FAZ plus ArtikelSprache im Duden

Verordnet uns die Politik den Gender-Stern*?

Von Peter Eisenberg
 - 06:41

Dass die Bezirksverordnetenversammlungen von Berlin-Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg den Genderstern verwenden und ihn am liebsten allgemein verbindlich machen möchten, ist fast schon keine Nachricht mehr. Aber inzwischen hat sich auch ein Mitglied der Bundesregierung in die Diskussion eingeschaltet. Laut dem Berliner „Tagesspiegel“ hat sich die Justizministerin Katarina Barley unlängst für die Aufnahme des Zeichens * in den Rechtschreibduden ausgesprochen. Das setzt aber einen entsprechenden Beschluss des Rates für deutsche Rechtschreibung voraus, der das Thema, unter anderem auf Betreiben des Berliner Senats, an diesem Freitag auf seiner Tagung in Wien behandeln soll, aber vorab schon signalisiert hat, dass mit einer Entscheidung über Aufnahme des Zeichens in die Orthographie kurzfristig nicht zu rechnen sei.

Kann es sein, dass die deutsche Sprache verändert werden muss, weil sie sich nicht dazu eignet, die Diskriminierung von heute in Anspruch genommenen Geschlechtern zu vermeiden? Es wäre das erste Mal in der Geschichte des Deutschen, dass ein Eingriff von außen erforderlich würde, der über das Ersetzen von Wörtern hinausgeht. Das Deutsche gehört zu den ausdrucksstärksten und differenziertesten unter den sechstausend Sprachen der Erde, schon deshalb wäre ein derartiger Mangel eine Überraschung. Dass er nicht besteht, lässt sich leicht demonstrieren. Mit einem Satz wie „Zu den Wählern der SPD gehören auch Schwule, Transsexuelle, Intersexuelle, Androgyne und Menschen vieler weiterer Geschlechter“ wird niemand diskriminiert, weil das Substantiv „Wähler“ in seiner Grundbedeutung keinerlei Bezug auf ein natürliches Geschlecht hat. Es besagt lediglich, dass Menschen bezeichnet sind, die wählen.

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Quelle: F.A.Z.
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