Kolumne „Nine to five“

Kobe-Rind oder doch Kröpec?

Von Uwe Marx
 - 08:20

Vielleicht wäre die Kichererbsenpfanne mit Minzjoghurt und Koriander ja eine gute Wahl gewesen. Gab es Dienstag dieser Woche in der Kantine des Regierungspräsidiums Darmstadt. Oder das Schwarzwurzelrahmgemüse mit Kloß, das an der Essensausgabe des Finanzamts Erlangen zu haben war. Und zwar am Donnerstag. Das Gemüsecurry aus dem Wok mit Nüssen, Tomatenreis, Kerbel und Kröpec wäre, ebenfalls am Donnerstag, eher nicht in Frage gekommen. Schon wegen diesem Kröpec. Und einen Anruf in der Kantine der Agentur für Arbeit in Bielefeld war es uns dann doch nicht wert, um herauszufinden, was das denn ist, Kröpec. Und vor allem: wie es schmeckt.

Kantinen-Hopping geht heute ganz einfach. Das Internet spuckt die Menüpläne Dutzender Kantinen nach ein paar Klicks aus. Keiner muss extra hinfahren, um das Angebot mit dem eigenen Arbeitgeber abzugleichen. Und um so elementare Fragen zu beantworten wie: Werden anderen auch noch Jägerschnitzel vorgesetzt? Oder Hähnchendöner? Hat sich irgendwo Low Carb durchgesetzt? Und was steht häufiger auf der Karte, die italienische oder die asiatische Woche?

Natürlich gibt es Grenzen, nicht jede Kantine zwischen Flensburg und Garmisch stellt ihren Speiseplan online. Für höchst interessante internationale Arbeitgeber gilt das allemal. Wäre ja auch noch schöner. Sonst könnten wir in neidischer Erwartung ja locker recherchieren, was denn bei Google oder in der schicken neuen Apple-Zentrale in Cupertino so auf den Teller kommt. Ob die Woche dort mit der pazifischen Felsenauster, dem Steak vom Blauflossenthunfisch oder doch wieder mit dem Braten vom Kobe-Rind beginnt. Sei’s drum! Der Blick auf fremde Speisepläne und auf den eigenen mündet ohnehin meistens in eine banale Erkenntnis, die für viele Lebensbereiche gilt: Hätte schlimmer kommen können – aber auch besser.

Die Gegend erkunden

Vermutlich ist es ohnehin schlauer, nicht andere Kantinenangebote aus der Ferne anzuschmachten oder zu bedauern, sondern zur Mittagszeit die Gegend am Arbeitsplatz zu erkunden. Hier bieten sich oft kulinarische Alternativen.

Ein Münchner Jungunternehmer hat daraus sogar ein Geschäftsmodell gemacht. Jedenfalls für solche Fälle, in denen Essensgeld erstattet und meist per antiquiertem Papiergutschein ausgegeben wird. Die Idee: Jeder isst in der Mittagspause, wo er will, und fotografiert die Rechnung seines Essens. Mittels einer App werden die Ausgaben addiert, mit dem Essensgeld verrechnet und am Ende auf die Gehaltsabrechnung des Mitarbeiters gesetzt. Mittagspause 4.0, sozusagen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Marx, Uwe (umx)
Uwe Marx
Redakteur in der Wirtschaft.
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