FAZ plus ArtikelAfrika in der Schuldenkrise

Und plötzlich ist das Geld weg

Von Thilo Thielke
 - 10:24

Es sollte ein Weckruf sein, als der sudanesische Außenminister Ibrahim Ghandur vor ein paar Wochen im Parlament seine Klage vortrug. Das Land befinde sich in enormen Zahlungsschwierigkeiten, seit Monaten hätte Khartum seine Diplomaten im Ausland nicht mehr bezahlen können, auch mit den Mietzahlungen für die Auslandsvertretungen sei Sudan im Rückstand. Derart dramatisch sei die Lage mittlerweile, dass einige Botschafter freiwillig nach Hause zurückkehren wollten, weil sie ihre Familien ohne Gehaltszahlungen nicht mehr im Ausland über die Runden brächten. Ghandur schloss seinen Appell mit den Worten: „Die Lage ist inzwischen gefährlich, weswegen ich nun öffentlich darüber rede.“ Einen Tag später wurde er vom Staatspräsidenten, dem seit 1993 herrschenden Islamisten Omar Hasan al Baschir, entlassen. Der Mann, gegen den wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in den Haag vorliegt, reagiert auf Kritik empfindlich.

Sudan ist nicht das einzige afrikanische Land, das derzeit tief in der Schuldenkrise steckt; einigen afrikanischen Ländern droht gar der Staatsbankrott. So befinden sich unter den sechs vom Internationalen Währungsfonds (IWF) weltweit für hochgradig verschuldet eingestuften Ländern fünf auf dem Kontinent: neben Sudan das Bürgerkriegsland Südsudan, Tschad, Moçambique und Zimbabwe. Der einzige Staat auf der Liste der in „höchster Not“ befindlichen Länder, der nicht in Afrika liegt, ist Grenada in der Karibik.

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Quelle: F.A.Z.
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