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Die Angst der Eltern vorm Versagen

Von Ursula Kals und Anke Schipp
 - 09:24

Radikal in Bayern

Schon im Münchner Kindergarten waberte das Wort, während der ersten beiden heiteren Grundschuljahre fiel es häufiger: Übertritt. Na ja, was soll’s. Die Lehrerin ist charismatisch, das Kind hüpft motiviert zum Unterricht. Langsam schleicht sich diese Unbeschwertheit aus, gegen Ende des dritten Schuljahres dominieren die Übertritt-Diskussion und Rechen-Akrobatik.

In Bayern ist es nämlich so: Auf welche Schulform ein Kind wechseln wird, das ist knallhart eine Frage seines Notenschnitts im zweiten Halbjahr der vierten Klasse. Anfang Mai gibt es diese Übertrittzeugnisse. Wer in Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachkunde mindestens einen Durchschnitt von 2,33 hat, dem steht das Gymnasium offen. Für die Realschule ist eine 2,66 erforderlich, sonst ist die Mittelschule angesagt, so heißt in Bayern die Hauptschule.

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Der Übertritt in den Bundesländern

Jedes Bundesland hat seine eigenen Regeln, welches Kind ins Gymnasium gehen kann und welches nicht. Grundsätzlich ist entweder der Notendurchschnitt in der vierten Klasse oder der Wille der Eltern entscheidend. Der Notendurchschnitt entscheidet in nur sechs von 16 Bundesländern über die weiterführende Schule. In Bayern liegt der erforderliche Notendurchschnitt bei 2,33, in Sachsen sogar bei 2,0. Der Elternwille wird in vielen Fällen allerdings eingeschränkt. Einige Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern haben Probezeiten eingerichtet, in denen ein Kind, das keine Empfehlung hat, es trotzdem auf dem Gymnasium versuchen kann, aber dann auch wechseln muss, wenn es keine entsprechenden Leistungen zeigt. In Sachsen-Anhalt zählt zwar der Elternwille, aber die Kinder müssen eine Eignungsprüfung für das Gymnasium bestehen, wenn sie keine Empfehlung vorweisen können. In Berlin zählt nach der sechsjährigen Grundschulzeit zwar auch der Elternwille, aber neben einer sechsmonatigen Probezeit gibt es außerdem viele Gymnasien, die einen internen Notendurchschnitt haben und nur Kinder nehmen, die den dann auch einhalten.

Quelle: F.A.S.
Ursula Kals
Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.
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Anke Schipp
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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