FAZ plus ArtikelMobilität in Städten

Bahn frei fürs Rad!

Von Christian Geyer
 - 10:20

Als Feind, als lupenreinen Feind und nicht bloß als Gegner hat der sehr streitbare, vor drei Jahren verstorbene Publizist Hellmuth Karasek immer nur einen Typus Mensch vor Augen gehabt: den Fahrradfahrer. Das bezeugt seine Schwester Heidi Kutz. Tatsächlich sind die Radfahrer eine zunehmend angefeindete Spezies, da schleift sich ein gefährliches Image als Rüpel-Radler ein, die Aggression zwischen den Verkehrsteilnehmern im städtischen Raum nimmt zu, Wutausbrüche auf allen Seiten gehören zur Akustik der alltäglichen Verkehrssituation, und wir brauchen uns jetzt nicht darüber zu unterhalten, wer angefangen hat: der Autofahrer, der Radler oder der Fußgänger.

Klar ist, dass mit der legalistischen Sichtweise hier nicht viel gewonnen ist, weil Radler sich natürlich einerseits an die Verkehrsvorschriften wie alle übrigen Verkehrsteilnehmer zu halten haben, andererseits in einem infrastrukturellen Notstand unterwegs sind, als Verkehrsteilnehmer der gefühlten zweiten Klasse, vom Auto dominiert und marginalisiert. Sie sind die Schwächeren, die physisch und psychisch das größere Risiko tragen, wenn sie sich auf die Abenteuerreise zur Kindertagesstätte, zum Arbeitsplatz, zum Sport begeben, immer gewahr, von einer sich plötzlich öffnenden Autotüre totgeschlagen zu werden, in einer Strassenbahnschiene zu Fall zu kommen oder den Radweg als nervenaufreibenden Hindernislauf zu erleben, weil dort Autos parken und Fußgänger streunen.

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Quelle: F.A.Z.
Christian Geyer-Hindemith
Redakteur im Feuilleton.
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