Gründerserie

Die digitale Rentenverwaltung

Von Carsten Germis
 - 17:28

Die Idee kam Sebastian Gauck, als er eines Tages die dicken Papierstapel mit seinen Unterlagen für die betriebliche Altersversorgung durchblätterte. Er habe die Verträge dafür schon bei seiner ersten Anstellung abgeschlossen, berichtet er. „Ganz schnell hatte ich dann dicke, unübersichtliche Ordner von Papier. So ist uns auch die Idee gekommen, ein transparentes, digitales Angebot aufzubauen.“ Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Lennart Wulff und Morten Hartmann gründete er Penseo – eine digitale Plattform für die Abwicklung betrieblicher Altersversorgungen. Ihre Geschäftsidee ist so einfach wie überzeugend. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen können eine eigene betriebliche Altersversorgung nur mit erheblichem Aufwand aufbauen. Gleichzeitig verpflichtet das neue Gesetz zur Förderung der betrieblichen Altersversorgung die Unternehmen aber, ihren Mitarbeitern in Zukunft entsprechende Angebote zu machen. Die ehemalige Sozialministerin Andrea Nahles und die große Koalition haben diese sogenannte Nahles-Rente durchgesetzt. Den Hamburger Existenzgründern hat es „noch zusätzlich Schwung gegeben“, sagt Gauck.

„In unserer Generation weiß jeder, dass die gesetzliche Rente nicht mehr reicht“

Die Stärke des Start-ups ist, dass die drei Gründer den Markt gut kennen und genau wissen, an wen sich ihre Geschäftsidee richtet. „In unserer Generation weiß jeder, dass die gesetzliche Rente nicht mehr reicht“, sagt Gauck. Die beiden anderen nicken. Die drei Gründer sind alle Ende 30. Sie haben ihr Berufsleben in einer Zeit begonnen, in der eine lebenslange Beschäftigung in einem Betrieb mit eigener betrieblicher Zusatzrente schon lange nicht mehr die Norm war. „Start-ups haben oft einen Obstkorb auf dem Besprechungstisch oder einen Kicker im Freizeitraum, um attraktiv zu sein“, sagt Gauck. Das reiche jedoch selbst in der digitalen Unternehmenswelt schon lange nicht mehr aus, um Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. Die Welt habe sich verändert. Tatsächlich zeigen Umfragen, dass gerade die „Generation Mitte“ zwischen 30 und Ende 50 verstärkt auf Sicherheit setzt – nicht nur im Kampf gegen Kriminalität, sondern gerade auch bei der Rente und sozialer Sicherheit.

Von Anfang 2017 an hat das Gründerteam um Gauck, Hartmann und Wulff deswegen intensiv Informationen gesammelt und sich mit den verschiedenen Prozessen der Betriebsrente vertraut gemacht. Wulff bringt dabei neben einer Ausbildung bei einer Bank und fachlicher Expertise auch noch eine lange familiäre Tradition mit. „Ich komme aus einer hanseatischen Familie, die seit drei Generationen Versicherungen managt. Deswegen weiß ich, dass das ein wichtiges und ein dringendes Thema ist“, sagt er.

Die Plattform von Penseo ist ein Software-Angebot, auf der Arbeitgeber neue Verträge für Arbeitnehmer anbieten, die Mitarbeiter abschließen und über die Plattform verwalten können. „Wir ersetzen die Versicherungsmakler nicht, das können digitale Tools auch nicht“, sagt Gauck. Penseo biete aber einen Service an, der es Unternehmen leichter mache, ihren Beschäftigten transparente Angebote für die betriebliche Alterssicherung zu machen. Die Beschäftigten bekommen online direkten Zugang, zudem geben virtuelle Berater Basisinfomationen über die betriebliche Alterssicherung und die Angebote der vom Arbeitgeber angebotenen Direktversicherer. „Der Arbeitgeber entscheidet, was er seinen Mitarbeitern anbietet und wofür er künftig seinen Zuschuss von 15 Prozent zahlt“, sagt Gauck. Fragen die Mitarbeiter nach komplizierteren, schwierigeren Lösungen, gibt es die Beratung per Telefon oder im Videochat.

Transparenz für die Abschlüsse und Konditionen

Zielgruppe der Gründer sind vor allem kleine und mittlere Unternehmen und Start-ups. Die hätten oft jüngere Mitarbeiter, „die es gewohnt sind, ihre Geschäfte online abzuwickeln“, sagt Gauck. Gleichzeitig wüssten sie oft aber nur wenig über die Vorteile einer Zusatzrente: „Oft verstehen die Mitarbeiter gar nicht, was sie abgeschlossen haben und zu welchen Konditionen“, berichtet Hartmann. „Da wollen wir Transparenz reinbringen.“

Hartmann, der CFO des Unternehmens, spricht von einem dynamischen Wachstum. Mit 15 Kunden hat Penseo begonnen, die Unternehmen haben zwischen 20 und 150 Mitarbeiter. Die drei Männer haben selbst Eigenkapital eingebracht und zwei wichtige Investoren gehabt. „Derzeit läuft gerade eine neue Finanzierungsrunde“, berichtet Hartmann: „Da geht es um eine Millionenfinanzierung.“ Der Schwung, den die Nahles-Rente bringen soll, mag da helfen. Noch sind sie in ihren Geschäftsräumen nahe des Hamburger Hauptbahnhofs zu sechst. Sie sind aber dabei, neue Mitarbeiter zu suchen. Die Geschäfte im ersten Jahr liefen gut, und mit dem neuen Gesetz werde allgemein erwartet, dass der Markt der betrieblichen Altersvorsorge von derzeit 30 Milliarden schnell auf mehr als 45 Milliarden Euro steige.

„Die Welt hat sich verändert“, sagt Gauck. Heute wechselten die Menschen häufiger ihre Arbeitsplätze. Die betriebliche Altersversorgung vom Typ – wie er sie nennt – „Daimler-Rente“ werde da zum Auslaufmodell. Direktversicherungen der Mitarbeiter würden zur Norm. Die anderen Arbeitswelten veränderten eben auch das System der betrieblichen Altersversorgung, schon jetzt machten Direktversicherungen rund 85 Prozent aus.

Und wie verdienen die drei Gründer mit ihrem Geschäftsmodell Geld? Sie berechnen für ihre Dienstleistung 2,75 Prozent der Sparsumme. Aufgebracht werden soll das Geld von den Arbeitgebern. Da die Betriebe bei den Sozialabgaben entlastet würden, wenn sich ihre Mitarbeiter für das Angebot einer betrieblichen Alterssicherung entscheiden, würden die Kosten für die Unternehmen wieder eingespielt: „Das ist für alle eine Win-Win-Situation.“

Die Gründer
Quelle: F.A.Z.
Carsten Germis
Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenStart-upsAndrea Nahles