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Blutdrucksenker und Islamisten

Von Heike Göbel
 - 08:33

Mittlerweile ist die Politik aufgewacht im Blutdruckmittel-Skandal. Bis zu 900.000 Patienten bekamen verunreinigte und damit womöglich krebserregende Pillen mit dem Wirkstoff Valsartan. Vor einem Monat wurde das Medikament aus den Apotheken in Deutschland und 21 weiteren Ländern zurückgerufen, seither ist die Unsicherheit groß. Mein Kollege Andreas Mihm berichtet über die Hintergründe und hat den Arzneimittelfachmann der Union gefragt, was die Koalition tun will, um die Qualitätskontrolle zu verbessern.

Wie der Blutdruck von Guido Kerkhoff ist, wissen wir nicht. Der Mann trägt vorläufig die Verantwortung für die Ruhrgebiets-Ikone Thyssen-Krupp. Ihm sitzen aktivistische Aktionäre im Nacken, die den ertragsschwachen Konzern am liebsten gewinnbringend aufspalten würden. Im Gespräch mit der F.A.Z. hält Kerkhoff dagegen: Er habe ein klares Mandat, die Einheit des Konzern zu wahren. Das erhebliche Potential von Thyssen-Krupp will Kerkhoff freilegen „mit einem klaren Blick, aber auch ohne Angst und Träumerei“. Am Donnerstag hat er ehrgeizige Finanzziele genannt, die Börse bleibt skeptisch.

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Eine Nervenprobe steht deutschen Sicherheitsbehörden bevor. In Kürze wird mit dem Marokkaner Mounir el Motassadeq einer der Islamisten entlassen, die die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon im September 2001 vorbereitet haben. Mottasadeqs Haftzeit in einem Hamburger Gefängnis läuft nach 15 Jahren ab. Nun soll der Terrorist, der sich zwar gut geführt, aber seine Überzeugungen wohl nicht geändert hat, abgeschoben werden in seine Heimat. Wie die Chancen dieses heiklen Unterfangens stehen, hat die F.A.Z. aus Sicherheitskreisen erfahren.

Und sonst? Während Ryanair-Passagiere sich auf einen Blutdruck-treibenden Streiktag gefasst machen müssen, wartet auf Präsident Erdogan die weitere Machtprobe mit den Finanzmärkten, die ihn gerade lehren, dass er seinen Willen vielen aufzwingen kann, aber nicht der Wirtschaft. Die türkische Lira fällt und fällt.

Die Nacht in Kürze:

Eine Gewitterfront hat Deutschland die ersehnte Abkühlung gebracht, aber den Verkehr auf den Straßen, auf der Schiene und in der Luft massiv behindert. Mehrere ICE-Strecken sind als Folge des Unwetters nach wie vor gesperrt. Besonders der Norden ist betroffen.

Die Vereinten Nationen fordern eine unabhängige Untersuchung des Luftangriffs auf einen Schulbus im Jemen, bei dem Dutzende Kinder getötet wurden. Schwere Vorwürfe richten sich an das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis.

Immer mehr Menschen entscheiden sich bei der Einbürgerung in Deutschland für die Doppelstaatsbürgerschaft. EU-Bürger und Flüchtlinge profitieren dabei von einer Ausnahmeregelung.

Quelle: FAZ.NET
Heike Göbel
Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.
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