FAZ plus ArtikelVergangenheitsbewältigung

Heimatabend

Von Timo Steppat, Blankenberg
 - 08:46

Die Selbitz ist ein schmaler Fluss, zehn Meter breit vielleicht. Wenn wenig Regen fällt, ist sie stellenweise nicht tiefer als einen Meter. Die Steine schimmern am Boden. Nur ein paar Schritte durch das schnell fließende, kalte Wasser, über das Ufer, und man ist auf der anderen Seite. Wer es bis hierher schaffte war beinahe sicher. Der hatte zuvor die Zäune, die Hunde an Drahtseilen und die hohe Mauer überwunden. Manchmal folgten die DDR-Grenzer auf das Gebiet der Bundesrepublik, versuchten Personen zurückzuholen, wenn auf der anderen Seite keine West-Grenzer waren.

Im Süden Thüringens, wo die Selbitz in die Saale fließt und beide Flüsse die Grenze zwischen Thüringen und Bayern, zwischen der ehemaligen DDR und der „BRD“ ziehen, versuchten viele Republikflüchtlinge ihr Glück. Die Bedingungen schienen hierfür günstig zu sein. Eine Bahnstrecke, die nach Dresden führt, endet in der Nähe. In Blankenberg fiel man nicht gleich auf, weil viele Leute in einer Papierfabrik arbeiteten, der größten der DDR. Und ein ganzes Stück der Grenze war ohne Minengürtel. In den sechziger Jahren krabbelten in manchen Monaten 15 Personen aus der Saale. Später, als die Grenze immer schärfer bewacht wurde, waren es nur noch wenige – im Jahr.

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Quelle: F.A.Z.
Timo Steppat
Redakteur in der Politik.
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