Anzeige

Hass auf der Arbeit

Kann ich wegen Morddrohungen im Büro rausfliegen?

Von Joachim Wichert
 - 09:57
In manchen Büros wird gemobbt und gedroht, was das Zeug hält. Bild: Picture-Alliance, FAZ.NET

Das Arbeitsgericht Düsseldorf (7 Ca 415/15) musste kürzlich entscheiden: Rechtfertigt eine Morddrohung die fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses? Der Arbeitnehmer hatte seinen Vorgesetzten mit den Worten „Ich stech` Dich ab“ bedroht. Das Arbeitsgericht Düsseldorf hielt die fristlose Kündigung für wirksam. Der Arbeitnehmer habe seine arbeitsvertraglichen Nebenpflichten verletzt.

Anzeige

Danach müsse er auf die Interessen des Arbeitgebers, des Vorgesetzten und der anderen Arbeitnehmer Rücksicht nehmen. Eine Morddrohung sei mit diesem Gebot zur Rücksichtnahme selbstverständlich nicht vereinbar. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf (11 Sa 823/16) hat diese Entscheidung als Berufungsinstanz bestätigt.

„Ich will Dich nie wieder im Büro sehen“

Einen ähnlichen Fall musste auch das Landesarbeitsgericht Hamm (13 TaBV 42/09) entscheiden. Dort hatte der Arbeitnehmer, ein Betriebsratsmitglied, eine missliebige Kollegin mit den Worten „Ich will Dich nie wieder im Büro sehen, sonst bringe ich Dich lieber um!“ bedroht. Auch diese fristlose Kündigung war gerechtfertigt.

Ernsthafte Morddrohungen wiegen so schwer, dass sie in aller Regel eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Und zwar auch dann, wenn sie außerhalb des Dienstes erfolgen. Anders sieht es aus bei Drohungen unterhalb dieser Schwelle. Droht etwa ein Arbeitnehmer einem Vorgesetzten Prügel an, so verletzt er damit ebenfalls seine Verpflichtung zur Rücksichtnahme. Auch solche Drohungen können also eine fristlose Kündigung begründen. Aber die Gerichte verlangen in solchen Fällen bisweilen eine vorherige Abmahnung, je nach Schwere der Drohung.

Anzeige

Auch findet eine umfassende Würdigung des Einzelfalls statt. Für den Arbeitnehmer können etwa die Dauer des Arbeitsverhältnisses, der Umgangston im Betrieb oder eine vorausgegangene Provokation des Bedrohten sprechen. Ähnlich verhält es sich bei Drohungen mit Strafanzeige oder mit Anschwärzen beim Arbeitgeber. Auch hier bedarf es häufig einer vorherigen Abmahnung, auch hier findet eine umfassende Würdigung des Einzelfalls statt.

Eine fristlose Kündigung ist in solchen Fällen also nicht automatisch wirksam. Möglicherweise kann der Arbeitgeber nur fristgerecht kündigen oder sogar nur abmahnen. Es kommt stets auf die Schwere der Drohung und die Umstände des Einzelfalls an.

Joachim Wichert ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner in der Kanzlei Aclanz in Frankfurt.

Quelle: FAZ.NET
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDüsseldorf

Anzeige