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Unbequeme Welt

Von Oliver Georgi
 - 06:38

Donald Trump hat seine Drohung wahr gemacht und Ziele in Syrien bombardiert. Doch auch wenn der amerikanische Präsident davon spricht, der Einsatz sei „perfekt“ verlaufen: Die Luftschläge waren eher symbolischer Natur, und geändert haben sie am Grauen in Syrien wohl nichts. Auch sonst hinterlässt der Einsatz mehr Fragen als Antworten. Wie wird sich das Verhältnis von Washington und Moskau nach den Militärschlägen entwickeln?

Schon tun sich erste Risse in der Allianz zwischen Amerika und Frankreich auf. Zwar fliegen sie gemeinsam Luftangriffe in Syrien. Doch bei der Lösung des Konflikts gehen schon jetzt die Meinungen auseinander: Trump spricht von Abzug, Macron von Stationierung. Auch die Rolle Deutschlands wird diskutiert. Und wie will Trump reagieren, wenn Assad abermals Chemiewaffen einsetzt? Um solche Fragen wird es heute nicht nur bei der Sondersitzung des OPCW-Exekutivrats in Den Haag gehen, sondern auch beim EU-Außenministertreffen in Luxemburg und in den Gesprächen von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Ankara. In Deutschland hingegen wird weiter über die Frage gestritten werden, wie sich Berlin zu Wladimir Putin stellen soll. In seinem Leitartikel fordert F.A.Z.-Herausgeber Berthold Kohler jedenfalls Realismus beim deutschen Blick auf Moskau. Gerade bei der Gestaltung des Verhältnisses des Westens zu Russland komme Deutschland eine Schlüsselrolle zu, schreibt er.

In Washington wird die „perfekte“ Welt von Donald Trump heute abermals getrübt werden, wenn der Sender ABC sein Interview mit dem früheren FBI-Direktor James Comey ausstrahlt. Darin attackiert Comey Trump aufs Schärfste, hält es gar für möglich, dass der Präsident die Justiz behindere. Wie wird Trump auf diesen Angriffe reagieren? Schauen Sie, wenn Ihnen der Sinn nach Unterhaltung ohne die Gefahr intellektueller Untiefen steht, heute also mal bei Twitter rein. Auf Trumps nach oben offener Pöbel-Skala sind weitere Spitzenwerte zu erwarten.

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Wenn Staatsmänner aus dem Amt scheiden, leiden sie oft wie die Hunde – und zwar unter akutem Statusverlust. Hinter- statt Regierungsbank, vielleicht noch Aufsichtsrat in einem Gaskonzern, ansonsten aber partei- und weltpolitisches Schweigen – eine grässliche Vorstellung. In ihrer Not bleibt den Betroffenen oft nur eines: Sie werden Gastprofessoren, um zumindest rhetorisch wieder auf Flughöhe zu kommen. „Deutschland in einer unbequeme(re)n Welt“ lautet der Titel der ersten Vorlesung, die Eben-Noch-Außenminister Sigmar Gabriel heute an der Uni Bonn hält. Das ist nicht nur wegen Syrien spannend, sondern auch wegen der Frage, wie der Goslarer mit dem robusten Ego seine künftige Rolle als elder statesman zu definieren gedenkt. Macht er auch am Spielfeldrand weiter mit guten Ratschlägen und verbalen (Tief-)Schlägen und bringt damit nicht nur Männer mit Haaren im Gesicht zum Rasen?

Und sonst: Werden in Potsdam die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst fortgesetzt, bei denen es um das Einkommen von 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen geht. Verhandeln die EU und London in Brüssel weiter über den Brexit. Werden in St. Peter Ording die legendären Pfahlbauten um bis zu 200 Meter ins Landesinnere versetzt. Was selbst den amerikanischen Präsidenten, sollte er das hier zufällig lesen, endgültig davon überzeugen könnte, dass der Anstieg des Meeresspiegels durch den Klimawandel nicht nur eine Erfindung der Chinesen ist.

Die Nacht in Kürze

Seit Jahren kämpft Kim Schmitz gegen seine Auslieferung nach Amerika. Dort drohen dem Gründer der Internetplattform Megaupload bis zu 88 Jahre Haft. Nun meldet sich der als Kim Dotcom bekannte Deutsche zu Wort – erstaunlich zuversichtlich.

In Rom spielt sich ein besonders politisches Spektakel ab. Italiens Hauptstadt leidet unter riesigen Schlaglöchern. Für die „Formel E“ werden sie in einem Viertel kurzerhand beseitigt. Doch für ganz Rom soll die Lösung nicht zum Einsatz kommen.

Quelle: FAZ.NET
Oliver Georgi
Redakteur in der Politik.
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