Gerichte anbieten“. „Verkehrsgastronomie könnte einmal zu unseren Verkaufswagen und den mobilen Küchen dazukommen“, sagt Dinter. Als Unternehmer müsse man sich immer fragen, ob man noch auf dem richtigen Weg sei. Bisher stimmt offenbar die Richtung bei Celebrate Streetfood.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Giersberg, Georg (geg.)
Georg Giersberg
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.
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