Kolumne „Mein Urteil“

Habe ich wegen der Kinder Anspruch auf Home Office?

Von Marcel Grobys
 - 15:00

Arbeit im Home-Office ist eine verlockende Aussicht. Private und berufliche Dinge lassen sich auf diese Weise flexibel kombinieren. Das gilt vor allem für elterliche Pflichten gegenüber dem eigenen Nachwuchs. Die Zahl der Unternehmen, die mit ihren Mitarbeitern eine Home-Office-Regelung treffen, hält sich jedoch in Grenzen. Verweigert der Arbeitgeber seine Zustimmung, bleibt Betroffenen nur der Gang vor das Arbeitsgericht.

Der ist allerdings steinig, wie kürzlich das Landesarbeitsgericht (LAG) in Rheinland-Pfalz entschied (5 Sa 378/14). Im Streitfall war eine Versicherungssachbearbeiterin zunächst in Saarbrücken beschäftigt. Im Zuge eines Umbaus verlagerte das Unternehmen seine Arbeitsplätze nach Mainz. Dorthin wechselte auch die Klägerin, die ihren Wohnsitz in Saarbrücken behielt und nach Mainz pendelte. Nach der Geburt ihres Sohnes stellte sich die Mitarbeiterin auf den Standpunkt, dass sie nur noch im Home-Office arbeiten könne, da das Kind aufgrund einer nachgewiesenen Angststörung die Nähe der Mutter benötige.

Als der Arbeitgeber ablehnte, klagte die Frau auf Einrichtung eines Arbeitsplatzes zu Hause. Zu Unrecht, meinte das LAG. Grundsätzlich sei es Sache des Arbeitgebers, den Arbeitsort per Weisung festzulegen. Dabei sind zwar die berechtigten Interessen des Arbeitnehmers zu beachten. Diese führen aber nur im Ausnahmefall dazu, dass der Mitarbeiter die Arbeitsumgebung bestimmen und einen Arbeitsplatz im Home-Office einfordern kann.

Zwei Grundrechte treffen aufeinander

Entscheidend ist eine Interessenabwägung. Nach Meinung des LAG überwogen im Streitfall die Interessen des Unternehmens diejenigen der Klägerin. Diese hat zwar berechtigte Erziehungsinteressen, die unter dem Schutz des Grundgesetzes stehen. Das gelte aber auch für die Unternehmerfreiheit, die ebenfalls grundrechtlich geschützt sei. Der Arbeitgeber habe die Entscheidung getroffen, keine Mitarbeiter mehr in Saarbrücken zu beschäftigen. Dem sei auch die Klägerin gefolgt, indem sie zwischenzeitlich nach Mainz pendelte. Es hätte ihr freigestanden, ihren Wohnsitz nach Mainz zu verlegen und so unter der Woche mehr Zeit für ihr Kind zu haben.

Würde der Arbeitgeber ihr ein Home-Office einrichten, wäre sie von der übrigen Belegschaft isoliert und eine Teamaufsicht durch die Vorgesetzten unmöglich. Es sei dem Arbeitgeber auch nicht zuzumuten, eine spezielle Telefonanlage nur für die Klägerin zu beschaffen und weit entfernt vom Mainzer Betrieb einzurichten. Die Entscheidung macht deutlich, dass ein durchsetzbarer Anspruch auf Verlagerung des eigenen Arbeitsplatzes in ein Home-Office im Regelfall nicht besteht. Wer jedoch zu Hause arbeiten will, muss daher Nerven und Verhandlungsgeschick haben.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenMainzSaarbrückenHome Office