FAZ plus ArtikelEinsatz in Essen

Klare Kante gegen Familienclans

Von Reiner Burger
 - 08:10
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Razzia in EssenKeine rechtsfreien Räume zulassen

Die Essener Innenstadt ist an diesem lauen Frühlingsabend noch recht belebt. Während die letzten Einkäufer sich längst auf den Heimweg gemacht haben, zieht es die Nachtschwärmer ins Zentrum. Auf einmal rückt ganz viel Polizei heran. Mannschaftswagen auf Mannschaftswagen bringt sich in der nördlichen Innenstadt in Position. Blaulicht zuckt durch die Gassen. Zwar hat sich das Quartier rund um die Kreuzkirche in den vergangenen Jahren zum schicken Ausgehviertel entwickelt. Aber auch Verbrecher fühlen sich hier wohl. Zahlreiche Mitglieder kurdisch-libanesischer Familienclans gehen in ihren Shisha-Bars, Wettbüros oder Imbissbuden nicht nur legalen Geschäften nach. Manche Lokale dienen als Rückzugsorte für Kriminelle, als Geldwaschanlagen für Rauschgiftgeschäfte. Gemeinsam mit dem Zoll, der Steuerfahndung und dem Essener Ordnungsamt wollen 300 Polizeibeamte an diesem Abend ein deutliches Signal an kriminelle libanesisch-kurdische Familienclans senden. „Es geht los“, krächzt es um kurz nach 21 Uhr aus dem Funkgerät im Polizei-Bulli. Die Polizisten marschieren vor acht Lokalen auf.

„Wir zeigen jenen, die sich nicht an die Spielregeln halten, die Grenzen, und zwar mit allem, was der Rechtsstaat hergibt“, sagt der Essener Polizeipräsident Frank Richter. Jederzeit müsse die Szene damit rechnen, dass Polizei, Ordnungsamt und Zoll gemeinsam „aufschlagen“. Vor gut zwei Jahren haben die Sicherheitsbehörden in Essen ihre ohnehin schon enge Zusammenarbeit noch einmal intensiviert. Dabei geht es nicht nur darum, im Sinne einer Null-Toleranzstrategie systematisch auch schon kleine Vergehen zu verfolgen und demonstrativ Stärke zu zeigen. Die verschieden Behörden sind auch Türöffner füreinander. Alleine hätten weder Polizei noch Zoll, Steuerfahndung oder Ordnungsamt eine Chance, auch nur ansatzweise in die geschlossene Gesellschaft krimineller kurdisch-libanesischer Familien einzudringen. Weil Mitglieder der auch Mhallamiye-Kurden genannten Volksgruppe stets bestens vernetzt sind, muss die Polizei möglichst gleichzeitig zuschlagen, um den Überraschungseffekt zu nutzen.

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Quelle: F.A.Z.
Reiner Burger
Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
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