Entlassener Google-Mitarbeiter

„Nein, das kannst du nicht sagen, das ist sexistisch“

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Wegen sexistischer Äußerungen entlassen: Was den Google-Mitarbeiter zu seinem Text inspirierte.

Der vom Internetkonzern Google wegen sexistischer Äußerungen entlassene Mitarbeiter will sich offenbar mit juristischen Mitteln gegen seine Entlassung wehren. Das berichten mehrere Zeitungen und die Nachrichtenagentur AP übereinstimmend. Der Mann prüfe derzeit alle seine Optionen für rechtliche Schritte, hieß es. Zudem habe er schon eine Beschwerde bei der amerikanischen Arbeitsaufsichtbehörde National Labor Relations Board eingelegt mit dem Tenor, dass sein Recht auf freie Meinungsäußerung von Google-Vorgesetzten beschnitten worden sei.

Er vermutet nun, dass diese Beschwerde Grund für seine Entlassung sei. Google wehrt sich gegen die Anschuldigung. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, teilte die Pressestelle mit, dass Google überhaupt erst durch die Medien von der Beschwerde erfahren habe – und zwar nach der Entlassung des Mitarbeiters.

Der Mann, bei dem es sich mehreren Berichten zufolge um einen Softwareentwickler handeln soll, hatte ein Dokument verfasst, in dem er unter anderem die Meinung vertrat, Frauen seien biologisch weniger für den Erfolg in der Technologieindustrie geeignet als Männer. Er schrieb außerdem, Frauen seien im Schnitt neurotischer als Männer und mehr „auf Gefühle und Ästhetik als Ideen ausgerichtet“. Er nannte Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen einen „Mythos“.

„Politisch korrekte Monokultur“

Zudem beklagte er eine „politisch korrekte Monokultur“ in seinem Unternehmen. Konservative Meinungen würden nicht toleriert und unterdrückt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, der Mann habe erzählt, das Manifest sei in Teilen auf einem 12-Stunden-Flug während einer Dienstreise nach China entstanden. Der Softwareentwickler habe sich über die Inhalte eines gerade absolvierten Diversity-Trainings geärgert. Die Fortbildung, die eigentlich für mehr Vielfalt und Toleranz unter Mitarbeitern sorgen sollte sei bei dem Programmierer voll nach hinten losgegangen. Er habe gesagt: „Es gab dort so viele Zurechtweisungen im Stile von 'nein, das kannst du nicht sagen, das ist sexistisch'. Da war einfach so viel Scheinheiligkeit in vielen der Dinge, die sie dort propagierten.“

© AP, reuters

Im Silicon Valley häufen sich derzeit die Vorwürfe, dass in der Technologie-Branche eine frauenfeindliche Kultur herrsche. In Unternehmen wie Facebook, Google oder Uber sind kaum mehr als 30 Prozent der Belegschaft weiblich. Allgemein gehaltene Frauen-Diskriminierungs-Vorwürfe gibt es schon länger, kürzlich haben sich aber vermehrt Frauen zu Wort gemeldet, die sagen, sie wurden sexuell belästigt. Allen voran Susan Fowler, eine frühere Mitarbeiterin des Fahrdienstes Uber. Ihre Anschuldigungen führten zusammen mit einer Reihe anderer Skandale und Enthüllungen am Ende dazu, dass Travis Kalanick kürzlich auf Druck von Investoren als Vorstandsvorsitzender von Uber zurücktreten musste.

Im Kontext der aktuellen Vorfälle rund um den Google-Entwickler hat nun der Google-Chef Sundar Pichar seinen Urlaub unterbrochen. Kürzlich hat er eine E-Mail an die Belegschaft verschickt, die der Konzern später auch veröffentlichte. Der Text des Softwareentwicklers habe gegen interne Verhaltensregeln verstoßen, heißt es darin. „Es sei beleidigend und nicht Okay“ zu behaupten, ein Teil der Belegschaft habe Merkmale, die sie biologisch weniger fähig für die Arbeit bei Google machten. Mit der Verbreitung solcher Stereotypen über die Geschlechter habe der Mitarbeiter eine Linie überschritten.

Quelle: nab.
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